386 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 19085,
meiden gewesen ist, Ein Grad am Äquator wird durch eine Länge von rund
5 mm repräsentiert,
Die festländischen Küsten sind mit aller Sorgfalt niedergelegt; die Linien
gleicher magnetischer Migweisung gelten für 1910, und ein kleines, auf
der Rückseite jeder Karte eingesetztes Nebenkärtchen gestattet, soweit notwendig
oder wünschenswert, den Betrag der jährlichen Änderung der Mißweisung für
die verschiedenen Meeresteile anzubringen, Da ein Teil des Indischen Ozeans
dem Gebiete mit Sstlicher Mißweisung zugehört, so ist, um von vornherein die
Entstehung von Trrtümern möglichst zu vermeiden, dies Gebiet durch einen hell-
grünen Flächenton noch besonders herausgehoben,
In blauer Farbe sind die vorherrschenden Winde in jedem einzelnen
Fünfgradfelde dargestellt, Windhäufigkeiten von weniger als 2%, sind aus tech-
nischen Gründen in den Karten nicht mit. berücksichtigt. Die an den Windpfeilen
zitzenden Federn, welche die Windstärke kennzeichnen, sind — abweichend von
Aen nordatlantischen Monatskarten — jeweils nur an einer Seite des Pfeiles
angebracht, und zwar auf N-Br, links, auf S-Br. yechts, so daß der niedrigere
Luftdruck stets an der Seite zu suchen ist, an der die Federn sitzen, Dies Ver-
fahren dürfte die Klarheit der Auffassung der Windverhältnisse ganz erheblich
unterstützen in. einenı Ozean, der auf N- and S-Br. ausgedehnt ist, und zwar
besonders dann, wenn der Schiffsführer die in jeder Halbkugel gültigen einfachen
Beziehungen zwischen Luftdruck und Wind vor Augen hat: Diese Beziehungen
sind in schematischen Skizzen und in kurzen Leitsätzen (Buys Ballotsches Gesetz)
auf der Rückseite der Junikarte noch einmal zusammengestellt, Um welch
bedeutenden Grad die Arbeitsleistung allein schon bei der Berechnung der
‘ndischen Windsterne größer gewesen ist als bei der entsprechenden des Nord-
atlantischen Ozeans, dafür genüge die Angabe, daß jedes einzelne indische Blatt
314 Windsterne gegenüber 157 nordatlantischen enthält, Die materielle Unterlage
Nır die Windkarten wurde durch die deutschen Schiffsbeobachtungen der meteoro-
logischen Tagebücher in erster Linie, durch alle erreichbaren in- und aus-
jändischen gedruckten Quellen in zweiter Linie beschafft. Mit Sorgfalt und nach
wiederholtem Durcharbeiten der einschlägigen Verhältnisse sind die mittleren
Grenzen der einzelnen Windsysteme eingetragen. Eine Signatur ist für den Fall,
daß ein Windgebiet in das andere unmittelbar übergeht, neu eingeführt; 80 geht
z. B. im Westen, d.h, nahe an der afrikanischen Küste, der SO-Passat direkt in
den SW-Monsun über, Auch die Sturm- und Orkanbahnen sind in Bild und
Wort berücksichtigt, |
Die Sturmsignale konnten in ihrer bunten Mannigfaltigkeit leider nicht
auf jedem Blatt abgebildet werden; die Rückseite jeder Karte enthält einen Schwarz-
Abdruck dieser Signale, bei dem durch Schraffur und beigesetzte Abkürzungen
(Buchstaben) die tatsächlich benutzte Farbe der Flaggen usw, nach Möglichkeit an-
gedeutet ist, Eine volle, farbige Übersicht der Sturmsignale aller an
den Indischen Ozean grenzenden Länder ist jedoch auf der Rückseite
des Blattes 13 der Monatskarten enthalten, zusammen mit einer ebenfalls
farbigen Abbildung der Tonnen- und Bakensysteme dieser Gebiete. Warum
dies dreizehnte Blatt den 1% Monatskarten beigefügt wurde, soll bei den Schiffs-
wegen erörtert werden,
Von meteorologischen Verhältnissen ist außerdem die Häufigkeit des
Nebels und unsichtigen Wetters berücksichtigt, desgleichen die Lufttemperatur,
jetztere in kleinen Spezialkärtchen auf der Rückseite, und zwar auch die Luft-
temperaturen über Land. Dies gilt natürlich auch von den Linien gleichen
Luftdruckes, die ebenfalls in solchen Kärtchen der Rückseite eingetragen sind.
Die Wärmeverhältnisse des Wassers sind ebendaselbst dargestellt, einmal im
Nberbliek für den ganzen Ozean, sodann im Detail auf den Monatskarten April
bis Oktober für die Gewässer an der Somaliküste und bei Sokotra, auf den
Monatskarten November bis März für die Formösastraße: in beiden Fällen aus
dem Grunde, weil in den genannten Monaten der Beobachtung der Wasser-
temperatur der betreffenden Meeresgegenden eine erhebliche navigatorische Be-
Aeutung innewohnt.