3941
‚Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1908,
Diese Arbeit von Pettersson bildete den Ausgangspunkt einer ganzen
Reihe von Untersuchungen von Meinardus, in denen wir den Gesichtskreis bei
Behandlung der Aufgabe zunehmend erweitert finden, und es reihten sich Unter-
auchungen von Brennecke, Schott, Hann und Mecking an, die hierher ge-
hörige, mehr oder weniger durch Meinardus angeregte Fragen behandelten,
Die von Pettersson angedeutete Möglichkeit einer Wettervorhersage auf
Grundlage der Meerestemperaturen an der norwegischen Küste bildet den eigent-
lichen Ausgangspunkt und das von Meinardus verfolgte Ziel, Dabei faßte
Meinardus die Gleichsinnigkeit der Schwankungen anders auf als Pettersson,
indem dieser die Abweichungen der Temperaturmittel von ihren Normalmitteln,
dagegen Meinardus die Änderungen der Monatsmittel von Jahr zu Jahr ins Auge
faßte und die Gleichsinnigkeit dahin verstanden wissen will, daß eine Reihe von
Monaten in dem einen Jahr wärmer und in dem anderen kälter als in dem vor-
angehenden ist; eine auf den Änderungen von Jahr zu Jahr beruhende Prognose
bezeichnet Meinardus als eine relative, im Gegensatz zu einer auf den Ab-
weichungen von Normalmitteln beruhenden »absoluten« Prognose,
Nachdem Meinardus!) zunächst eine Gleichstimmigkeit zwischen jenen
Meerestemperaturen (1874/96) und Berlin festgestellt hatte, wählte er, um die Unter-
suchung für einen längeren Zeitraum durchführen zu können, an Stelle der
Meerestemperaturen die Temperaturen von Christiansund und verglich diese
(1861/96, Mittel Nov,/Dez.) mit den Temperaturen von Orten Mitteldeutschlands
(Jan, Febr., März und Mittel Jan./März) sowie später”) (1861/96, Mittel Nov,/Jan.}
in. noch weiterer Ausdehnung mit Orten Mittel- und Nordeuropas (Febr./März und
März/April}; die Parallelität der Temperaturänderungen ergab sich bei dieser
Untersuchung fast durchweg auf 80 bis 90%, und diese Stimmigkeit wurde auf
eine solche mit den Meerestemperaluren übertragen, da nach Pettersson der
Gang der Temperatur von Christiansund, abgesehen von der Amplitude, sehr nahe
mit dem der Wassertemperatur übereinstimmen müsse,
Um noch längere Beobachtungsreihen für seine Aufgabe zu gewinnen, zog
Meinardus die Luftdruckbeobachtungen heran, Aus der Erwägung, daß unsere
winterliche Luftdruck- und Temperaturverteilung enge Beziehungen zueinander
besitzen und anderseits unsere Temperatur und die Meerestemperatur in ihren
Schwankungen Übereinstimmung zeigen, schloß Meinardus, daß einer relativ
hohen Meereswärme eine Verschärfung der Luftdruckunterschiede über dem
Golfstrom und ebenso einer relativ niedrigen Meerestemperatur eine Verminderung
jener Gradienten entsprechen müsse, Nach einem sehr befriedigenden Vergleich
der Luftdruckgradienten Styckisholm— Thorshavn (1867/92 Sept,/Dez,) mit den
nachfolgenden Temperaturen von Mitteleuropa (Febr./März) wurden diese für
März/April mit den vorangehenden Gradienten Styekisholm— Kopenhagen (1846/92
Sept. Jan.) verglichen und das Ergebnis in einer Karte durch Kurven der gleichen
Prozentübereinstinmung dargestellt. Meinardus erhielt für das mit den Gra-
dienten gleichzeitige Quartal Nov./Jan, 69% und für Febr./April 89%, Überein-
stimmung, und wir begegnen hier der Schlußfolgerung, daß jene geringe Stimmig-
keit der gleichzeitigen Schwankungen für Nov./Jan. auf Mitteldeutschland
beschränkt sein müsse, da die Gleichsinnigkeit für die Schwankungen der Gra-
dienten Sept.Han. mit den Temperaturen Mitteleuropas Febr./März und März/April
und anderseits auch die Gleichsinnigkeit für diese Temperaturen mit denjenigen
von Christiansund Nov,/Jan, nachgewiesen sei, so daß eine solche auch zwischen
den Schwankungen der Gradienten Sept. /Jan. und den Temperaturen von Cbhristian-
sund Nov./Jan. bestehen müsse. Auf diese Weise ergab sich aus dem Verhalten
der Gradienten zu den nachfolgenden Temperaturen Mitteleuropas ein solches
für die Temperaturen von Christiansund Nov./Jan. und durch eine ähnliche
weitere Substitution ein solches für die Meerestemperaturen an der norwegischen
Küste und den Golfstrom, 50 daß also auch aus dem Verhalten der Gradienten
5 Meinardus: Über eine Methode der Vorausbestimmung des allgemeinen Wisterunge-
eharakters längerer Zeiträume.-. Naturwissensch, Rundschau, XML, J., 1897, .
2) Meinardus: »Uber einige meteorologische et zwischen dem Norxdatlantischen
Ozean und Europa im Winterhalbjahr.« Met, Zeitschr. XV, (XXX) Bda,, 1898,