Die Eisverhältnisse an den deutschen Küsten im Winter 1907/08, 9289
vorgesehen, in welche die Gesamtzahl der Tage eingetragen ist, an welchen fest-
yestellt wurde: 1. Eis ohne Behinderung der Schiffahrt; 2. Eis mit erschwerter
Segelschiffahrt; 3. Eis mit Schluß der Segelschiffahrt; 4. Eis mit Schluß der
Dampferschiffahrt, Ferner sind eingetragen: 5, die Zahl derjenigen Tage, an
welchen Eisbrecher tätig waren, sowie 6. die Summe aller Tage, von denen über-
haupt Eismeldungen vorliegen, und schließlich 7. die Zeit der ersten und letzten
Eismeldung jeder Station,
Wenn nun auch diese beiden Tabellen eine mühelose Vergleichung der
zeitlichen Verteilung und der Intensität der Eisperioden an den verschiedenen
Punkten der Küsten gestatten, so darf doch nicht vergessen werden, daß mehrere
Faktoren vorhanden sind, die das Bild der Eisverhältnisse zum Teil trüben. Zu-
nächst ist in der Beurteilung der letzteren stets ein persönliches Moment der
Beobachter enthalten, und ferner werden ja die Eisverhältnisse selbst durch die
jeweilige Ausdehnung und Stärke des Verkehrs beeinflußt; z. B. dürfte eine ge-
schlossene Eisdecke in den einzelnen Häfen immer seltener zur Beobachtung
gelangen, da der Verkehr stetig zunimmt und Eisbrecher in zunehmender Zahl
eingestellt werden. Daß Einflüsse dieser Art aber nur von untergeordneter Be-
deutung sind, beweist schon allein die nahe Übereinstimmung der Eisperioden
und der Intensität der Eisbildung mit der Dauer und Stärke des Frostes, welche
= wie sich auch in dieser letzten Eissaison wieder klar ergeben hat -— weitaus
die größte Rolle spielen,
Trotzdem sind — wie ein Blick auf die genannten Übersichtstabellen
jehrt — die Eisverhältnisse selbst benachbarter Stationen niemals vollständig
gleich, was auch ganz natürlich erscheint, da ja die Zeit und Stärke der Eis-
bildung von den verschiedensten Faktoren abhängt,
_ Vor allem maßgebend ist die spezielle Lage der Beobachtungsstation, sei
es an der Mündung von Flüssen, sei es am Ausgang eines Haffes, im Watten-
oder offenen Meer oder frei an einem Küstenvorsprung, Ferner spielt der Einfluß
von Ebbe und Flut eine Rolle sowie die speziellen Strömungsverhältnisse der
Beobachtungsorte. Auch müssen die verschiedenen Tiefenverhältnisse, der
jeweilige Salzgehalt und namentlich die Windverhältnisse von Bedeutung sein.
Abgesehen von Schwankungen in der Stärke des Windes wird seine Richtung
bei einer eingehenden Bearbeitung der Eisverhältnisse auf Grund langjähriger
Beobachtung zu berücksichtigen sein; die Winde werden sich ganz verschieden
bemerkbar machen, je nachdem sie seewärts oder landwärts gerichtet sind, in
welch letzterem Falle loses Eis wohl zweifellos an der Küste längere Zeit fest-
gehalten wird als im umgekehrten Falle,
Die Hauptbedingung für die Verschiedenheiten der Eisbesetzung der Küste
an den verschiedenen Tagen des Winters ist aber durch die Temperatur-
verhältnisse gegeben. Die untenstehende kleine Tabelle gibt eine Übersicht über
die Temperaturen in den einzelnen Monaten des letzten Winters und eine Ver-
gleichung mit denjenigen der Vorjahre, Die Zahlen bedeuten hierin die Ab-
weichungen der Mitteltemperaturen der einzelnen Monate von den aus den lang-
jährigen Beobachtungen gewonnenen Normalwerten,
Die Abweichungen der Mitteltemperaturen der Wintermonate und der Vorjahre von den lang-
jährigen Mittelwerten.
Monate } Emden | Westerland | Köslin
' Memel
AO
A... A
5 +22 ı 23
0 +11 L8.1
— 11 } —15 — 1.2
-L O8 | a | +16 "EL?
; #1 09 — 1.4 +15 +09
Betrachtet man zunächst die Durchschnittswerte aus den drei Winter-
monaten zusammengenommen, so ergibt sich, daß die ganze deutsche Küste im
letzten Winter etwas zu warmes Wetter hatte; denn die Wintertemperatur von