Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1907/08, 295
am die Fahrrinne offen zu halten, so brauchte an keinem Tage die Dampfer-
schiffahrt geschlossen zu werden. Im Frischen Haff bis Elbing dagegen waren
keine Eisbrecher in Tätigkeit getreten, so daß hier an 80 Tagen jeglicher Schiffs-
verkehr unterbunden war. Das Frische Haff zeigte alsbald nach dem Einsetzen
der ersten Frostperiode (etwa von Mitte bis Ende November) Eisbildung, die in
dem Teile bis Königsberg unausgesetzt bis zum 5. April bestehen blieb; der Teil
des Haffs bis Elbing wurde am 19. März eisfrei,
Pillau, das am Ausgang des Haffs gelegen ist, hatte wieder günstigere
Eisverhältnisse, vermutlich da hier das Eis durch die auslaufende Strömung in
Bewegung gehalten wurde, Diese Station meldete überhaupt nur 70 Tage mit
Eis, darunter nur 7 mit erschwerter Segelschiffahrt. Eisbrecher brauchten hier
im letzten Winter nicht in Tätigkeit zu treten. Auch dieses verhielt sich im
Winter 1906/07 völlig anders. Damals wurde an 45 Tagen die Segelschiffahrt
erschwert bzw. geschlossen, und an 41 Tagen waren Eisbrecher tätig. Ähnliche
Verhältnisse zeigten sich in den letzten Wintern am Kurischen Haff bei Memel.
Hier bewirken Strömung und Dünung ein relativ spätes Zufrieren und frühes
Aufgehen. Die Eisberichterstattung begann hier erst Ende Dezember und wurde
schon am 20. Februar geschlossen.
IV. Häfen und Flußmündungen.
Es wurde schon zu Beginn der Beschreibung der Eisverhältnisse an der
Ostseeküste auf die merkwürdige Erscheinung hingewiesen, daß die Häfen relativ
günstige Eisverhältnisse aufweisen, die denjenigen an freigelegenen Küsten-
stationen ziemlich ähnlich sind, Unter den letzteren hatten Rixhöft, Arkona,
Marienleuchte, Westermarkelsdorf und Fehmarnsund im Winter 1907/08 überhaupt
kein Eis gesichtet, Hela meldete an zwei Tagen, Darsserort nur an einem Tage
leichtes, loses Eis. Daß ein sehr ähnliches Verhalten der Häfen vorliegt, dürfte
zum Teil in dem Umstande seine Begründung finden, daß durch die auslaufende
Strömung das Eis stets in Bewegung gehalten und in See geführt und neue KEis-
bildungen erschwert werden, Am deutlichsten lassen diese Verhältnisse wie
schon in den vorhergehenden Wintern die hinterpommerschen Häfen Stolpmünde
und Kolberg erkennen, wo während des Winters 1907/08 nur an je 6 Tagen Eis
festgestellt wurde. Im vorletzten kälteren Winter 1906/07 hatten diese Stationen
22 bzw. 19 Tage mit Eis gemeldet.
Der Hafen von Neufahrwasser hatte im letzten Winter weniger Kis, als
man nach den anscheinend typischen Erscheinungen der vorhergehenden Jahre
annehmen durfte. Obwohl der Winter 1905/06 mild, derjenige von 1906/07 aber
{rostreich war, stellten sich doch mit 44 bzw. 45 Eistagen die Verhältnisse in
beiden Wintern ziemlich gleich, und es wurde eine Erklärung hierfür darin ge-
sucht, daß die Eismassen aus dem großen Flußgebiet der Weichsel bei Neufalhr-
wasser in See geführt werden und den Temperaturverhältnissen im oberen
Weichselgebiet eine bedeutende Rolle zuerkannt werden müsse, Im letzten Winter
zeigten sich nicht unerkebliche Abweichungen, denn es wurde nur an 31 Tagen
Eis beobachtet, davon an 15 Tagen solches mit Behinderung der Schiffahrt.
Auch das letztere Verhalten stimmt nicht mit demjenigen im vorigen Winter
überein; denn im milden Winter 1907/08 mußte die Segelschiffahrt an 15 Tagen
geschlossen werden, wogegen sie im strengeren Winter 1906/07 gänzlich offen
blieb. Ein ähnliches Verhalten wie im Vorjahre trat im Fahrwasser von Warne-
münde bis Rostock und demjenigen nach Wismar hervor: Im Winter 1906/07
war hier die Eisbildung weit intensiver als dort, da Wismar 40 Tage mit Schluß
der Segelschiffahrt, Warnemünde aber nur 19 solche Tage beobachtete, Im
Winter 1907/08 hatte die letztere Station 7 Tage mit Schluß der Schiffahrt,
Warnemünde jedoch überhaupt keinen, Es mußte sogar das Fahrwasser nach
Wismar an 9 Tagen durch Eisbrecher offen gehalten werden,
Die Deutsche Seewarte.