Mars, S.: Ortsbestimmung auf See durch Standlinien unter Anwendung d. Stundenwinkelformel usw, 353
Ortsbestimmung auf See durch Standlinien
unter Anwendung der Stundenwinkelformel und der Breitentabellen.
Von 8. Mars, Ass. a. d. Filialabteilung des Königl. Niederl. Meteor. Inst, zu Amsterdam.
Unter diesem Titel schreibt Herr Schiffsoffizier Raydt, Hamburg-Amerika
Linie, in dem Aprilheft dieser Zeitschrift einen Aufsatz, worin er durch Bei-
spiele beweisen will, daß es doch überhaupt nicht nötig ist, gerade die Höhe zur
Ermittlung der Standlinie zu berechnen.
Herr de Wijn hat uns bereits in »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, S. 547 u. ff.
mit Beispielen gezeigt, daß es mittels des Zwei-Nebenmeridianhöhen-Problems
möglich ist, gute Ortsbestimmungen auf See zu bekommen, wenn man die sehr
billigen Tafeln von Bossen und Mars!) gebraucht,
Da Herr Raydt wohl unbekannt ist mit der holländischen Tafel, so
empfiehlt er die teureren »Davis’ Exmeridian Tables«, Wenn er sich bewußt
war, wieviel die »Bossen und Mars-Tafel« leisten kann, dann würde er mit
Herrn de Wijn sagen, daß die holländische Tafel für den praktischen Gebrauch
an Bord alle auf diesem Gebiete bisher veröffentlichten Tafeln nicht nur in großer
Genauigkeit, sondern auch in größerer Erweiterung der Breite, der Deklination,
des Stundenwinkels und des Azimuts übertrifft, Wie kann es denn doch möglich
sein, daß eine sa hervorragende Arbeit den deutschen Seeleuten unbekannt
geblieben ist? Die Ursache ist vielleicht nicht weit zu suchen, Herr Dr, O0, Fulst
hat diese Tafel in den »Ann. d. Hydr. usw.« 1905, S. 87, besprochen und am Schluß
geschrieben: »Nach alledem glaube ich, der — übrigens sehr gut ausgestatteten —
Tafel wenigstens in Deutschland keine große Verbreitung in Aussicht stellen zu
können.« Warum kann Herr Fulst der holländischen Tafel keine große Ver-
breitung in Aussicht stellen in Deutschland? Weil es dem Herrn Rezensenten
scheinen will, als ob eine Berechnung der entsprechenden Aufgabe mittels der
in Deutschland gebräuchlichen Formeln, z, B. der Formel .
sin 5 = gem - cos gp + 008 8-coseo LM m=@— 68),
mindestens ebenso schnell möglich ist, wobei diese Art der Berechnung noch den
großen Vorteil gewährt, daß sie keine besondere Tafel erfordert.
In seinem Aufsatz hat Herr de Wijn auf Seite 548 »Ann. d. Hydr. usw.«
1905 diese Meinung bestritten und Beispiele aus der Praxis gegeben, woraus
folgt, daß diese Tafeln wirklich eine sehr große Erleichterung zur Berechnung
des Nebenmeridianbreite-Problems schaffen. Wenn ein praktischer Nautiker so
ein günstiges Urteil über die Einrichtung der holländischen Breitentafeln gegeben
hat, so scheint uns das ungünstige Urteil des Herrn Dr. Fulst über die Ein-
richtung hierdurch aufgehoben zu sein. Herr de Wijn schreibt: »Ich lasse hier
einige der Praxis an Bord entnommene Beispiele folgen, zur Beurteilung der
Resultate mittels des Zwei-Nebenmeridianhöhen-Problems, berechnet mit den
Tafeln von Bossen und Mars, und bitte, den geringen Unterschied zu beachten
zwischen dieser Ortsbestimmung und der durch Landpeilungen erhaltenen,
Jeder unbefangene praktische Navigator wird wenigstens sehr zufrieden
sein mit dem erreichten Resultat, und ihm wird die ganz einfache und doch
genaue Bestimmung des Schiffsortes doppelt angenehm sein, und dies wird
hoffentlich eine nähere Bekanntschaft mit den Tafeln, mittels welcher er so
schnell und ohne Mühe den Schiffsort bestimmen kann, zur Folge haben,«
In den Jahren 1899 bis 1902 erschienen in der holländischen Zeitschrift
»De Zee« von der Feder des bekannten holländischen Nautikers D. Mars, an-
läßlich des Kampfes zwischen den Anhängern der Methoden Marcgq St. Hilaire
und Sumner, eine Reihe Abhandlungen, in welchen er auf mathematischer Grund-
lage und mit vielen Beispielen bewies, daß auf der Grenze, wo die Standlinie,
») Zeevaartkundige Tafelen voor Circum-Meridiaan- Waarnemingen met toepassing op de plaats-
bepaling door hoogtelijnen (Breedte 0°%°-—75°, declinatie 0°—78°, uurhock 0l—2h, azimuth 0°—36°)
door P. Bossen en D. Mars. P. Noordhoff, Groningen 1904. ‚3.75.