“. Schrötter: Die Photographie im Dienste der Schiffahrt. 311
sie wird ausgedrückt durch das Verhältnis der Brennweite zur Öffnung und wird
geschrieben 1:5, 1:8 oder !/., 1/, oder auch f:5, f:8 usw., 1 oder f ist dann
die Brennweite, d. h. der Abstand der auf Unendlich eingestellten Mattscheibe
von den Blenden des Doppelobjektivs,!) und 5, 8, 10, 12 usw. gibt an, wie oft
ler Durchmesser der wirksamen Öffnung des Objektivs oder der Blende, d, h. der
verkleinerten Offnung, in der Brennweite enthalten ist.
Die Brennweite eines Objektivs ist maßgebend für die Größe der ab-
gebildeten Figuren, letztere sind um so größer, je länger die Brennweite ist;
auch die Perspektive wirkt bei langen Brennweiten günstiger als bei kurzen
unter 25 em, weil sie dem natürlichen Sehen, das auf 25 cm angepaßt ist, besser
entspricht. Mit der Länge der Brennweite wächst auch das zu verwendende
Plattenformat, Der Bildwinkel ist für das Objektiv genau dasselbe, was man
veim Auge als Sehwinkel bezeichnet. Letzterer beträgt etwa 30° bis 50°, über
30° hinaus sieht man aber nur undeutlich, Der Bildwinkel des Objektivs schwankt
je nach dessen Konstruktion zwischen 40° und 120°.
Im allgemeinen kommt dem lichtstarken Objektiv der kleine, dem licht-
schwachen der große Bildwinkel zu, Er ist also abhängig von der Öffnung oder
von der Blendenöffnung des Objektivs; je mehr abgeblendet wird, desto größer
wird auch der Bildwinkel und das scharfe Bildfeld, Die Blenden haben bei
der Auswahl des Objektivs keinen Einfluß, sie haben nur den Zweck, die durch
die Fassung gegebene Öffnung des Objektivs zu verengen, und dadurch die
Tiefenschärfe des Bildes zu erhöhen, Ist die relative Öffnung eines Objektivs ur-
sprünglich 1:6.3, so kann es durch die Irisblende beliebig auf 1:8, 1:12,
L:16 usw. bis 1:50 abgeblendet werden. In der Praxis kann man für die Be-
lichtung die Blendenöffnung und die relative Öffnung eines anderen Obijektivs
unbedenklich vergleichen.
Zusammengefaßt ist daher folgendes hervorzuheben:
1. Je größer die relative Öffnung eines Objektivs, desto lichtstärker Ist os,
2. Je länger die Brennweite eines Obiektivs, desto größer bildet es die
Figuren ab.
Vom Bildwinkel eines Objektivs hängt es ab, welche Brennweite zu
wählen ist, um ein Plattenformat im Maximum auszuzeichnen,
Wenn man nun nach Bildwinkel, Brennweite und Öffnungsver-
hältnis ein Objektiv zu Küstenaufnahmen aus den im Handel erhältlichen aus-
wählt, so muß man erst die wünschenswerte Größe dieser einzelnen Faktoren
bestimmen.
Der Bildwinkel müßte recht ausgedehnt, möglichst 180° sein, damit gleich
ein ganzes Panorama auf einer Platte vorhanden wäre. Solche Kameras gibt
as auch, sie sind unter dem Namen Panorama-Kameras bekannt; ja man kann mit
solchen Apparaten selbst eine Landschaft von 360° aufnehmen. Es sind aber
nur Bandfilms zu diesen Aufnahmen zu verwenden, die Brennweiten können
nur sehr kurz gehalten werden, die Horizontale ist häufig, sogar meistens, wenn
die Kamera bei der Aufnahme nicht sehr genau horizontal gehalten wurde, als
nach unten oder oben konvexe Kurve abgebildet. Das macht einen sehr störenden
Eindruck, die Bilder können nicht zur Wiedergabe in den Küstenhandbüchern
verwendet werden. Ferner ist die Verwendung von Films schon ein Grund, diese
Kameras nicht zu wählen; es kommen, was später bei den für den Secegebrauch
passenden Handapparaten besprochen werden soll, nur Trockenplatten zur Ver-
wendung. Die kurze Brennweite, verbunden mit dem wackligen, bei jeder
Exposition herumschlagenden Objektiv, wodurch uur sehr lange Belichtungen
möglich sind, weil durch das Herumschlagen des Öbjektivs die Belichtung erzielt
wird, und die sehr mittelmäßige Güte der verwendeten Linsen an diesen Panorama-
Kameras, alles verstößt gegen die Grundprinzipien, die eingangs für eine Kamera
3
. 4) Es ist das natürlich nür eine angenäherte Definition der Brennweite und sie ist auch nur
dann richtig, wenn die Irisblende zwischen den beiden symmetrischen Hälften des Finsensystems an-
yeordnet ist, Über die keineswegs so einfache, genaue Feststellung der Brennweite photographischer
Öbicktive verelciche man die Lehr- und Handbücher der Photographie,