316 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1908.
ab, in welchem Maße sich die tägliche Ungleichheit in der betreffenden Gegend
bemerkbar macht. Demgemäß sind in den neuen Gezeitentafeln nachstehende
Basisstationen zu Grunde gelegt worden:
Cuxharen: für die deutsche Nordseeküste, Küste von Norwegen und
Dänemark und Küste von Rußland,
für Großbritannien und Irland,
für die Nord- und Westküste von Frankreich, Westküste von
Portugal und Westküste von Spanien,
Hoeck van Holland: für Holland und Belgien,
Sandy Hook: für Kanada, die Ostküste der Vereinigten Staaten und die
englischen Besitzungen an der Ostküste Amerikas,
Für die Orte, welche von den Schiffen der Kaiserlichen Marine und den
Dampfern der regelmäßigen Schiffahrtslinien ständig aufgesucht werden, wird
man ebenso wie für die wichtigsten Hafenplätze, welche für die sogenannte
Trampschiffahrt in Betracht kommen, in den beiden ersten Gruppen alles Nötige
finden, um in bequemer und kurzer Weise die gewünschten Gezeitenangaben
feststellen zu können, Nur bei den Häfen, welche abseits von den allgemein
befahrenen Wasserstraßen liegen, wo demgemäß der Verkehr weniger lebhaft ist
und wo naturgemäß dann auch nur dürftiges Beobachtungsmaterial vorliegt,
wird man seine Zuflucht zu der dritten Gruppe zu nehmen haben, um mit Hilfe
der Durchgangszeit des Mondes durch den Meridian und der Hafenzeit den
Eintritt von Hoch- und Niedrigwasser zu berechnen,
Um diese Arbeit allein unter Verwendung der Gezeitentafeln ausführen zu
können, ist darauf Bedacht genommen worden, daß alle für die Ausführung der
Rechnung notwendigen Größen in denselben auch vorhanden sind. Deshalb ist
neuerdings bei jedem Orte die Länge, und der Vollständigkeit halber, auch die
Breite angegeben worden, während die Änderung, welche einem Unterschiede in
der Länge um einen Grad in der Zeit des Durchganges des Mondes dureh den
Meridian entspricht, bereits vor einigen Jahren in dem beigegebenen Kalender
Aufnahme gefunden hat,
Es bleibt nun noch an dieser Stelle auch mit wenigen Worten der
Höhenangaben zu gedenken, welche die Gezeitentafeln enthalten, da hierüber er-
fahrungsgemäß häufig Unklarheiten herrschen,
Für den in der Praxis, stehenden Scemann kommt es darauf an, zu WISSEN,
in welcher Weise die in den Seekarten niedergelegten Tiefen unter dem Einfluß
der Gezeiten eine Änderung erfahren, d, h, mit welcher Wassertiefe er an einem
Orte rechnen darf, dessen Gezeiten er kennt. Deshalb ist es das Gegebene, die
Höhen auf das Kartenniveau zu beziehen. Da die Lage des letzteren nun bisher
keine internationale Regelung erfahren hat, so weicht sie im den einzelnen
Ländern voneinander ab, je nachdem die Voraussetzungen welche an dieselben
geknüpft werden, verschieden sind.
So gilt für die Deutsche Bucht der Nordsee als Kartenniveau das Örtliche
Springniedrigwasser vermindert um 0.3 m, eine Größe, welche in Wilhelmshaven
mit dem Nullpunkt des daselbst aufgestellten Pegels zusammenfällt, In England
Jagegen ist als gültiges Kartenniveau das mittlere Springniedrigwasser angenommen,
in Frankreich ein in. Verbindung mit dem Springtidenhub durch Rechnung ab-
yeleitetes Niedrigwasser, welches unter dem mittleren Niedrigwasser liegt, und
in den Vereinigten Staaten von Amerika das mittlere Niedrigwasser, Diese Ver-
hältnisse hat man sich gegenwärtig zu halten, wenn man aus den in den
Gezeitenangaben gemachten Höhenangaben seine Schlüsse zieht, Bei den Häfen,
für welche Tidekonstanten gegeben sind, konnte naturgemäß nur ein Mittelwert
Aufnahme finden. Hier ist entweder der mittlere Tidenhub oder der Tidenhub
bei Springflut angeführt worden, je nachdem das Material erhältlich war. Bei
den Orten endlich, für welche nur die Hafenzeit bekannt war, ist die Hochwasser-
höhe über dem Kartenniveau bei Springzeit und Nippzeit aufgenommen worden.
Aus diesen letzteren Angaben ist man indessen imstande, sich ohne Schwierigkeiten
den mittleren Tidenhub berechnen zu können; die Ärt der Rechnung weicht nur