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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

304 Annalen der Hyrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1908, 
konnte Lübeck das seine unverändert bis zum Jahre 1870 beibehalten. Man kann 
gerne zugestehen, daß das Lübecker Regulativ in den letzten 15 Jahren hinter 
denen von Hamburg und Bremen zurückstand und den Anforderungen nicht mehr 
genügte, aber in den ersten 30 Jahren war es den Hamburger und Bremer Vor- 
schriften weit überlegen. In dem »Attestat«, das dem Prüfling nach erfolgter 
Prüfung ausgehändigt wurde, waren folgende 11 Rubriken aufgeführt und bei 
jeder derselben bemerkt, wie der Kandidat darin bestanden: 
1. Arithmetik, Geometrie und Trigonometrie nebst den dazu gehörigen 
Beweisen, 
Geographische und astronomische Vorkenntnisse, 
Anwendung der ebenen Trigonometrie auf die Planschiffahrt, Gebrauch 
des Kompasses und Loggs, 
Theorie der merkatorschen Projektion und Segeln und Messen auf 
runden Karten, 
Kenntnisse der nautischen astronomischen Instrumente und deren 
Korrektion. 
Anwendung der sphärischen Trigonametrie und Astronomie auf nautische 
Probleme mit den dazu erforderlichen Erklärungen, 
Bestimmung der Breite, der Länge, der Zeit, der Variation des Kom- 
passes und die Flutberechnung. 
Führung eines richtigen Schiffsjournals und Kenntnis des Gebrauchs 
der Chronometer, 
9, Nautische Geographie und Kenntnis der Einsegelung der Travemündung, 
10. Manörvrieren des Schiffes sowie Verhalten beim Vorankerliegen desselben, 
11. Kenntnis der Pflichten des Steuermanns, 
Während in Hamburg gleich vom Anfange an eine Prüfungskömmission 
mit vier Examinatoren ernannt wurde, ruhte sowohl in Lübeck wie in Bremen 
die Prüfung ausschließlich in den Händen des unterrichtenden Lehrers, da sich 
trotz aller Mühe, die man sich gab, weder in Bremen noch in Lübeck ein Schiffs- 
kapitän bereit finden ließ, das Amt eines Examinators zu übernehmen, Über die 
großen Gefahren, die das mit sich brachte, half Sahn, der, seine eigene Gut- 
mütigkeit befürchtend, selbst darauf drang, als Examinator vereidiegt zu werden, 
seine strenge Gewissenhaftigkeit hinweg, während in Bremen Lappenbergs 
Persönlichkeit als Examinator (wie übrigens auch als Lehrer) viele Angriffe, 
besonders seitens der Vegesacker Privatschule (unter der Leitung von Martin 
Seckec) erfuhr, 
In allen drei Schulen hob sich naturgemäß nach Einführung der obliga- 
torischen Prüfung die Schülerzahl bedeutend, und als eine direkte Folge davon 
sehen wir, daß alle drei Schulen allmählich (Lübeck zuletzt) von dem allerdings 
nie streng durchgeführten Prinzip der festen Anfangstermine für die betreffenden 
Kurse immer mehr und mehr abwichen und vom Klassenunterricht zum Einzel 
unterricht übergingen, der nun den jungen Secleuten, sowie sie von der Reise 
zurückkehrten, den Eintritt in die Schule jederzeit gestattete,. Wenn einerseits 
diese persönliche Unterweisung jedes einzelnen Schülers, die in erster Linie einen 
gleichmäßigen Schülerbestand herbeiführen und einer temporären Überfüllung 
der Klassen vorbeugen sollte, auch imstande war, der Individualität der Schüler 
nach Vorkenntnissen und Auffassungsgabe in besonderem Maße Rechnung zu 
tragen, so stellte sie anderseits doch Anforderungen an den Lehrer, denen dieser 
bei größerer Schülerzahl nicht mehr nachkommen konnte, 
In Lübeck mußte man nun daran denken, für den verdienstvollen Sahn, 
der am 26. Juni 1833 sein 25jähriges Dienstjubiläum feiern konnte und über 
60 Jahre alt geworden war, einen Nachfolger zu suchen, Auf Sahns Empfehlung 
hin wurde der 31jährige Kapitän Joh. Georg Friedr. Franck im März 1835 zu 
seinem Gehilfen und späteren Nachfolger gewählt. Wenige Monate darauf, am 
18. November 1835, starb Sahn. Unter Franck entwickelte sich die Schule in 
dem von Sahn inauguriertem Sinne ruhig weiter, 
Die Hamburger Schule gelangte in diesen Jahren unter der Leitung des 
berühmten Astronomen und Nautiker Carl Ludwig Christian Rümker zu 
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