316 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1908.
aber von mehreren Firmen nicht mehr hergestellt, man gibt vielmehr den ver-
kitteten Linsensystemen wieder den Vorzug. Zu den unverkitteten Linsen-
systemen gehört Steinheil, Serie I, Das früher von Zeiss hergestellte »Unar«
14:45, 1:56 und 1:63 gehörte ebenfalls in diese Klasse, war ebenfalls ver-
hältnismäßig billig, einfach im Bau und schr leistungsfähig; diese Objektive mit
vier unsymmetrischen Einzellinsen, sollen aber mehr als die verkitteten Systeme
zu Lichtflecken auf der Platte, verursacht durch Spiegelung an den wielen
Flächen, neigen.
Klassen VIL VIII und IX ergeben gegenüber den Klassen I, IE und III
keine oder nur geringfügige Preisunterschiede, besitzen aber nicht dieselbe
Helligkeit wie die ersten Klassen, diese werden also unbedingt bevorzugt werden
müssen. Für die Wahl der Brennweite ist folgende Überlegung maßgebend: Ein
Objektiv mit £ = 60 em bildet auf 4 Sın Abstand eine Windmühle in einem Maß-
stabe von 1 mm ab, danz bildet ein Objektiv mit f= 30 cm die Mühle 0.5 mm
ab, Daraus folet, daß große Tonnen und kleine Baken bei 4 Sm Abstand mit
"— 30 nicht mehr kenntlich zu machen sind, auch selbst, wenn starke Ver-
erößerung angewendet wird; bei sechsfacher Vergrüßerung tritt aber schon das
Plattenkorn hervor. Auf 2 Sm Abstand habe ich mit £=— 28.5 ein weißes kleines
Unterschiff noch scharf und deutlich in der Größe von 0,3 bis 0.4 mm auf dem
Negativ feststellen können, auch die Masten und Takelage waren mit bloßem
Auge deutlich zu erkennen, Tonnen und kleine Baken werden also auf 2 Sm
Abstand und £f=— 28,5 mit der Lupe oder vergrößert eben noch erkannt werden
Können, Hier liegt also die untere Grenze auch bei 2 Sm Abstand, Man wird
also micht sehr fehl gehen, wenn man die Objektive der Klassen I bis VI auf
die engere Wahl für Küstenaufnahmen stellt, — Nun ist aber auch noch der
Bildwinkel oder das Plattenformat zu berücksichtigen, Die großen Brennweiten
von 60 em und darüber zeichnen ein Format von 30 >40 cm aus, Eine aus zwei
Aufnahmen zusammengeklebte Küstenansicht, mit £ = 60 aufgenommen, würde
2ine Länge von 80 em haben, die kleinsten Details wiedergeben, aber weder zu
Acn Formaten der »Küstenhandbücher« noch zu denen anderer Veröffentlichungen
in Buchform passen. Brennweite, Bildwinkel und Plattenformat müßten so gewählt
werden, daß die Negative unverkleinert und unvergrößert verwendet werden
könnten, Das spart Zeit, Arbeit und Geld und ist nur auf praktischem Wege
durch Versuche zu ermitteln,
Der Preis des ganzen. Apparates würde sich, je nach dem gewählten
Objektiv, mit Bildwinkel = 60° bis 70° und der Öffnung 1:63 etwa folgender-
maßen stellen:
Objektir Klasse 1, £= 60cm Klasse H, f= cm Klasse II, £ = 36cm
Objektir 900 MM 700 400 £
Verschluß 150 « 70 « 54 «
Gelbfilter 100 * 70 « 50 +
Kamera 500 * 500 « 500 «
Ganzer Apparat 1650 4 1540 18 1004
Wenn man die lichtstärksten Objektive der Klasse V wählen sollte, so
würde sich der Preis für den ganzen Apparat ebenso hoch stellen wie bei
Klasse I, und wählte man dafür Objektive der Klasse VI, so käme der Preis
ebenso hoch als wie bei Klasse II; mit Klasse IV ausgerüstet, würde er etwa
am 600.4 teurer als Klasse I, also auf 2250. zu stehen kommen,
Wie dieser Apparat zu Küstenaufnahmen zu handhaben ist, wäre später
zu erörtern, hier sollen nur zuerst die Voraussetzungen dazu festgestellt und
diskutiert werden, Es muß noch darauf hingewiesen werden, daß der hier vor-
zeschlagene Apparat ausschließlich Spezialzwecken dienen soll und daß auch
Aufnahmen mit kleinen und billigen Apparaten, wie bereits hervorgehoben, sehr
wertvoll und unersetzlich sind.