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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Kleinere Mitteilungen, 
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1. Relativ hoher Luftdruck auf Island im Winter und Frühjahr bedingt 
in der Regel (d.h. in 70 bis 80%, der Fähe) Eisreichtum, niedriger Luftdruck 
dagegen Eisarmut bei Island. Relativ hoher oder niedriger Luftdruck im Bereich 
des isländischen Minimums kann als Zeichen einer abgeschwächten oder ver. 
stärkten nordatlantischen Zirkulation angesehen werden, wenn man als Maß für 
diese die Luftdruckdifferenz zwischen Mitteleuropa (Kopenhagen) und Island 
(Stykkisholm) betrachtet. Somit ergibt sich, daß Eisreichtum bei Island mit einer 
schwachen, Eisarmut mit einer starken Zirkulation zusammenhängen, Dies das 
Resultat, das sich bei einer Untersuchung der einzelnen Jahrgänge von 1860 
bis 1900, herausstellte, 
2. Eliminiert man die sehr beträchtlichen, unperiodischen, jährlichen 
Schwankungen der Eistrift und der nordatlantischen Zirkulation in der bekannten 
Weise dadurch, daß man Lustrenmittel bildet, so sieht man bei beiden Elementen, 
besonders aber in der Eistrift, schr langjährige, anscheinend mit den Brück nerschen 
35 jährigen Klimaschwankungen korrespondierende Perioden hervortreten, Jetzt 
fallen aber in dem Zeitraum 1846 bis 1900, für den durch Luftdruckbeobachtungen 
in Island ein Maß für die Stärke der atlantischen Zirkulation gewonnen werden 
kann, die eisreichen Perioden bei Island mit verstärkter, die eisarmen mit ab- 
geschwächter Zirkulation, zusammen, 
Die Beziehungen der Eistrift bei Island zu der nordatlantischen Zirkulation 
stellen sich demnach bei Betrachtung der einzelnen Jahrgänge anders dar wie 
nach Elimination der unperiodischen Schwankungen, Auf den ersten Blick 
scheinen also die Ergebnisse beider Untersuchungen in einem Widerspruch mit- 
einander zu stehen, und es ist verständlich, wenn die Frage aufgeworfen wird, 
wie sich die ermittelten Tatsachen in Einklang bringen lassen. 
Die kürzeste Antwort auf diese Frage ist die, daß es sich im ersten Fall 
um die Beziehungen der beiden verglichenen Faktoren in den einzelnen Jahren 
(für die atlantische Zirkulation in den einzelnen Winterhalbjahren) handelt, im 
zweiten Fall um die Beziehungen in langjährige Perioden, In langen Perioden 
können aber andere Faktoren wirksam sein wie im einzelnen Jahre, 
Im vorliegenden Fall denke ich mir den Zusammenhang der Dinge folgender- 
maßen: 
Die langjährige Periode der Eistrift bei Island weist darauf hin, daß die 
allgemeinen Bedingungen, die für die Eiszufuhr aus höheren Breiten maßgebend 
sind, sich periodisch bald günstiger, bald ungünstiger gestalten. Welcher Art 
diese Bedingungen sind, läßt sich heute noch nicht sagen, Jedoch drängt sich 
wegen der Korrespondenz mit den Brücknerschen Klimaschwankungen die Ver- 
mutung auf, daß der Wechsel der allgemeinen meteorologischen Situation, der nach 
Brückner auf den Landflächen durch warme, trockene und kühle, feuchte 
Perioden charakterisiert wird, auf irgend eine Weise einen Wechsel in der 
Stärke der Eisbildung und in der Menge des exportbereiten Eises im Nordpolar- 
gebiet bedingt, So mag auch die Erhöhung der Luftdruckdifferenz zwischen 
Mitteleuropa und Island (oder die Verstärkung der nordatlantischen Zirkulation), 
die zur Zeit der warmen Perioden auftritt, in irgend einer direkten oder 
indirekten Weise ursächlich mit zur Vermehrung der Eismengen beitragen, die 
dem Ostgrönlandstrom zur Verfügung gestellt werden können, 
Es ist z. B. denkbar, daß durch die Beschleunigung der atlantischen 
Strömung (des Golfstroms), die vermutlich durch die lange dauernde, verstärkte 
Luftzirkulation zur Zeit der warmen Perioden hervorgerufen wird, eine ver- 
mehrte Wasserzufuhr in das Nordpolarbecken stattfindet. Diese müßte dann 
durch einen verstärkten Abfluß von den Polarströmungen kompensiert werden, 
womit auch die allgemeinen Bedingungen für eisreiche Jahre günstiger werden, 
Diese Wirkung würde noch unterstützt werden, wenn das atlantische Nord- 
polargebiet, wie es nach den Temperaturbeobachtungen in Grönland (Jacobhavn 
1841— 1900) wahrscheinlich ist, im Sinne Brückners ein Ausnahmegebiet wäre, 
Dann müßte dort die Eisbildung zu den Zeiten verstärkt sein, in denen die 
Landflächen der gemäßigten Zone in der warmen Phase der Brücknerschen 
Periode stehen.
	        
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