314 Annalen der Hydrographie und Maritimon Metcorologie, Juli 1908.
absorbiert hauptsächlich die blau-violetten Strahlen. Um nun auch die anderen
Strahlen auf die Bromsilberschicht besser wirken zu lassen, färbt man sie mit
Erythrosin, Azalin, Äthyl usw, Trotzdem bleiben aber die blauen und violetten
Strahlen immer noch die chemisch wirksamsten und man ist genötigt, ein yutes
Gelbfilter der farbenempfindlichen Platte vorzuschalten, Auf diese Weise kann
man die Wirkung des Blau des Himmels, der Luft und der See, das Weiß des
Wellenschaumes und des Schnees der Hochgebirge soweit zurückhalten, daß die
Farben der Felsen, des Strandes, der Seezeichen und des Laubes deutlich auf dem
Bilde als Licht und Schatten hervortreten, also kenntlich sind, Sollen aber die
(arbenempfindlichen Platten. voll zur Wirkung kommen, so muß man immer noch
zur Zurückhaltung der blauen Strahlen ein Gelbfilter vorschalten, das die Be-
üchtung um das Fünf- bis Zehnfache verlängert, Und daher ist es jetzt erklärlich,
daß man trotz der ungemein günstigen Lichtverhältnisse auf See für Küsten-
aufnahmen auf großem Abstand {schon bei 300 m Entfernung beginnt die Luft
zu schleiern) sehr lichtstarke Objektive gebrauchen muß, um die durch Anwendung
von Gelbfilter entstandenen Lichtverluste wieder auszugleichen. So verlockend
es also auch war, einen recht großen Bildwinkel für Küstenaufnahmen und daher
das Offnungsverhältnis 1:8 oder 1:9 zu wählen, die Helligkeit langt nicht aus
and man muß mit der größeren Öffnung auch einen kleineren Bildwinkel mit in
den Kauf nehmen, Die Richtigkeit dieser Folgerungen möge zahlenmäßig nach-
vewiesen werden,
Bei dem Blendensystem, das auf dem Photoyraphischen Kongreß 1903 zur
allgemeinen Einführung empfohlen wurde, bedingt die Einstellung einer jeden
kleineren Blendennummer eine doppelt so große Belichtungszeit, als die voran-
gehende größere Nummer. Nehmen wir nun besonders günstige Verhältnisse an,
30 ergibt sich danach etwa folgende Übersicht der Grenzwerte für die ver-
schiedenen relativen Öffnungen und für die dazugehörigen Belichtungszeiten,
Die Tabelle zUt für folgende Voraussetzungen: Sonne durch Kehtes Chrus-
gewölk verschleiert; offene, dünn bewaldete Küste mit breitem, weißem Strande;
Empfindlichkeit der orthochromatischen Platten (>Anilin« oder »Lumiere«) etwa
28° bis 30° Warnecke, Das Gelbfilter verlängert die unten. angegebenen
Expositionszeiten etwa um das Vier- oder Fünffache, (Selbst ein die Belichtungs-
dauer um das Zehnfache verlängerndes Gelbfilter würde, wie die Tabelle zeiet,
anter vewissen Bedingungen, für Momentaufnahmen immer noch verwendbar sein.)
Die hierunter gegebenen Belichtungszeiten
sind. in Teilen einer Sekunde ausgedrückt
Relative Öffnung bzw, Blendenöffnung cd, Objektivs
Pod 1568 1ER DIL TR LGSS 59 1A
25° W. oder mit 1 Ua | Tas | 2 BO un 3°
Vierfach-Gelbfilter 1506 Z60 | "/aoe "wo | Ö6 aa} Ta
a W., _ abo Kaaf Ha | m Bam | ga! Has |
7 AT —_ . ; 7 A
Auf 479 N-Br. (tyioriach-Geifilter | 20° Va | Ya Yaco | io | as
im Dezember mittags A EN
MW. ‚209 . Hasen Maga Hana | Hana! Lan
25° W, otler mit | le bar a Tag '
Vierfach-Gelbfilter ) DO | 5
A MW, 1 5% | oo Mas, Wise Lo
Aus dieser Übersichtstabelle (man vergleiche dazu die später gegebene
ausführliche Belichtungstabelle für alle Breiten und alle Jahreszeiten) geht
hervor, daß selbst unter sehr günstigen Umständen, aber mit vorgeschaltetem
Gelbfilter, ein Objektiv mit dem Öffnungsverhältnis von 1:8, auf 60° Breite in
den Mittagsstunden des Winters bereits an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit
angelangt ist. Es würden sich die Grenzen allerdings noch erweitern lassen,
wenn man keine Gelbfilter und die empfindlichsten Chromöplatten von 30° W,
anwenden würde, allein guch das könnte nicht genügen, wenn man bedenkt, daß
Jer Apparat auch in den Polargegenden und nicht ausschließlich in den Mittags-
stunden einwandsfreie Dienste leisten soll, wo andere gewöhnliche Apparate bereits