374 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1908,
mehreren Nadeln hintereinander beobachtet, wobei besondere Sorgfalt darauf
verwandt wurde, das Instrument mit Hilfe eines verstellbaren Gegengewichtes
möglichst genau zu horizontieren, Die Totalintensität wurde durch Ablenkungs-
beobachtungen aus zwei verschiedenen Entfernungen gewonnen, woraus sich
wiederum Werte für die Inklination ergaben, die mit den anderweitig bestimmten
verglichen werden konnten, Aus den so erhaltenen Werten der Inklination
und der Totalintensität läßt sich nun die Horizontalintensität leicht berechnen,
da ja zwischen den drei Elementen die einfache Beziehung
H = T.cosJ
besteht. Um nun aber die Horizontalintensität auch noch auf direktem Wege
bestimmen zu können, ist »Galilee« noch mit einem besonderen Apparat, dem schon
oben erwähnten »Lamont-Bauer-Deflektor« ausgerüstet worden. Dieser beruht
im wesentlichen auf dem Prinzip der Sinusablenkungen, unterscheidet sich aber
dadurch von den gewöhnlichen Ablenkungsapparaten, daß der ablenkende Magnet
mit dem abzulenkenden nicht in derselben Horizontalebene liegt, sondern senk-
recht über dem Mittelpunkt des Magnetsystems angebracht wird, mit dem der
Ablenkungswinkel bestimmt werden soll. Die Einrichtung ist ähnlich wie bei
dem Lauensteinschen Deflektor,!) der bei der Untersuchung der Kompaßrosen
auf ihre Einstellungsfähigkeit bei geschwächter Richtkraft Verwendung findet,
Zu den Beobachtungen wurde ein gewöhnlicher achtzölliger Ritchie-Negus-Fluid-
kompaß benutzt, auf den mit Hilfe einer Brücke der Ablenkungsmagnet in zwei ver-
sehiedenen Entfernungen von dem Mittelpunkt der Rose aufgesetzt werden
konnte. Im übrigen sind dieselben Operationen erforderlich wie bei den Ab-
lenkungsbeobachtungen mit den gewöhnlichen Magnetometern, Bei Anwendung
von Fluidkompassen hat man den Vorteil, daß die einzelnen Einstellungen in-
folge der die Schwingungen dämpfenden Einwirkung der Flüssigkeit sich sehr
schnell ausführen lassen. Bei einiger Übung genügen 5 bis 10 Minuten, um
eine Bestimmung der Horizontalintensität mit einem Ablenkungsmagnet zu
erhalten, Die Beobachtungen wurden natürlich nach Möglichkeit mehrmals hinter-
einander angestellt und dazu verschiedene Ablenkungsmagnete benutzt. Die
Resultate, die auf diese Weise bei der Bestimmung der Horizontalintensität erhalten
wurden, haben sich als recht befriedigend erwiesen; sie bieten zugleich eine gute
Kontrolle für die aus den Beobachtungen mit dem Lloyd - Creak - Inklinatorium
berechneten Werte der Horizontalintensität. Überhaupt wurde, um stets eine
genügende Kontrolle zu haben, von den einzelnen Beobachtern abwechselnd mit
verschiedenen Instrumenten und an verschiedenen Punkten der Beobachtungs-
brücke gearbeitet.
Die Beobachtungen wurden, solange es die Witterung erlaubte, auf See
in Abständen von 200 bis 250 Meilen angestellt, Außerdem wurde jede Ge-
legenheit benutzt, beim Aufenthalt in den Häfen Beobachtungen an Land aus-
zuführen.
Es ist erklärlich, daß auf diese Weise ein sehr reiches Beobachtungs-
material gewonnen wurde, das um so wertvoller ist, als das ganze nunmehr
vermessene Gebiet des Stillen Ozeans bisher in magnetischer Beziehung so gut
wie unerforscht war. Es war daher auch von vornherein sicher zu erwarten,
daß sich alle bisher für das fragliche Gebiet entworfenen magnetischen Karten
an vielen Stellen als unrichtig erweisen würden, In der Tat hat sich heraus-
gestellt, daß in manchen Gegenden die Angaben der Mißweisungskarten um 3°
bis 5° von den jetzt beobachteten Werten abweichen, und daß die magnetischen
Karten für alle drei Elemente mehr oder weniger geändert werden müssen.
So haben z. B. schon die während der ersten Rundfahrt im Jahre 1905
angestellten Beobachtungen ergeben, daß sowohl die deutsche Isogonenkarte
für 1905 als auch die englische Karte für 1907 zwischen San Francisco und
Honolulu die östliche Deklination um 1° bis 2° zu niedrig angeben. Auch die
deutsche Inklinationskarte für 1905 liefert für dieses Gebiet Werte für die In-
klination. die systematisch um 1° durchschnittlich zu niedrig sind, während
Vel. »Der Kompaß an Bord«, 2. Aufl., Hamburg 1906, S, 68,