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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

v. Sehrötter: Die Photographie im Dienste der Schiffahrt, 313 
40 > 50 em randscharf auszeichnen, Es ist aber nicht nur eine lange Brennweite 
und ein großer Bildwinkel wünschenswert, sondern auch ein recht großes 
Öffnungsverhältnis, und das läßt sich nicht alles vereinigen, Wir werden daher, 
bevor wir uns über die zu wählende Brennweite und Öffnung entscheiden, erst 
ergründen, ob die lichtstärksten Objektive notwendig sind, oder ob wir mit einer 
Öffnung von 1:8 im Interesse des größten Bildwinkels vorlieb nehmen können, 
Die Voraussetzung, die für Aufnahmen an Land bei der Wahl der Expositions- 
zeit für Momentaufnahmen maßgebend ist, nämlich fester Standpunkt und bewegte 
Objekte, hat auf Sec keine Geltung, Hier hat man, wenigstens bei Küsten- 
aufnahmen, bewegten Standpunkt und feste Objekte, Nur in der Nähe von 
See-Reeden, deren Sände mit großen schwimmenden Seezeichen kenntlich gemacht 
sind (z. B. Havre und Elbmündung), kann ausnahmsweise der Fall eintreten, daß 
man, neben der Schlinger- und Stampfbewegung des eigenen Schiffes, auch die 
der Tonnen zu berücksichtigen hat, was eine höhere Geschwindigkeit des Ver- 
schlusses erfordert, um scharfe Bilder der Einzelheiten zu erhalten, Dabei ist 
noch zu beachten, daß schnell bewegte, nalıe Gegenstände, namentlich bei lang- 
brennweitigen Objektiven, eine beträchtliche Steigerung der Geschwindigkeit des 
Verschlusses erfordern; so gebraucht man z.B. zur scharfen Abbildung von 
Rennpferden, die auf kurzer Entfernung am Zuschauer vorbeijagen, die Schlitz. 
verschlüsse vor der Platte. Diese Forderungen treten bei Küstenaufnahmen 
niemals an den Apparat heran. Ferner sind die Lichtverhältnisse auf dem Meer 
and an den Küsten ganz besonders günstig, deshalb kommt man mit Objektiv- 
verschlüssen vollkommen aus, was gegenüber den Schlitzverschlüssen cine wesent- 
liche Vereinfachung und Verbilligung bedeutet, Außerdem sind die Schlitz- 
verschlüsse für große Plattenformate gar nicht erschütterungsfrei auszuführen — 
soweit meine eigene Erfahrung reicht. Bei den günstigsten Lichtverhältnissen 
auf See würde mancher Photograph glauben, man könne schon mit einer Öffnung 
von 1:8 oder 1:9 vollkommen auskommen. Das ist eine irrige Annahme, Unter 
normalen Verhältnissen gibt Kaiserling die Expositionszeit für fahrende Schiffe 
im Abstand von 500 bis 1000 m zu */,o bis */,*, für geringeren Abstand auf 
V_ bis 1,;0%* an. Mit 1.4 bis l,o°* Belichtungszeit, Öffnung 1:8, habe ich, 
allerdings im Juni, sogar noch etwas abgeblendet, scharfe Bilder erhalten 
(Torpedoboote beim Durchbruch durch die Kiellinie). Leider liegen die Ver- 
hältnisse bei Küstenaufnahmen sehr viel ungünstiger und zwar deshalb, weil die 
Lichtstrahlen auf der weiten Strecke von der Kimm bzw, von der Küste bis zur 
Platte viel Luft zu passieren haben, die, wie der blaue Himmel, diffuse bläuliche 
Strahlen aussendet, wodurch auf dem Negativ ein allgemeiner Schleier über den 
Einzelheiten der Ferne entsteht. Die photographische Platte sieht eben anders 
als das. menschliche Auge, das mehr auf die gelben, während die Platte mehr 
auf die blauen und violetten Strahlen reagiert, Daher wirkt die »blauende 
Ferne« einer dem Auge gut sichtbaren Gebirgskette und namentlich die »blauen 
Schwaden« über den Abhängen ebenso intensiv auf die lichtempfindliche Schicht 
der Trockenplatte, wie der auf dem Negativ immer überlichtete blaue Himmel 
und dann findet man auf dem fertigen Bilde keine Spur des fernen Gebirges — 
es ist verschleiert. Aber nicht nur die Luft, sondern auch das blaue Meer, 
namentlich wenn es unter der Tropensonne von einer Lichtflut übergossen ist, 
wirkt so stark auf die Bromsilberschicht ein, daß sehr häufig diese starken 
Lichtreflexe vom Wasser und vom weißen Schaum der Wellenkämme, die schmale 
Strandlinie, eines an sich flachen Landes, vollkommen überdecken; man nennt 
das solarisieren. Hierbei würden auch die schnellsten Verschlüsse keine Vorteile 
gewähren, namentlich auch dann nicht, wenn rote Seezeichen und grüne Strand- 
wälder sich deutlich von einer braunen Felswand abheben sollen. Bekanntlich 
wirken rot und braun fast gar nicht auf die Platte ein, deshalb entwickelt man 
ja auch bei rotem oder braunem Dunkelkammerlicht, Früher setzte man Gelb- 
scheiben vor das Objektiv um die blauen Strahlen zurückzuhalten, neuerdings 
geht man rationeller vor. Die gewöhnlichen Bromsilberplatten sind vorwiegend 
für blau, violett, weniger für grün und gelb, und fast gar nicht für rot 
empfindlich. Die gelbliche Bromsilberschicht der gewöhnlichen Trockenplatten
	        
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