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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Grossmann: Die Bezichung zwischen den Temperaturen des Nordatlantischen Opeans Ysw. 347 
an der norwegischen. Küste von dem KEisvorkommen bei Island zu entnehmen 
ist, wie Brennecke’) eine solche für die Lufttemperatur von. Bodö gezeigt hat, 
wärend die Lufttemperaturen von Greenwich und Kopenhagen kaum einen Unter- 
schied für die Mitteltemperaturen einer Reihe von Perioden mit Eisreichtum und 
solcher mit Eisarmut bei Island zu erkennen geben, so daß also hier ein bestimmter 
Fall vorliegt, wo jene Meeresoberflächentemperatur ein besonderes, von dem der 
Temperatur über Nordwest- und Mitteleuropa abweichendes Verhalten aufweist, 
Dieses Ergebnis zwingt uns die Überzeugung auf, daß die Schwankungen 
der Temperatur des Golfstromes nicht direkt die Ursache der Erscheinung sein 
können, sondern daß wir es mit einer Erhaltungstendenz der Luftdruckverteilung, 
ler Wetterlage, samt deren mehr oder weniger regelmäßigen, in längeren Beob- 
achtungsreihen so scharf hervortretenden Unterbrechungen zu tun haben, Daß 
die Luftdruckverteilung im März/April eine sehr große Ähnlichkeit mit der- 
jenigen des vorangehenden November/Januar, also in demjenigen Falle besitzt, 
wo die Erhaltungstendenz bei weitem am schärfsten hervortritt, hat Meinardus®) 
yezeigt, indem er die mittleren Luftdruckverteilungen für diese beiden Zeiträume 
aus solchen aufeinander folgenden Einzelfällen berechnete, wo die Luftdruck- 
anterschiede Kopenhagen/Styckisholm das eine Mal durch große und das andere 
Mal durch besonders kleine Werte ausgezeichnet waren. Wir begegnen an 
dieser Stelle auch dem Ergebnis, daß die Luftdruckdifferenzen von Zentraleuropa 
und Westsibirien in der Regel von Jahr zw Jahr mit der Differenz Kopen- 
hagen/Styekisholm gleichsinnig verlaufen. 
Nach Meinardus würde die Erhaltung der Wetterlage samt ihren charak- 
(eristischen Unterbrechungen auf einer Wechselwirkung zwischen der Lufltdruck- 
verteilung und der Temperatur des Golfstromes beruhen, und der Hauptsache nach 
dem letzteren zufallen. Bel erhöhter Temperatur des Golfstromes nimmt die Tiefe 
der die Zirkulation über dem Nordatlantik unterhaltenden Depression bei Island 
zu, die wachsende Windstärke beschleunigt den Golfstrom, so daß auf der Ost- 
seite des Ozeans die Temperatur des Golfstromes steigt, also die Depression noch 
weiter an Tiefe zunimmt und somit für die Erhaltung der Druckverteilung zu- 
nächst gesorgt wird; anderseits aber beschleunigt die verstärkte Zirkulation auch 
lie polaren Strömungen auf der Westseite des Nordatlantik, so daß dem Golf. 
strom auf jener Seite kälteres Wasser zugeführt wird, das im Laufe der Zeit, 
nach der Westküste Europas vordringend, eine Abnahme der Depression herbei- 
führt und somit schließlich eine Wandlung der Druckverteilung verursacht, 
Führt man diesen Gedanken fort, so würde die darauf nachlassende Kraft der 
Zirkulation der Laft allmählich den Zufluß des kalten Wassers im Westen des 
Ozeans verringern, die Temperatur des Golfstromes würde an unserer Küste 
wieder steigen, die Depression sich wieder von neuem vertiefen usw. Die ver- 
stärkte Zirkulation führt uns aber in vyerstärktem Grade ozeanische Luft herbei, 
so daß in der kalten Jahreszeit der Parallelismus zwischen dem Gang der Meeres- 
temperaturen und der Temperatur von West- und Mitteleuropa erklärt sein 
würde; an einer Stelle glaubt Meinardus‘} aus dem Vergleich der Gradienten 
Kopenhagen/Styckisholm den Beweis zu führen, daß in der Äußerung der ver- 
mehrten oder verminderten Wasserbewegung‘ auf die Temperatur bzw. auf die 
Eisvyerhältnisse eine Verspätung von mehreren Monaten eintrete, wodurch eben 
die Möglichkeit einer Prognose für die beiden Seiten des Atlantik gegeben sel, 
Eine ganz andere Auffassung vertritt Pettersson,‘) der dem Meere eine 
nehr selbständige Rolle bei dem offenkundigen Zusammenhang zwischen Lufet- 
4 Brennecke: »Bezichungen zwischen der Luftdruckverteilung und den Eisverhältnissen des 
Ostgrönländischen Meeres, Ann. d. Hydr, usw, XXXUIL S., 1904, 
2) Meinardus: Über einige meteorolozische Beziehungen zwischen dem Nordatlantischen 
Jzean und Europa im Winterbalbjahte,x Met, Zeitschr. XV, (XXX1UL) Ba. 1898 
3) Meinardus: Über Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation and ihre Folgen.« 
Ann. d. Hydr. usw. XXXUL J., 1000, 
4) Petterssom: Ȇber die Wahrscheinlichkeit von periodischen und unperiodischen Schwars 
kungen im dem Atlantischen Strom und ihre Beziehungen zu metcorologischen und biologischen 
Phänomenen,« Ur Svenska Hirrdrogr. Biolog, Konmissionens Skriftern IL, 1905.
	        
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