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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Mars, S.: Ortebestimmung auf See durch Standlinien unter Anwendung d. Stundenwinkelformel usw. 371 
Versegelhung, 
Hat das Schiff zwischen den beiden Beobachtungen seinen Ort verändert, 
zo ist für Bestimmung des Schiffsortes die erste Standlinie entsprechend der bis 
zur zweiten Höhenmessung stattgehabten und aus der Logrechnung zu ent- 
nehmenden Versegelung (Vs) zu verlegen. Denkt man sich die Versegelung in 
allen Punkten nach Kurs und Entfernung angetragen, so ergibt sich aus den 
Endpunkten der angetragenen Strecken eine Linie, die offenbar eine aus der 
ersten Beobachtung ermittelte, für die Zeit der zweiten Beobachtung beschickte 
Ortslinie — die sogenannte verlegte erste Standlinie — darstellt, In der Praxis 
zeichnet man sie in der Weise, daß man die Versegelung nach Richtung und 
Entfernung an einen Punkt der ersten Standlinie (den Bestimmungspunkt) anträgt 
und durch den Endpunkt der Versegelung eine der Standlinie parallele Gerade 
legt. Streng genommen ist die verlegte Standlinie der ursprünglichen zwar nicht 
parallel wegen des Azimutunterschiedes. Bei großen Höhen ist es deshalb besser, 
die Standlinie für den Endpunkt der Versegelung zu ermitteln und nicht die der 
ersten Standlinie parallele Gerade dazu zu gebrauchen. 
Die Zeichnung der Höhengleiche bei Höhen über 85°. 
Die Tabelle für die Länge der Tangente an der Höhengleiche (Formel 11) 
zeigt, daß man gut tut, etwa von 85° Höhe an nicht die Standlinie zu ermitteln, 
sondern nach dem im folgenden erläuterten Verfahren die Höhengleiche selbst 
zu zeichnen. 
Aus der Formel für den Krümmungshalbmesser in einem Punkt der Höhen- 
kurve r' = cosh -secd-sect . 3438’ ergibt sich, daß, wenn z <= 8°, w=z-secÖ 
ist. Die Höhengleiche geht durch den Punkt, wo das Gestirn kulminiert, Dieser 
Punkt hat für Breite ö + z und für Länge die Länge des Projektionspunktes des 
Gestirns, Der Mittelpunkt der Höhengleiche wird also gefunden, indem man von 
diesem Punkt aus auf dem Meridian, welcher der Länge des Projektionspunkts 
entspricht, z-sec&$ absetzt, Die Konstruktion des betreffenden Bogens geschieht 
weiter in der üblichen Weise. Der Schnittpunkt dieses Kreisbogens mit einer 
Standlinie oder einem anderen Bogen ist der Schiffsort. Die Versegelung wird 
in Rechnung gezogen durch Beschickung des erstgenannten Bestimmungspunktes., 
In den Tropen kann r' = z gesetzt werden, so daß man um dem Projektionspunkt 
einen Kreis oder einen Bogen des Kreises schlägt, welcher Halbmesser gleich der 
beobachteten Zenitdistanz ist. 
Die Nebenmeridianbreitenberechnung nach Einzelhöhen. 
Soll aus einer Beobachtung in der Nähe des Meridians die Breite ermittelt 
werden, dann kommt die Differentialformel dg = 4t-tg Az- cos g in Anwen- 
dung und nicht der Fehler in der Größe C infolge fehlerhafter Breite, wie bereits 
bei der Bestimmung der Grenzen für die Auflösung des Zweihöhenproblems 
erörtert ist, Diese Formel wird, wenn t= mm klein ist, geschrieben dp = 2.C-m- dm 
(siehe die Ableitung von Formel 13). Setzt man dm = 1"=15, dann erhält 
man deg=2.C-m, 
Die bekannte Näherungsregel für die Anwendbarkeit der Nebenmeridian- 
breitenberechnung nach Einzelhöhen ist, daß die Anzahl der Zeitminuten 
des Stundenwinkels kleiner oder gleich sein muß der Anzahl der Grade 
der Zenitdistanz des Gestirns. 
Bei einem großen Längenfehler ist diese Regel gefährlich, wie sich ‚aus 
folgendem Beispiel ergibt: Ist g=50° und d = —20°, dann wird für dın=2min=30' 
und der Grenzstundenwinkel = 70 min, d = 2-1.26-70-2 = 853” oder un- 
gefähr 6‘. Dieser Fehler ist auch in der Praxis zu groß. Bei einem so großen 
Stundenwinkel kommt auch noch der Fehler in C infolge fehlerhafter Breite in 
Betracht. Ist der Breitenfehler 20‘, dann ist der hierdurch entstehende Fehler 
1.0‘, so daß die berechnete Breite 6’ + 1.0°= 7.0 ungenau sein kann. Auch bei 
der Verwendung der Formel sin %u = }4sin vers t - cos @ - cos 6 + cose6 Sa 
(m= @-—6) erhält man diesen Fehler ebensogut. Die Tafeln X und XI von
	        
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