Meldau, H.: Zur Frage der Untersuchung der Nadelsysteme von Kompaßrosen. 263
Zur Frage der Untersuchung der Nadelsysteme von Kompaßrosen.
Von Dr. H, Meldan, Oberlehrer an der Seefahrtschule in Bremen,
1. Einleitung.
Für die Untersuchung der Nadelsysteme von Kompaßrosen sind in den
beiden letzten Jahrgängen dieser Zeitschrift verschiedene Methoden diskutiert
und für die Praxis in Vorschlag gebracht worden. Die folgenden Ausführungen
sind zur Klärung der dabei hervorgetretenen Meinungsverschiedenheiten bestimmt.
Störungsglieder des Deviationsverlaufes, besonders in Gestalt von sechstel-
und achtelkreisigen Ablenkungen können einmal darin ihren Grund haben, daß
die Nadeln nicht unendlich klein sind im Verhältnis zu der Entfernung der
nächsten festen oder erdmagnetisch induzierten Magnetpole. Wenn zwischen
den Nadelpolen und den D-Korrektoren Nadelinduktion stattfindet, so können
achtelkreisige Ablenkungen außerdem dadurch entstehen, daß das aus der Nadel-
induktion entspringende Drehmoment unmittelbar mit achtelkreisigen Gliedern
behaftet ist.
Von den Störungen, die in der Nähe fester und erdmagnetisch induzierter
Pole ihre Ursache haben, soll zunächst die Rede sein. Sie sind der Rechnung
leichter und sicherer zugänglich, als die durch Nadelinduktion bewirkten Ab-
lenkungen.
Die theoretische Untersuchung der durch die Nadel-
Jänge erzeugten Störungen hat auszugehen von dem Dreh-
moment eines Magnetpoles auf das Nadelsystem. Es sei,
wie in der Figur 1 angedeutet, a der Halbmesser, & der
Konstruktionswinkel eines Zweinadelsystems von der Pol-
stärke v; ON sei die Richtung der magnetischen Achse des
Rosensystems, In P sei ein Pol von der Masse x vorhanden,
Es werde OP mit r und der Winkel NOP mit v bezeichnet,
Dann ist das vom Magnetpol in P auf das Rosensystem aus-
geübte Drehmoment?)
Anpacos a |; , Zu? 15at 5a: Kon \cosBu
8) I 3 Saar (SE aaa) cos 3
13 yo c we ]
Aa a N
Beschränken wir uns zunächst auf die Störungsylieder erster "iv %
Ordnung und bezeichnen das magnetische Moment des Nadelpaares
4yacos@ (s. Figur 2) mit m, so haben wir als Drehmoment des Zwei-
nadelsystems
um, 5a 15a%cos3w .
I = | (1 = a) sin VS wa Ei 3 ‚1.
be
$ ro
2, Verhalten des Nadelsystems gegenüber festen Polen.
Wenn P ein fester Pol, also x konstant ist, so enthält das Drehmoment
demnach außer dem halbkreisigen noch ein sechstelkreisiges Glied. Um dieses
zum Verschwinden zu bringen, hat man cos 3«==0, also « =— 30° zu wählen.
Die praktische Erfüllung dieser theoretischen Forderung wird dadurch erschwert,
daß man die Lage der Pole in den Rosennadeln a priori nicht exakt wissen
kann. Die Entfernung der Pole vom Nadelende ist bei verschiedenen Nadeln ein
verschiedener Bruchteil der Nadellänge. So liegen bei dünnen Nadeln die Pole
den Enden verhältnismäßig näher als bei stärkeren. Auch für geometrisch
gleiche Nadeln ist die Polentfernung immer noch abhängig von der Größe des
magnetischen Momentes. Ich habe deshalb vorgeschlagen, zur praktischen Unter-
suchung der Kompaßrosen auf Freisein von sechstelkreisigen Störungen die
Kompaßrose einer experimentellen Prüfung mittels einer »sextantalen Pol-
) Siehe etwa »Amn. d. Hrdr. usw.« 1907 8. 23.