276 Annalen der Hydrographio und Maritimen Meteorologie, Juni 1908,
des ältesten Seebuches, ständig Angaben über die Tiefen, Das Einheitsmaß ist
der »vadem«, Dementsprechend sind auch die Zahlen auf den Karten als Tiefen-
angaben in »vadem« zu deuten. Sie finden sich schon in den primitiven
Zwischenstufen zwischen Karten und Küstenansichten, durch die das Anfangs-
stadium der niederdeutschen Seekarten charakterisiert wird, man vergleiche
„De zeevaert etc.« von Adriaen Gerritsz 1588 oder »Caerte van(-)de Oost en-de
West Zee« von Goeyuaert Willemsen 1594.!) Die Angaben fehlen nicht in
Lucas Jansz Waghenaer »Spieghel der Zeevaert« 1584 u. f,%) um durch ihn
auf die ganze nautische Kartographie der Niederdeutschen,°) die ja in nachweis-
barer Abhängigkeit von ihm steht, überzugehen,
Die Linien gleicher Meerestiefen werden nach E. Mayer zum ersten Male
von Buache in einer 1732 aufgenommenen Karte des »Departement La Manche«
benutzt, die er 1737 der Akademie der Wissenschaften in Paris vorlegte.
Wenn Groil a. a. ©. schreibt: »Allmählich wurden auch die Seezeichen,
als da sind Leuchtfeuer, Baken, Tonnen ,.... auf den Seekarten eingetragen«,
so ist dies also nach seiner Ansicht erst nach 1640 geschehen, Dagegen ist festzu-
stellen, daß schon in der »Carta marina« des Olaus Magnus 1539 Leuchttürme
an der deutschen Küste verzeichnet sind, daß aber gerade die Baken und Tonnen
von den Niederdeutschen in ihren Darstellungen als sehr Wichtiges in Karte
und Text hervorgehoben werden, wie ein Blick z. B. auf Willemsens Karte der
Weser- und Elbe-Mündung lehrt, Auch hierin zeigt sich die Selbständigkeit und
Eigenart der so lange Zeit stiefmütterlich behandelten alten Seekarten der
Niederdeutschen.
2. Nordlicht am 26. und 27. März 1908 auf dem Atlantischen Ozean
in 40° N-Br., 64° und 50° W-Lg. (Hierzu Tafel 11).
Am 26, März wurde um 6b 30%» abends auf 40° N-Br. und 64° W-Lg. in
der Richtung der Kompaßstriche von rw. NW durch N bis rw. NO ein schmutzig-
gelber Schein in etwa 30° Höhe am Himmel beobachtet; da die Sonne bereits
längere Zeit untergegangen war, so konnte man nicht annehmen, daß diese
Färbung des Himmels von den Sonnenstrahlen ausging und daher wurde die
weitere Entwicklung dieser Erscheinung eifrigst beobachtet.
Nach etwa 25 Minuten bildeten sich blausilberne Strahlen, die von dem
schmutziggelben Schein nach allen Himmelsrichtungen ausgingen, einige aus
rw. N bis zum Zenit und noch darüber hinaus, Die Lichtstärke dieser Strahlen
war zeitweise stark und schwach, die langen Strahlen bewegten sich sehr langsam
von OÖ nach W fort. Diese Erscheinungen wurden bis 11% abends beobachtet,
Der Himmel war in der nördlichen Richtung bis etwa 20° Höhe bewölkt. Die
bemerkenswerteste Formation, die um 102 20" abends besonders stark war, ist
in Figur I (Taf, 11) dargestellt.
Am 27. März in 40° N-Br, und 58° W-Lg, wurden ab 7} 20" abends mehrere
stark ausgeprägte Formationen des Nordlichts beobachtet.
Die erste Formation bildete sich folgendermaßen:
In der rechtweisenden Richtung von NW durch N bis NO wurde ein
wolkenartiger, blausilberner Schein am Himmel bis zu etwa 40° Höhe beobachtet,
von dem wiederum blausilberne Strahlen nach allen Himmelsrichtungen aus-
gingen. Die Strahlen schossen zeitweise blitzartig aus dem blausilbernen Gewölk
bis über das Zenit hinaus, bewegten sich aber in dieser Formation nicht von
O nach W, sondern behielten ihre Richtung und Stellung in zitternder Bewegung
bei. Diese Formation ist in Figur IIa (Taf. 11) angegeben.
Nach etwa 10 Minuten verschwanden die Strahlen vollständig; es bildete
sich plötzlieh ein blausilberner Kreis am Himmel, dessen Peripherie aus rw, NO
durch »Arecturus«, durch das Zenit und den Planeten »Venus« bis rw. NW ging;
hiernach bildete sich ein heller, wolkenartiger Schein im »Areturus« und im
Planeten »Venus«. sowie kurze Strahlen von etwa 5°%®° Länge. die 20° ımterhalb
1) Reproduktionen in Nordenskiöld, »Periplus«, En 105, 107, 108 und in meiner Schrift »über
die niederdeutschen Seebücher«, »Mitt, d. geogr. Ges. Hamburg«, Bd. XXI, Karte 5,
2 Karte 6 und »Peripluse, p. 109.
33 Vel. sAnn. d. Hydr. usw.« 1906, Tafel 34.