384 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1908.
am 5. mit einem Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeer zu einer fast das gesamte
Mittel- und Westeuropa bedeckenden Depression, während sich auf ihrer West-
seite ein Rücken hohen Drucks entwickelte, Die Witterung blieb an diesem
Tage bei vorwiegend südwestlichen Winden trüb und regnerisch und ziemlich
kühl, nur am 3, traf etwas Erwärmung ein. Die kontinentale Depression zog
alsdann langsam süd- und südostwärts weiter, während ein neues Tiefdruck-
gebiet bei Island erschien und den genannten Rücken hohen Drucks am 6. nach
Mitteleuropa drängte. Hierbei entwickelte sich eine lebhaftere Luftströmung, die
teilweise zu stürmischen Winden anwuchs, die aus nordöstlicher Richtung wehten,
Der Himmel klarte aber bald auf, und bei schwachen nordöstlichen Winden
herrschte bis zum 8. heiteres, trockenes und kühles Wetter. An dem letzteren
Tage trat das genannte Hochdruckgebiet mit einem anderen in Westrußland
gelegenen in Verbindung, während ein Ausläufer der kontinentalen Depression
westwärts nach dem deufschen Küstengebiet vorrückte, In der Folge erhielt
sich bis zum 14. niedriger Luftdruck über Kontinentaleuropa gegenüber hohem
Luftdruck über dem Norden des Erdteils, so daß am diesen Tagen andauernd
regnerisches, kühles Wetter bei östlichen Winden herrschte. Die Ausbreitung
des Hochdruckgebiets nach Süden brachte am 15. und 16, das erwähnte gute
Wetter. Im Laufe des 16. zerfiel das Hochdruckgebiet, indem sich eine Rinne
niedrigen Luftdrucks über dem Süden der Ostsee entwickelte, die eine Ver-
bindung zwischen einer Depression über Nordosteuropa und derjenigen über
Kontinentaleuropa herstellte,
Die Hochdruckgebiete zogen sich schnell zurück, indem Minima von Norden
und Süden nach Mitteleuropa vordrangen, von denen besonders ein Minimum durch
seine Bahn bemerkenswert war, indem es vom 20. bis 23. vom norwegischen
Meer über das Skagerrak und Südschweden nach dem Bottnischen Meerbusen
vordrang. Während dieser Tage bis zum 24, war das Wetter andauernd
regnerisch und meist kühl; nachdem bereits ein tiefes Minimum über dem Süden
der Ostsee starke bis stürmische Winde aus nördlichen Richtungen, am 18. an
der Nordsee und am 19. auch im Westen der Ostsee hervorgerufen hatte, traten
solche am 21. ostwärts bis Pommern und am 22, noch an der pommerschen
Küste im Gefolge des wegen seiner Bahn hervorgehobenen Minimums ein. Die
nördlichen Winde führten am 20, und 21. an der ganzen Küste Frost herbei.
Wenn auch ein Hochdruckgebiet über Nordosteuropa am 24, und 25. die
fast ganz Europa bedeckende Depression westwärts zurückdrängte, so erhielt
sieh in der Folge bis zum 29. niedriger Luftdruck über Mitteleuropa, indem
Ausläufer der ozeanischen Depression von der Biscayasee nordostwärts und an
den letzten Tagen des Monats von Südosteuropa nach dem Ostseegebiet vor-
drangen; südöstliche Winde führten am 24, und 25. die höchsten Temperaturen
des Monats herbei. Am 28. traten Hochdruckgebiete über Südwesteuropa und
dem Nordmeer durch einen Rücken hohen Luftdrucks über der Nordsee in Ver-
bindung, so daß nach andauernd regnerischer Witterung ostwärts bis zur Oder
trockenes und heiteres oder nebliges Wetter eintrat, das bis zum Schluß des
Monats anhielt.
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