290 Annalen der Hydrographie und Meritimen Meteorologie, Juli 1908,
Emden liegt um 05, diejenige von Westerland 1.0, von Köslin 1.1 und von
Memel 0.1 Grad über der Normalen, Dementsprechend gestalteten sich auch die
Eisverhältnisse im letzten Winter relativ günstig, wofür schon allein die Zahl
der völlig eisfrei gebliebenen Stationen einen Maßstab abgibt. Während der
Winter 1906/07 sehr kalt war und deshalb auch nur eine sehr kleine Zahl von
Beobachtungsstationen »kein Eis« meldeten, blieben im Winter 1907/08 13 Stationen
völlig eisfrei. Noch etwas wärmer war die Witterung im Winter 1905/06, wo
entsprechend noch mehr, nämlich 15 Stationen, kein Eis hatten,
Um die einzelnen Frostperioden zu kennzeichnen, ist auf Tafel 12 ein Bild
des Temperaturverlaufes in den genannten Orten gegeben, das durch Bildung
von. Pentadenmitteln der Lufttemperaturen gewonnen wurde, Die Frostperioden
sind hierin durch Schraffierung hervorgehoben. Sie lassen den engen Zusammen-
hang mit dem Eisverhältnissen an der Küste erkennen. Es tritt wieder die
typische Erscheinung hervor, daß die östliche Ostsee den anhaltendsten nnd
stärksten Frost und dementsprechend such die größte Zahl von Eistagen und
die stärkste Eisbesetzung aufzuweisen hat, während die Temperatur- und Eis-
verhältnisse an der westlichen Ostseeküste günstiger, am günstigsten aber an
der Nordseeküste waren,
Nordsee,
L. Nordfriesische Inseln und schleswigsche Küste.
Die Eisbesetzung war hier eine sehr viel schwächere, die Schiffahrt deshalb
weit weniger behindert als im vorigen Winter, wo die Eismeldungen schon am
23, Dezember begannen und erst am 3 März ihr Ende erreichten, während-im
letzten Winter erst am 31. Dezember einiges loses Eis gesichtet wurde, das Mitte
Januar schon wieder verschwunden war. Nur bei Tönning au der Eidermündung
hielt es sich bis zum 6, Februar, Auch zeigt sich wieder das typische Verhalten
der insular gelegenen Eisbeobachtungsstellen; Ellenbogen auf Sylt und Amrum
meldeten erst später, nämlich Anfang Januar, und weniger Eis als Tönning und
Husum an der schleswigschen Küste (am 6, Februar bzw. am 18, Januar); auch
verschwand dort das Eis schneller als hier. Und die Stationen Rote Sand an
der Wesermündung, Melgoland und Wangeroog blieben fast gänzlich eisfrei.
Besonders hervorzuheben sind noch die Tage, an denen die Schiffahrt behindert
wurde, Dies war bei Husum nur an 9 Tagen, im Vorjahre an 28 der Fall.
Tönning zeigt zwar wieder seinen exzeptionellen Charakter — hier war die
Segelschiffahrt an 18 Tagen behindert —, blieb aber ebenso wie Husum weit
hinter dem vorigen Winter zurück, wo 26 Tage mit erschwerter und sögar
32 Tage mit Schluß Segelschiffahrt verzeichnet wurden,
1. Das Elbegebhiet,
Auch die Elbemündung hatte weit weniger unter Stockungen des Verkehrs
durch ungünstige Eisverhältnisse zu leiden als im Winter 1906/07, Geht man
lie Elbe abwärts, so hatte Hamburg 1906/07 an 52 Tagen Eis, 1907/08 aber
nur an 20; Altona meldete 1906/07 an 57 Tagen das Vorhandensein von Eis,
im letzten Winter jedoch nur an 25 Tagen; und für Glückstadt stehen den
64 Eistagen des Vorjahres 29 während des Winters 1907/08 gegenüber, Auch
in der Stärke der Eisbesetzung zeigt sich dieser den Temperaturverhältnissen
unterworfene Unterschied: die genannten drei Stationen Hamburg, Altona, Glück-
stadt meldeten nur an 4 bzw. 25 (an beiden letzteren Stationen) »Eis mit Be-
hinderung der Schiffahrt«, denen 24 bzw, 56 und 53 im Vorjahre gegwenüber-
stehen. Ganz ähnliche Verhältnisse treffen wir auch im Mündungsgebiet der
Elbe (Brunshüttelkoog und. Neuwerk) an: die erstere Station meldete im ganzen
an 27, die letztere an 4 Tagen das Vorkommen von Eis, im Winter 1906/07 aber
an 44 bzw. 28 Tagen, Auch in der Stärke der Eisbesetzung fällt der Vergleich
der beiden letzten Winter ähnlich aus, so daß die Temperaturverhältnisse immer
deutlicher als für die Eisbildung ausschlaggebend heivortreten.