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Annalen der Hydrographie und Maritinen Meteorologie, Juli 1908.
Der Salzgehalt des Persischen Golfes und der angrenzenden Gewässer.
Yon Prof. Dr. Gerhard Schott, Hamburg, Seewarte,
(Hierzu Tafel 13,3
Die durch die Hamburg-Amerika Linie seit zwei Jahren eröffnete regel-
mäßige Dampfschiffahrt nach dem Persischen Golf eröffnet die willkommene
Aussicht, an der Hand deutscher Schiffsbeobachtungen eine Bearbeitung der
Wind- und Wetterverhältnisse dieses Meeresteiles vornehmen zu können, sobald
ayst Material in genügendem Umfange vorliegen wird; dies ist begreiflicherweise
augenblicklich noch nicht der Fall, Wir werden noch einige Zeit warten müssen,
she eine meteorologische und klimatologische Zusammenstellung sich lohnt.
Schon jetzt kann aber ein kleiner Beitrag zur Oxeanographie des Persischen
Golfes geliefert werden, da auf die Bitte der Seewarte die Herren Wreesmann
und Schuster, Kapitäne der Hamburg-Amerika Linie, zusammen rund 50 Wasser-
proben in dem Golf und im den Gewässern an der Südküste Arabilens zwischen
Maskat und Aden gesammelt haben, Die Titrierung dieser Proben ermöglicht
es, zum ersten Male wirklich zuverlässige Angaben über die Verteilung des
Salzgehaltes des Oberflächenwassers in diesen Gegenden zu machen; was jech
selbst in dieser Beziehung für den Persischen Golf unter Benutzung von
aräometrischen Messungen der Schiffe »Persepolis« und »Cormoran« vor 6 Jahren
in dieser Hinsicht festzustellen versucht habe,*) muß nunmehr als überholt gelten,
Unter Hinweis auf die am Schluß gegebene Liste der Ergebnisse der neuen
Messungen und ihre kartographische Niederlegung in den Figuren der Tafel 18
lassen sich folgende mehr oder weniger gesicherte Tatsachen nunmehr feststellen,
fi. Auf den Dampferwegen zwischen Äden und Maskat, die im Durchschnitt
in einer Entfernung von rund 20 bis 25 Sm von der arabischen Südküste entlang
führen, hält sich der Salzgehalt bis Ras Madraka meist zwischen 36.0 und 36.5 /4y
und steigt erst nördlich von diesem Kap auf mehr als 36,5, um nahe beim Kap
Musandam vor der Straße von Ormuz 37.0 zu erreichen. Weiter seewärts von
dem erwähnten Dampferwege, also weiter südlich im Arabischen Meere und auch
vor Aden kommen ebenfalls Werte von mehr als 36.5 vor, so daß die Zone mit
einer Konzentration von mehr als 36,5, die so charakteristisch für den Golf von
Aden und die Gegend von Sokotra ist, nicht bis zur arabischen Südküste selbst
sich zu erstrecken scheint; sind doch in der Nähe von Ras Fartak sowohl von
der »Assyria« als auch von der sCanadia« Proben entnommen worden, deren
Titrierung sogar nur 35,8 und 35.7 ergab. Da nun ferner die an sich ziemlich
allgemeine und abnorme Erhöhung des Öberflächensalzgehaltes im westlichen
Arabischen Meere ihre Ursache in Zuflüssen aus dem Roten Meere und wohl
auch aus dem Persischen Golf hat, so dürfte die auffällige Herabsetzung des
Salzgehaltes speziell. unter der arabischen Küste ähnlich wie die an der Somali-
güste mit dem Umstande in Verbindung stehen, daß hier während beider Monsune,
desonders aber im Südwestmonsun, aufquellendes Tiefenwasser mehr oder weniger
beständig mit dem Oberflächenwasser gemischt wird und zur Verminderung des
Salzgehaltes beiträgt,
%. In der Straße von Ormuz bis Lingah hin kann man Werte von 37.0
bis 38.0 erwarten; dies sind also Beträge, die immerhin auch auf den offenen
Dzeanen im Bereiche der Passate in Maximalfällen noch erreicht werden.
3. Eine ziemlich unvermittelte und starke, an die Verhältnisse im Roten
Meere erinnernde Steigerung des Salzgehaltes beobachten wir mit dem Betreten
des eigentlichen Persischen Golfes, Abgesehen von der nördlichsten Ecke bei
dem Schatt el-Arab tritt hier überall eine Konzentration yon mehr als 38,5, meist
sogar von über 39.0°%, auf, und in der weiteren Umgebung von Buschehr (Abu
Shar) finden wir mehr als 40%, sowohl im Februar als auch im Mai—duni;
die letztgenannte Gegend unter der persischen Küste würde also in dieser Hin-
sicht dem nördlichsten Teile des Roten Meeres zu vergleichen sein.
-) Bohott, Verteilung des Salzgehaltes im Oberflächenwäasser der Ozeane, »Leternn. Geokraph,
Aitteil« 1902. Heft X.