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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Monatskarten für den Indischen Ozean. 
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Fine ganz besondere Sorgfalt ist den Stromangaben gewidmet; beein- 
flussen die Strömungen doch nächst den Winden die Reisen am meisten, und um 
welch hohe Beträge es sich dabei zeitweise handeln kann, davon hat schon der 
im Jahre 1905 herausgegebene »Atlas der Stromversetzungen auf den wichtigsten 
Dampferwegen des Indischen Ozeans« Zeugnis abgelegt. Da die Seewarte ihr in 
dieser Hinsicht äußerst reichhaltiges Originalmaterial voll aufzuarbeiten seit 
Jahren beschäftigt ist, konnten in den neuen indischen Monatskarten mancherleij 
prinzipielle Fragen über Stromverhältnisse berücksichtigt werden, die die atlan- 
tischen Monatskarten noch nicht beantworten, so z. B. über Ort und Häufigkeit 
der Stromstillen, über den Grad der Veränderlichkeit der Strömung u, a. m. 
Kurzgefaßte Texte geben einige Erläuterung zu der meteorologischen und ozeano- 
graphischen Kartendarstellung, desgleichen auch zu den 
Schiffswegen. Bei der Eintragung dieser Routen war weitgehende Be- 
schränkung geboten; es wurden vorzugsweise solche Wege eingezeichnet, bei 
denen Wind und Strom eine besondere Berücksichtigung verlangen und Ab- 
weichungen vom kürzesten Weg (größten Kreis) vorteilhaft oder notwendig er- 
scheinen. Dies gilt nicht nur von den Wegen für Segler, sondern auch von 
denen für die Dampfer, und die Seewarte würde es als einen wesentlichen Ge- 
winn betrachten, wenn die Benutzung der neuen Monatskarten bei den Schiffs- 
führern immer mehr die Überzeugung befestigte, in wie hohem Grade es wirt- 
schaftlich vorteilhaft ist, auch auf kräftigen Dampfern Wind und Wetter bei der 
Absetzung der Kurse von vornherein in Rechnung zu ziehen, und wie verkehrt 
sin »Durchhalten unter allen Umständen« ist, Die Anführung eines Beispiels 
zenüge, um den Einfluß von Wind und Strom auf die Fahrt zu kennzeichnen 
und auch für nicht eingetragene Dampferwege die neuen Monatskarten nutzbar 
zu machen. Es handele sich um die Ermittlung des für einen 11 Knoten-Dampfer 
von rund 5500 tons Brutto-Raumgelalt vorteilhaftesten Weges von Durban nach 
dem Eingang der Sundastraße. 
Schnittpunkte auf drei verschiedenen Dampferwegen von Durban nach Java Head. 
{1 
PN 
{r 
i. Größter Kreis. . + 
2. Weg über 50° O0 in 30° S 
3. Weg über 90° O in 30° S 
40° | 50° ; 6066 ' 706 80° | 90° 100° 
O-Le, | O-Le. | O-Lg. O-JIw, | O-Lg. | O-Lg. ı O-Le. 
29.4 28.1 
31,5 | 32,3 | 
319 33a 
23.0 
32,3 
298 
23.0 
31.5 
250 
192 ; 147 | 97 
30.0 ° 221 | 123 | S-Br. 
330 ; 2300 | 138 
Die Distanz auf dem Weg Nr, 1 beträgt 4372 Sm, auf Weg Nr. 2 4513 Sm, auf 
Weg Nr. 3 4663 Sm. Die Reise des 11 Knoten-Dampfers wird jedoch infolge 
Gegenandampfens gegen Wind, Strom und Seegang auf dem ersten Weg, alle auf 
Jjen Monatskarten dargestellten Verhältnisse erwogen, im Durchschnitt 18 Taxe 
16 Stunden erfordern, während der Weg Nr. 2, bei dem Wind und Seegang vor- 
wiegend raum läuft, trotz der um 141 Sm größeren Distanz nur 16 Tage 18 Stunden, 
Weg Nr. 3 in ähnlicher Weise nur 17 Tage 6 Stunden erforderlich machen wird, 
— Um eine möglichst detaillierte Übersicht der Entfernungen auf den verschie- 
denen Dampferwegen des gesamten Indischen Ozeans zu geben, ist den zwölf 
Monatskarten ein dreizehntes Blatt beigefügt, das sogenannte Wege- oder 
Distanzblatt, das ebenfalls einzeln bezogen werden kann; es enthält auf seiner 
Rückseite, wie schon oben erwähnt, die farbige Abbildung der Sturmsignale und 
der Seezeichensysteme. 
Auch die Rückseiten der eigentlichen Monatskarten sind nahezu ganz mit 
den verschiedenartigsten nautischen, meteorologischen und ozeanographischen 
Notizen oder Aufsätzen bedeckt, so daß hier dem Seemann auf verhältnismäßig 
kleinem Raum vielerlei geboten wird, was, solange das Dampferhandbuch für den 
Indischen Ozean noch nicht erschienen ist, manche Hilfe bei der Navigierung 
leisten dürfte, Es seien u. a. genannt: »Ortsübliche Zeiten in den Häfen des 
Indischen Ozeans«, »Der Mauritius-Orkan vom 3. März 1861«, »Vergleichende 
Strombeobachtungen auf dem Dampferwege zwischen Ceylon und Kap Leeuwin«,
	        
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