348 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1908.
druck und Temperatur zuweist. Nach Pettersson bildet die Eisschmelze in den
Polargebieten, und ganz besonders in der Antarktik, die Ursache der Erscheinung,
indem sie im Ozean ein Ebbe- und Flutphänomen und gleichzeitig im Südsommer
in der Atmosphäre der südlichen Halbkugel eine ähnliche Flutwelle hervorruft,
die sich nach nördlichen Breiten fortpflanzt. Zusammen mit jenen Eisschmelz-
gebieten bilden die Furchen niedrigen Drucks, die wir längs der Eisränder über
den wärmeren Meeresgebieten antreffen, die hauptsächlichsten Aktionsgebiete, zu
denen das zwischen ihnen gelegene Aktionszentrum, wo die Wärme aufgespeichert
wird, das die Zirkulation unterhält, hinzutritt, So führt Pettersson die jähr-
liche Periodizität in den meteorologischen und hydrographischen Phänomenen
auf eine gemeinschaftliche Ursache, nämlich den Effekt der Sonnenstrahlung,
und die unperiodischen Änderungserscheinungen auf Schwankungen der Sonnen-
intensität zurück; Pettersson schreibt dem Übergang aus dem festen in den
flüssigen Zustand die größten hydrographischen Veränderungen und eine ent-
sprechende Rolle zu, wie sie dem Übergang des Wassers aus dem dampf-
[örmigen in den flüssigen Zustand und umgekehrt für die meteorologischen Ver-
änderungen zukomme. Kine Verspätung in dem Verlauf der Meerestemperaturen
(Papey und Thorshavn, 1880/89) gegen den Gang der Gradienten Kopenhagen—
Styckisholm vermag Pettersson aus einer Nebeneinanderstellung nicht zu
erkennen.
Dieses von Pettersson gelehrte rhythmische Pulsieren des Meeres und der
Luft, das durch die Eisschmelze in den Polargebieten hervorgerufen werden
soll, enthält aber des Hypothetischen zur Zeit wohl noch zu viel, um als eine
befriedigende Erklärung der Erscheinung angesehen werden zu können, Die
von Meinardus betonte Wechselwirkung zwischen den Meerestemperaturen und
der Druckverteilung vermag aber auch erst dann als eine ausreichende Erklärung
angesehen zu werden, wenn der Nachweis vorliegt, daß sich jene Erhaltung der
Meeresoberflächentemperaturen mit ihren typischen Unterbrechungen in der einen
oder anderen Weise bestimmt folgern lasse, und daß anderseits die beobachteten
Unterschiede der Meerestemperaturen in ihrer Wirkung ausreichen, um Unter-
schiede in der Luftdruckverteilung hervorzurufen, wie sie uns in den Mittelwerten
der Luftdruckunterschiede sowie in den Karten der Luftdruckverteilung ver-
schiedener Perioden hervorgetreten sind, Verfasser neigt der Ansicht zu, daß
neben jener von Meinardus gelehrten Wechselwirkung von Luftdruckverteilung
und Meerestemperatur eine mächtigere, von uns noch nicht ergründete höhere
Ursache die Erhaltung sowie die periodische Unterbrechung oder wohl richtiger
Wandlung der Luftdruckverteilung hervorruft und damit zugleich die Parallelität
der Meeres- und Lufttemperaturen zur Folge hat.
Die Frage nach der Ursache der hier behandelten Erscheinungen ist zur
Zeit noch als eine offene zu betrachten und erfordert insbesondere eine genaue
Untersuchung der Temperaturverhältnisse des Nordatlantischen Ozeans, um die
nötige Grundlage zu beschaffen. Es handelt sich dabei um eine Frage von
großer Tragweite, so daß die Wissenschaft denjenigen Männern, die seit Jahren
an der Vorbereitung zu einer systematischen Erforschung des ganzen nord-
atlantischen Gebiets tätig sind, zu dem allergrößten Dank verpflichtet sein muß,