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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Capelle: Die vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Gezeitentafeln in ihrer neuen Form, 247 
mit Rücksicht auf die verschiedene Festlegung des Kartenniveaus bei den einzelnen 
Ländern in etwas voneinander ab. . 
Am einfachsten ist die Rechnung dort, wo das Kartenniveau gleich dem 
mittleren Springniedrigwasser ist. Daselbst entspricht nämlich die Erhebung des 
Wassers über dem Kartenniveau bei Springflut dem Tidenhub zu dieser Phase. 
Die Höhe des Hochwassers über dem Kartenniveau bei Nippzeit ist dagegen 
gleich !/, Hochwasserhöhe bei Springzeit + */, Tidenhub bei Nippzeit. Will man 
also den Tidenhub bei Nippzeit kennen lernen, so findet man ihn aus den an- 
geführten Zahlen durch die Formel: 
Nipptidenhub = 2 X Nipphochwasserhöhe — Springhochwasserhöhe. Das 
Mittel ausdem Tidenhub bei Springzeit und bei Nippzeit ist aber der mittlere Tidenhub, 
Diese Rechnung kann man sich zudem noch sparen, wenn man sich über- 
legt, daß bei diesem Kartenniveau die Nipphochwasserhöhe ebenfalls gleich dem 
Mittel aus Springtidenhub und Nipptidenhub ist und somit die Nipphochwasser- 
höhe mit dem mittleren Tidenhub übereinstimmt. 
Um bei dem für die Deutsche Bucht der Nordsee angenommenem Karten- 
niveau zu dem gleichen Ergebnis zu gelangen, hat man zuvor die in den Gezeiten- 
tafeln bei den Hafenzeiten in der Spalte »Hochwasserhöhe über Kartenniveau 
bei Springzeit und Nippzeit« angegebenen Werte um 0.3 m zu kürzen, 
Bei den Orten der Vereinigten Staaten von Amerika, wo das Kartenniveau 
gleich dem mittleren Niedrigwasser ist, sind die angegebenen Werte zu addieren 
und durch 2 zu dividieren, das Ergebnis ist der mittlere Tidenhub, 
Bei den französischen Stationen hingegen sind die Verhältnisse am 
schwierigsten. Hier sowohl wie auch in Belgien liegt das Kartenniveau nach 
den Angaben des »Annuaire astronomique de l’observatoire royal de Belgique« 
für 1908 8. 250: 1.18 X !/, Springtidenhub, zur Zeit der Äquinoktien gleich 
1.18 X 1% mittlerer Springtidenhub unter dem Mittelwasser. Dieser Wert dürfte 
ziemlich mit dem niedrigsten beobachteten Niedrigwasser zusammenfallen, welches 
bisher vielfach als Kartenniveau für die französischen Karten angenommen wurde. 
Man vermag daher bei diesen Häfen aus den beiden Angaben für Springzeit und 
Nippzeit nicht ohne weiteres den mittleren Tidenhub abzuleiten. Dazu bedarf es 
noch der Angabe des Nipptidenhubes. Diese ist denn auch bei einer großen 
Zahl von Orten besonders gemacht worden. Dort, wo sie zur Verfügung steht, 
gestattet sie den Springtidenhub nach folgender Formel zu berechnen: 
Springtidenhub = Nipptidenhub — 2 > (Springhochwasserhöhe — Nipphoch- 
wasserhöhe). 
Das Mittel aus dem so gefundenen Springtidenhub und dem bekannten 
Nipptidenhub ergibt dann wieder den mittleren Tidenhub. 
Die Kenntnis des mittleren Tidenhubes in Verbindung mit der Kenntnis 
der Dauer des Fallens des Wassers oder, wo diese nicht bekannt ist, unter Zu- 
grundelegung eines !/, Mondtages == 6h 12%in. ermöglicht es dann, mit Hilfe 
der Tafel 4 der Gezeitentafeln (Beschickung einer Lotung auf Niedrigwasser) 
sich ein Bild davon zu machen, welche Verbesserung man an die Wassertiefe der 
Karte anzubringen hat. um den richtigen Wert für die Zeit der Beobachtung zu 
erhalten. 
Von besonderer Wichtigkeit für die Schiffahrt in der Nordsee ist ferner 
die Kenntnis der Wasserverhältnisse auf den Barren unserer Fahrwasser im all- 
yemeinen, sowie die Möglichkeit, im besonderen sich beim Verlassen von Wilhelms- 
haven oder beim Passieren von Cuxhaven ein Urteil darüber zu bilden, welche 
Wasserstände man bei der Barre der Außenjade bzw. bei der Oste, bei Bruns- 
düttel und beim Elbe-Feuerschiff IV auf Grund der an dem Tage gemachten 
Beobachtungen am Wilhelmshavener bzw. Cuxhavener Pegel antrifft. Deshalb sind 
diese Angaben neuerdings in die Gezeitentafeln aufgenommen worden neben 
zwei weiteren Tabellen über gleichzeitige Wasserstände am Wilhelmshavener 
Pegel und an drei Punkten des Jadefahrwassers sowie über den voraussicht- 
lichen Einfluß der Luftbewegung auf den Wasserstand in der Jade nach den 
Beobachtungen am Wilhelmshavener Pegel, die sich voraussichtlich als für die 
Praxis nicht weniger wichtig erweisen werden,
	        
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