Ann. d. Hydr. usw.. XXXVI. Jahrg. (1908), Heft VII.
JQ5
Monatskarten für den Indischen Ozean.
Unter diesem Titel werden in wenigen Tagen seitens der Deutschen See-
warte Karten zur Verausgabung gelangen,!) welche ähnliche oder gleiche Zwecke
für die indischen Gewässer erfüllen sollen, wie dies seit 1902 durch die Ausgabe
der Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean geschieht. Die neuen Monats-
karten sollen für die indischen, australischen und Oostasiatischen Meere dem
Führer sowohl eines Dampfers als auch eines Seglers in möglichst klarer karto-
graphischer Darstellung ein Bild von den zu erwartenden Wind-, Wetter- und
Stromverhältnissen gewähren und in nicht wenigen Fällen ihm den zu befolgenden
Schiffsweg direkt vorzeigen, in anderen Fällen die Einzeichnung des empfehlens-
wertesten Weges wesentlich erleichtern,
Das Verfahren, wonach der Schiffahrt Karten von den physikalischen
Verhältnissen der einzelnen Monate zur Verfügung gestelit werden, hat sich
wohl allgemein als richtig bewährt; und wenn dies Prinzip schon für die nord-
atlantischen Wetterkarten sich empfohlen hat, so müßte es für den Indischen
Ozean erst recht unumgänglich erscheinen, da in keinem Meere der Erde die
Änderungen in Wind, Wetter und Strom von Monat zu Monat so durchgreifender
Natur sind wie im Indischen — man denke nur an die Monsune und ihre Folgen.
Und gerade deshalb auch dürften die neuen Monatskarten, wenn sie in den
praktischen Schiffahrtskreisen Aufmerksamkeit und Beachtung finden, bei der
weitgehenden Abhängigkeit der Dampfer- und Segylerwege von den außerordent-
lichen jahreszeitlichen Änderungen der natürlichen Verhältnisse im Indischen
Ozean einen vergleichsweise großen praktischen Nutzen stiften können.
Eine wesentliche Abweichung von den atlantischen Monatskarten liegt
darin, daß die neuen indischen Monatskarten nicht für die Monate eines einzelnen
bestinumten Jahres, sondern allgemein für die Monate, deren Namen sie tragen,
gelten, und also auch nicht in jedem Einzelmonat neu ausgegeben werden; da
Wracks und Treibeis, die von Tagy zu Tag ihre Position ändern und an und für
sich im Nordatlantischen Ozean häufig sind, im Indischen Ozean eine ähnliche die
Schiffahrt bedrohende Rolle im allgemeinen nur in sehr geringem Grade spielen,
erschien es tunlich, von ihrer speziellen, jeweiligen Eintragung ganz abzusehen
und. damit den Karten den Charakter dauernder Gültigkeit — soweit möglich —
zu wahren. Für diesen Entschluß kam auch der Umstand mit in Wirkung, daß
die einmalige Drucklegung einer großen Auflage der Monatskarten unvergleichlich
billiger ist als die wiederholte einer kleinen Auflage,
Was nun die geographische Grundlage und den Umfang des dargestellten
Meeresgebietes anlangt, so reichen die neuen Karten von etwa 30° N-Br. bis
53° S-Br. und von 18° O-Lg, bis 158° O-Ly.; hiernach sind einbegriffen das
Rote Meer von Suez ab, der Persische Golf, die nordindisch-ostasiatischen Ge-
wässer einschließlich der Japan-See, der ganze südliche Indische Ozean vom Kap
der Guten Hoffnung an bis zur Ostküste Australiens, diese ebenfalls mitgerechnet.
Da die Blätter aus äußeren Gründen nicht zu groß werden durften, ist der Maß-
stab der indischen Karten kleiner als der der nordatlantischen; doch hat die
Übersichtlichkeit kaum gelitten, obwohl stellenweise allerdings eine gewisse
Häufung der Schiffahrtslinien, Windsterne., Strammpfeile usw. nicht ganz zu ver-
1) Die Karten können durch die Land- und Scckartenhandlung von Eeckardt & Meßtorff-
Hamburg zum Preise von 1 Mk. für jedes Blatt einzeln bezogen werden; es werden auch die 13 Blatt
(12 Monatskarten und ein Entfernungs- und Wegeblatt) zum Preise von 12 Mk, zusammengeheftet ab-
gegeben. Mitarbeiter zur Sec erhalten «lie Karten auf Ansuchen gratis, soweit der Vorrat reicht.
Ayn. 8. Hrdr. usw. 190x. Heft VIL