2% Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1908.
welches die thermische Konvektion in den Tropen herabreicht, verlaufen, und
daß das Wasser, das sich unterhalb dieses Niveaus befindet, von den thermischen
Vorgängen unabhängig ist.
Dieses Tiefenwasser ist mithin den thermischen Einflüssen, wie auch dem
direkten Einfluß des Windes entzogen, Es mag von Interesse sein, zu unter-
suchen, ob es vielleicht dennoch irgend eine Bewegung besitzen kann.
Wäre die Schicht vollständir homogen, so würden infolge Reibung „gegen
die darüber liegende zirkulierende Schicht zwei Zirkulationen sich in der unteren
Schicht bilden, die durch eine ungefähr vertikale Scheidefläche in der Äquator-
gegend getrennt wären, In diesem Falle würde also eine ziemlich kräftige Be
wegung innerhalb der unteren Schicht stattfinden, Ist das Tiefenwasser da-
gegen aus mehreren aufeinander liegenden homogenen Schichten zusammen.
gesetzt, so setzt die Reibung gegen die Schicht der thermischen Zirkulation die
oberste dieser Schichten in Bewegung, diese teilt ihre Bewegung der nächsten
Schicht mit u.s.f, etwa wie es in Fig, 5 dargestellt ist. Im Meere ist das Tiefen-
wasser bekanntlich beinahe homogen, aber dennöch ein wenig stabil gelagert,
und es fällt mithin nicht leicht zu sagen, wie dieses Wasser infolge Reibung gegen
die zirkulierende obere Schicht in Bewegung gesetzt wird,
Auch der Wind dürfte wohl einen gewissen Einfluß auf die Bewegung
des Tiefenwassers haben, Wenn wir beim letzten Versuche in der Weise auf die
Öberfläche blasen, wie es in Fig. 9 gezeigt wurde, so entsteht eine wellenförmige
Erhebung der horizontalen Scheidefläche zwischen dem thermisch zirkulierenden
Wasser und dem Tiefenwasser, Solange als der Wind konstant bleibt, bleibt
diese Erhebung unverändert; wenn aber der Wind sich verändert, wird auch
entsprechend die Erhebung verändert. Wahrscheinlich rufen die auf dem Meere
vorherrschenden Winde in analoger Weise permanente Erhebungen und Schräg-
beiten. der entsprechenden Scheidefläche im Meere hervor, und dann müssen die
Veränderungen im Winde entsprechende Veränderungen in diesen Erhebungen
and Schrägheiten hervorrufen,
Schließlich muß noch hervorgehoben werden, daß das Tiefenwasser nicht
gänzlich von thermischen Vorgängen unbeeinflußt bleibt, da es ja alle Wärme in
sich aufnimmt, die aus dem Innern der Erde zum Meeresboden hingeleitet wird,
Diese Wärmemengen sind allerdings sehr klein, im Lauf der Zeit werden sie
aber das Bodenwasser genügend erwärmen können, um es in der beinahe
homogenen Tiefenwasserschicht zum Aufsteigen zu bringen.
Wieviel jede dieser drei Ursachen die Bewegung des Tiefenwassers beein-
Alußt, kann vielleicht durch dynamische Bearbeitung der hydrograpbhischen Tiefen-
beobachtungen festgestellt werden, Solche Beobachtungen zeigen aber schon,
daß das Tiefenwasser ziemlich stark bewegt sein muß; denn es ist so gut venti-
liert, daß es die unzähligen Tiere in diesen Tiefen mit genügendem Sauerstoff
zu versehen vermag, So ventiliert könnte es kaum sein, wenn es nicht ab und
zu in Berührung mit der Atmosphäre käme, Dieses Wasser kann aber nicht bis
an die Oberfläche gelangen, ohne von unten her erwärmt zu werden, und somit
scheint es, als ob die aus dem Inneren der Erde kommende Wärme wenigstens
eine gewisse Rolle für die Bewegung dieses Wassers spielt,
Die Ergebnisse der obigen Untersuchung können wir zu folgendem Schluß-
arteil zusammenfassen. Die Ursachen. der Meeresbewegungen können in zwei
Gruppen geteilt werden, Zur ersten Gruppe gehören alle Kräfte mechanischer
Natur, die das Wasser nur fortbewegen können, ohne eine physikalische Ver-
änderung desselben zu bewirken, wie der Wind, die ablenkende Kraft der Erd-
drehung, der Widerstand infolge der inneren Reibung des Wassers, und die
Trägheitskraft, die eine bewegte Wassermasse bei Stoß oder Reibung gegen
anderes Wasser ausübt, Jeder von solchen Kräften vorwärts getriebene Strom
hat die eharakteristische Eigenschaft, daß er eine kreisende Bewegung in einer
einzigen Schicht ausführt.
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