324 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1908.
vielen Schiffsführern für bedeutend größer angenommen wird, als die Karten
anzeigen. Jedenfalls wäre es wünschenswert, wenn diese Strecke befahrende
Kapitäne der Sache ihre Aufmerksamkeit schenken und durch gelegentliche
Lotungen zur Klärung des Sachverhaltes beitragen möchten, Nicht ausgeschlossen
allerdings ist die Möglichkeit, daß der Dampfer mit einem unter der Wasser-
linie treibenden Wracke kollidiert hat, während ein Seebeben nach dem Berichte
nicht in Frage zu kommen scheint. v. d, B.
5. Unterwasserschallsignal. Der IX. Offizier des D, »Barcelona«, Herr
Hennig, schreibt in einem Bericht an die Deutsche Seewarte: »Das Unterwasser-
signal von Nantucket F-Sch. wurde deutlich im I. und II Kabelgatt vorne ohne
Empfänger vermittels einer dünnen, 1 m langen Eisenstange gehört, von der das
gine Ende die Schiffswand berührte und das andere Ende zwischen den Zähnen
festgehalten wurde; die Ohröffnungen wurden hierbei zugehalten, Auf 1 bis 2 Sm
Entfernung vom Feuerschiff wurde das Unterwassersignal ohne Empfänger und
ohne Eisenstange klar und deutlich im Kabelgatt gehört.« Me.
6. Staubfall an der Ostküste Südamerikas, Kapt. T. Breckwoldt vom
D. »Hathor« berichtet: »Am 5, Februar 1908 nachmittags beobachteten wir auf
der Reise von Punta Arenas M, nach Montevideo in 40° $S-Br., 58° W-Lg. ziemlich
starken Staubfall. An Deck war alles mit einer schwarzbraunen Staubmasse
bedeckt, der Wind war zur Zeit Nord, Stärke 4«.
Verhältnismäßig sehr selten wird in diesen Gegenden von den Schiffen
Staubfall gemeldet, welcher wohl meistens im Gefolge eines Pampero auftritt.
Im vorliegenden Falle war der Wind während des 5. Februar 1908 vormittags
NW, Stärke 5, und es konnten daher leicht die Staubmassen aus den trockenen
Küstengebieten Argentiniens, wo sie bei stürmischen Winden häufig beobachtet
werden, dem Meere zugeführt werden. J.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben,
Meereskunde, Sammlung volkstümlicher Vorträge zum Verständnis der nationalen
Bedeutung von Meer und Seewesen. Jährlich 12 Hefte, Berlin 1907 und 1908,
E. 8. Mittler & Sohn. 1. Jahrg, Heft 9 bis 12, 2. Jahrg., Heft 1 bis 4:
Dr. Gustav W. v. Zahn, Eine Ozeanfahrt I. Der Dienst auf der Kom-
mandobrücke.
Walter Stahlberg, Der Hambarger Hafen und das Modell des Hanm-
burger Hafenbetriebes im Museum für Meereskunde.
Ders., Der Hamburger Hafen, seine Gliederung und sein Betrieb,
Otto Baschin, Die Wellen des Meeres,
Theobald Fischer, Die Sechäfen von Marokko.
Dr. P. Dinse, Die Anfänge der Nordpolerforschung und die Eismeer-
fahrten Henry Hudsons,
Prof. Dr. R. Woltereck, Tierische Wanderungen im Meere,
Paul Koch, Vierzig Jahre Schwarz-Weiß -Rot,
‚Die Erwartung, die beim Erscheinen der ersten Hefte der »Meereskunmle« ausgesprochen wurde
(Januarheft der »Ann, d. Hydr. usw.<), hat sich voll und ganz erfüllt, Wir haben jetzt eine Samm-
Jung, die einem größeren Kreis die Möglichkeit der Orientierung über meereskundliche Fragen im
weitesten Sinne gibt und — nicht unwichtig — auch neues Interesse erwecken kann.
Jedem Seereisenden sei die Anschaffung der »Ozeanfahrt« empfohlen, Während die Xautik
aus der Sammlung Göschen für den Laien viel zu hoch ist, wird ihm hier in geschickter Weise alles
Wissenswerte, zunächst vom Dienst auf der Kommandohrücke, dargeboten, Die vielen Einzelheiten in
der Führung eines Schiffes, von der Erklärung des »Steuerbord«, der Ortsbestimmung, bis zum Flaggen-
signal, werden auf einer Fahrt von Hamburg nach Newyork erklärt, und bieten in ihrer Verknüpfung
ein treffliches Bild des verantwortungsreichen Seemannsberufes,