Maurer, H.: Bestimmung und Kompensation von Deviationen mit dem Doppelkompaß usw. 253
zugrunde, wo H’ die Richtkraft auf Kompaßkurs X und AH die mittlere Richt-
kraft des Kompaßplatzes bedeutet, Hat man also auf einer Anzahl äquidistanter
Kompaßkurse die Spreizwinkel z# des Doppelkompasses beobachtet, so lassen
sich HC DE berechnen, da der jedesmalige Kosinus des halben Spreizwinkels
cos ® = =. und das Mittel aller dieser Kosinus, das mit cos £ bezeichnet werde,
“ ne
AH. da $ ; a
=" ist. Man kann somit für jeden Kurs {” den Wert — ;=-—7 4ngeben und
O8 —
2
daraus BE DE berechnen, wenn wenigstens von vier Kursen Beobachtungen
vorliegen,
Hier ist nun zu bemerken, daß die Gleichung (1) nur angenähert gilt.!)
Genauer lautet sie:
2) Ze = cos d-+ Bcos’ — Esin f-- Deos2 7 -— Esin2 7 sin d(M— Dein2Y — Ec082 F.),
wie man erhält, wenn man die bekannten (Neichungen ”)
@ Fuss 14 Beosf— Ceink + Deos2f-— Esin2t
(4) Sein = NA Beinf-- CeosF- Dein25-- Gein27
mit cos ö bzw. sin ö multipliziert und addiert und £ = X + 6 setzt. Gleichung (2)
geht also in (1) über, wenn man cosö = 1 und Ysin d = Dsind = Esind= 0
setzen darf. Nun kann % sin d mitunter recht erhebliche Beträge annehmen,
Eine Beziehung von der Form (1) gilt in höherem Maße für die magnetischen
Kurse £ als für |, wie die Gleichung (3) zeigt; man muß in ihr nur cosd = 1
setzen dürfen, Man darf also vermuten, daß genauere Werte der Deviations-
koeffizienten und des der mittleren Richtkraft entsprechenden Spreizwinkels k
erhalten werden, wenn man von Beobachtungen auf äquidistanten magnetischen.
Kursen statt von solchen auf Kompaßkursen ausgehen kann. Für die Praxis
wird dies freilich bedeutungslos, da man ja, falls magnetische Kurse bekannt
sind, keine Deviationsbestimmung und Kompensation braucht.
Kompensation eines Trockenkompasses,
Zur Ausführung der Kompensation gibt Herr Dr. Bidlingmaier auf
5.213 a. a. ©. die folgende Anweisung: »Wir beobachten auf n äquidistanten Kursen
den Spreizwinkel @ der Rosen bei konstanter Entfernung und berechnen daraus
die Deviationskoeffizienten und den Kompensationswinkel k, Dieser ist als der-
jenige Spreizwinkel definiert, der bei der Intensität AH im Doppelkompaß sich
einstellen würde; also cos 5 ist gleich dem Mittelwert der cos %, die sich auf
n äquidistanten Kursen ergeben haben. Aus den Werten DD und € ergibt sich
der Ort, an den die Seitenkugeln zu setzen sind. Dann bringen wir auf Nord-
oder Südkurs die Längsmagnete, auf Ost- oder Westkurs die Quermagnete im
Kompaßhaus so an, daß jedesmal im Doppelkompaß der Kompensationswinkel
erscheint, «
Diese Vorschrift ist nicht zutreffend. Zunächst kann sie für FlIluid-
kompasse, an die Herr Dr. Bidlingmaier bei ihrer Aufstellung auch nicht ge-
dacht hat, nicht gelten, weil ein für eine Trockenrose kompensierter Kompaßort
für einen Fluidkompaß wegen der Nadelinduktion nicht kompensiert ist. Aber
auch mit Bezug auf die Kompensation für Trockenkompasse ist in der
Vorschrift übersehen worden, daß durch das Setzen der D-Kugeln A geändert
wird, und zwar tritt an Stelle von 2 X = 211 + zZ [Bei Stabkorrektoren würde
1) Hierauf hat auch Herr Fr. Lauffer in den »Mitteilungen aus dem Gebiet d. Seewesens«
1908, S. 174, hingewiesen, Meinc Arbeit war bereits im November 1907 ubgeschlossen bis auf den
praktischen Versuch an Bord S, M. S. »München«, der sich mit Rücksicht auf dienstliche Aufgaben
des Schiffes erst im März 1908 ausführen ließ.
A Siehe z. B. E. Rottok, Die Deviationstheorie, Berlin 1903, 8, 50.
Ann, d, Hydr, usw. 1908, Heft VI