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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

394 Annalen der Hydrographie und Maritimen. Meteorologie, Juli 1908, 
westlichen Ostseeküste nur wenig Eis auf, Allein die Frostperiode von Mitte 
Dezember bis Mitte Januar machte sich durch Eis bemerkbar; während der 
beiden übrigen Frostperioden Mitte November und März trat kein Eis auf, da 
;ie nach Dauer und Intensität für die Eisbildung offenbar belanglos waren, Der 
Hafen von Kiel blieb gänzlich, die Häfen von Eckernförde und Flensburg fast 
gänzlich eisfrei. Letzteres trifft auch für die Apenrader Föhrde zu, wo über- 
haupt nur an 4 Tagen Eis, und zwar leichtes, loses Eis, gesichtet wurde. Eine 
stärkere Eisbesetzung weisen, wie dies auch im vorletzten Winter der Fall war, 
die Stationen Schleimünde, die Haderslebener Föhrde und die Eider auf, die 
nicht bloß an einer größeren Zahl von Tagen das Vorkommen von Eis, sondern 
sogar an einer Reihe von Tagen Erschwerung der Segelschiffahrt meldeten, und 
zwar an 16 bzw. 7 und 13 Tagen. Wie bisher an fast allen Stationen festgestellt 
werden komnte, waren die Eisverhältnisse auch hier im Winter 1906/07 wesent- 
lich ungünstiger, wo die Segelschiffahrt an diesen Orten sogar an 18 bzw. 38 
und 4 Tagen geschlossen wurde und an 27 bzw, 60 und 18 Tagen die Schiffahrt 
behindert war, 
Il Das Rügener Fahrwasser. 
Hier machen sich schen drei Frostperioden und dementsprechend drei Eis- 
perioden bemerkbar. Allerdings ist Barhöft am westlichen Eingang in den Greifs- 
walder Bodden die einzige Station, für welche dies zutrifft. Eismeldungen 
(leichtes, loses Eis) trafen zuerst in der dritten Dekade des November ein und 
lauerten bis zum 5, Dezember. Während der zweiten, der bedeutendsten Frost- 
periode, die von Mitte Dezember bis Mitte Januar reichte, meldeten sowohl Bar- 
vöft als auch Thiessow (diese Stationen berichten über die Strecke von der west- 
lichen bzw. östlichen Einfahrt in den Bodden bis Stralsund} ziemlich starke 
Eisbesetzung: Bei Barhöft war an 31 Tagen die Schiffahrt behindert, davon an 
25 Tagen die Segelschiffahrt geschlossen; für Thiessow lauten die entsprechenden 
Zahlen 34 und 20. Im vorletzten Winter herrschten auch hier weit ungünstigere 
Verhältnisse, da die Segelschiffahrt an 41 bzw. 38 Tagen völlig geschlossen war. 
Bemerkenswert erscheint der Umstand, daß, obwohl die Frostperiode schon Mitte 
Dezember begann, beide Stationen (fast auf den Tag genau) erst gegen Ende 
des Monats das Vorkommen von Eis beobachteten, Anderseits hielt sich das 
Eis an beiden Stationen noch längere Zeit nach dem Einsetzen von Tauwetter, 
das gegen die Mitte des Januar eintrat, Das Eis verschwand erst gegen Ende 
des Monats, Die dritte Frostperiode gegen die Mitte des März macht sich nur 
in Barhöft, und zwar mit 6 Tagen schwacher Eisbesetzung, bemerkbar. 
Station Wittower Posthaus, die über die Kisverhältnisse des Fahrwassers 
im Westen von Rügen berichtet, meldete ganz ähnliche Verhältnisse wie die ge- 
nannten Stationen Barhöff und Thiessow: die erste und dritte Frostperiode traten 
zwar überhaupt nicht mit Eisbildung hervor; die zweite, große Periode aber 
hatte an fast den nämlichen Tagen Eis mit erschwerter Segelschiffahrt im Ge- 
folge, Den 27 Tagen des letzten milderen Winters steht auch hier eine weit 
größere Zahl von Tagen mit erschwerter Segelschiffahrt während des Winters 
1906/07, nämlich 43, gegenüber, 
XL Die Haffe, 
Die weitaus stärksten Eisbildungen finden sich, wie es auch in den Vor- 
jahren regelmäßig der Fall war, im Frischen und im Stettiner Haff, Im ersteren 
bis Königsberg war an 82 Tagen, im letzteren an 43 Tagen die Segelschiffahrt 
gänzlich geschlossen, Im frostreicheren Winter 1906/07 lauteten die entsprechen. 
den Zahlen sogar 102% bzw. 84. Ein Blick auf das Temperaturdiagramm {Tafel 12) 
zeigt, daß sowohl die Dauer als auch die Intensität des Frostes in Köslin weit 
geringer waren als in Memel, daß demgemäß die Kältezufuhr im äußersten Osten 
viel bedeutender war als an den westlicheren Küstenstrecken. Für die starke 
Eisbildung sind aber außer der Kältezufuhr noch andere Faktoren von einiger 
Bedeutung, z. B. die relativ geringe Tiefe in den Haffen und die geringere 
Wellenbewegung gegenüber den gegen die See offenen Küstenstationen, Da im 
Frischen Haff bis Königsbere an 105 Tagen mehrere Eisbrecher tätig waren,
	        
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