Mars, S.: Ortsbestimmung auf See durch Standlinien unter Anwendung d, Stundenwinkelformel usw. 355
als umgekehrt; denn weil die Ortslinien alsdann nahe Ost und West laufen, so
gehören zu kleinen Breitenunterschieden sehr große Längenunterschiede.«
Diesem Mangel der Sumnerschen Anweisung wurde auch schon in dem
‚Lehrb, d. Navig.« von G. E. Tuxen und J. C. Tuxen, Kopenhagen 1858, S. 336,
dadurch abzuhelfen gesucht, daß man die Regel einführte, immer zwei an-
genommene Längen vorzuziehen, wenn das Azimut kleiner als 45° ist,
Prof. Weyer sagt nicht, wann man die Rechnung für die Nebenmeridian-
breite ausführen muß, und gibt unbestimmte Anweisungen, Es ist deswegen ein
großes Verdienst des Herrn D. Mars, diesen Punkt zur vollen Aufklärung
gebracht zu haben.
Auch Prof. W. warnt vor Übertreibungen des Wertes der »neuen Navi-
gation« (Höhenmethode). Er sagt auf Seite 6; »Täuschungen und Übertreibungen
des Wertes der „neuen Navigation“, welche von Sumners Methode ihren Ur-
sprung nahm, sind übrigens auch schon vorgekommen.« Bei einer empfehlenden
Darstellung dieses Gegenstandes in »Nautical Magazine« 1882, S, 172, heißt es
betreffs »The new Navigation«: »It may indeed be said that if the time at ship
be moderately well kept, and properly corrected for the estimated change of
meridian, the problem will serve as a valuable check on the chronometer, using
the ships time and D. R. elements; and where the chronometer has broken down,
a ship might safely be navigated by the new method.« (!) Prof. Weyer macht
dann auch die folgende Bemerkung: »Aus der guten Übereinstimmung der
Resultate, ungeachtet der großen und verschiedentlich angenommenen Fehler des
geschätzten Schiffsortes, wird nun weiter geschlossen, daß das Problem auch als
wertvolle Prüfung des Chronometers dienen kann, wenn nur die Schiffszeit durch
Berücksichtigung der Veränderung des Meridians nach der Fahrtrechnung
genügend bekannt zu erhalten gesorgt werde; und wo die Benutzung des Chrono-
meters abgebrochen wäre, möchte ein Schiff noch sicher nach der neuen Methode
navigiert werden können. (!) Die Frage, wie lange?, ist dabei nicht vom Ver-
fasser besprochen, der wohl etwas übereilt auf dem Wege war, aus der „neuen
Methode“ nicht in die alte, sondern sogar in die vorchronometrische Zeit zu
eraten.«
> Der Wert und die Anwendung der Sumnerschen und der Marcq
St. Hilaireschen Methode in der nautischen Praxis sind auch von Herrn D. Mars
behandelt worden,
Da die Veröffentlichungen von D. Mars in dieser Zeitschrift bisher keine
Erwähnung gefunden haben, so glauben wir, daß es für die Leser dieser Zeit-
schrift und überhaupt für die deutschen Seeleute von Nutzen ist, wenn wir die
Resultate der Untersuchungen des Herrn D. Mars und die von Herrn Raydt
im Aprilheft dieser Zeitschrift beschriebene Ortsbestimmungsmethode hier näher
besprechen. Diese Abhandlung kann dann als eine Fortsetzung der Aufsätze
von Prof, Dr. Weyer in den »Ann. d. Hydr. usw.« 1884 u, 1885 betrachtet werden.
Die Nebenmeridianbreitenmethode und die Breitenmethode geben innerhalb der Grenzen
t = 2b und 6 = 6° 30’ denselben Punkt.)
Wir haben bereits oben gezeigt, daß man in der Nähe des Meridians die
Sumnersche Standlinie unter Anwendung der Stundenwinkelformel nicht genau
bestimmen kann, da ein kleiner Breitenfehler schon eine sehr große Änderung
von t hervorbringt. Man hat diesem Mangel der Sumnerschen Verfahren
dadurch abzuhelfen gesucht, daß man mit der Bestecklänge die Breite berechnete,
wenn das Azimut kleiner als 45° ist. So entstand die Längen- und Breiten-
methode. Bestimmt man die Standlinie nach der Höhenmethode, dann braucht
man sich nur eine Formel und ein Rechenschema fest einzuprägen gegen zwei
bei der Längen- und Breitenmethode. Nun ist wohl die Anwendung der Stunden-
winkelformel dem Navigateur mehr geläufig als die Berechnung der Höhe, dies
kann aber nicht gesagt werden von der Breitenmethode nach sphärischer
1) Dieselben Abkürzungen und Zeichen sind benutzt wie in dem »Lehrbuch der Navigation«,
herausgegeben vom Reichs-Marine-Amt, Berlin 1906,