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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Schott, G,: Der Salzgehalt. des Persischen Golfes und der angrenzenden Gewässer, 297

Eigentümlich ist der im übrigen fast durchgängig vorhandene Unterschied
der Werte zwischen Februar einerseits und Mai—Juni anderseits, indem die
Sommerbeobachtungen die niedrigeren, die Winterbeobachtungen die höheren
Beträge ergeben haben. Daß der Unterschied reell und nicht zufällig ist, dafür
spricht der Umstand, daß wir wenigstens für die Sommermonate Wasserproben
von zwei verschiedenen Schiffen besitzen, die unter sich das gleiche Verhalten
aufweisen. Einige Beispiele:

Probe
Nr

Breite | Länge

10 | aG2 207
ar 1 96° 32

19 28
ALS 6

v
20

26° 36° ı 58° 7
965 1 © 8°

8
De

Hr
0 1&

5592 |
555 I

Februar | Mai-— Jimi

Bemerkungen

4407

— ) Auf der Breite der Bahrein- Inseln,
88.71 | eiwa 60 Sm Satlieh davon

AI | — 1
NL | 3724 | Küdlich von Ras al Muntäf.
35.12 ' -— a
Öl 37.10 | Südöstlich von Lingah,

2 8 | 59 | 4053 | — ] Etwa 00 Sm westlich von Buschebr
| 299280 5 JG 2 A
Da der Unterschied zwischen Sommer und Winter in den verschiedenen
Teilen des Persischen Golfes gleichmäßig auftritt, so muß eine allgemeine Ursache
zugrunde liegen und dürften lokale Verhältnisse nicht in Frage kommen, Regen
können, weil sie in beiden Jahreszeiten fehlen — die spärlichen Niederschlagsmengen,
 die gelegentlich fallen, werden noch dazu im Winter beobachtet —, das
sommerliche Minimum des Salzgehaltes nicht erklären. Die Winde sind fast
während des ganzen Jahres ziemlich gleichmäßig von NW nach SO gerichtet;
ljeser vorherrschende Nordwestwind, der »Schamal« der Eingeborenen, weht aber
am heftigsten and beständigsten im Juni und Juli, dann öfters mit Stärken bis
Beaufort-Skala 7, Es erscheint zunächst denkbar, daß infolge des heftigen Sonmmerwindes
 ganz ähnlich wie an der Somaliküste und der arabischen Küste, so auch
im Persischen Golf, und zwar an den Küsten und entfernt davon, mitunter
vertikale Auftrieberscheinungen, mit stärkeren Öberflächenströmungen vereint,
zustande kommen. Erst spätere Untersuchungen über die Stromverhältnisse und
Jie ozeanographischen Zustände des Tiefenwassers — es kommen allerdings nur
Tiefen von weniger als 100 m in Betracht und die mittlere Tiefe ist zu 25 m
berechnet — werden dafür sichere Grundlagen schaffen und im speziellen die
Voraussetzung, daß das Tiefenwasser des Persischen Golfes salzärmer ist als das
Oberflächen wasser, zu bestätigen oder zu widerlegen haben,
Die Hauptursache des Salzgehaltsunterschiedes zwischen Sommer und Winter
an der Oberfläche des Golfes dürfte aber ganz im Nordwesten, bei dem Schatt
&-Arab, zu suchen sein; denn die Verminderung des Salzgehaltes im Golf
während des Mai wnd Juni fällt zeitlich zusammen mit dem Hochwasser
 des Euphrat-Tigris im Unterlaufe, Der Tigris hat seinen niedrigsten
Wasserstand von September bis November; im Dezember beginnt er durch Regengüsse
 zu steigen, etwa um 0.3 m, und auch in den folgenden drei Monaten hält
der Wasserstand sich auf ziemlicher Höhe, Im April, wenn die Schneeschmelze
in den armenischen Gebirgen eintritt, findet ein weiteres Steigen statt, das im
Maj und Juni seinen Höhepunkt erreicht, Vom Juli ab fällt der Fluß
wieder.) Es liegt also die Annahme schr nahe, daß die im Mai und Juni eintretende
 starke Vermehrung der Süßwasserzufuhr durch den Schatt ekArab eine
Herabsetzung des Öberflächensalzgehaltes um 1 bis 1,5%, auf dem ganzen rund
233 000 gkm Fläche einnehmenden Persischen Golf zu bewirken vermag. Um in
dieser Sache etwas klarer zu sehen, betrachten wir zunächst die

4 Vgl. Reichs-Marine-Amt, Seyelhandbuch für den Persischen Golf, Berlin 1907, 8, 257, und
& Genthe, Der Persische Meerbusen, Marburg 1896. 8. 55.
            
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