Capelle: Die vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Gezeitentafeln in ihrer neuen Form. 9245
Afrika: Duala an der Mündung des Kamerunflusses und Daressalam,
Amerika: Baltimore, Charleston und San Francisco,
Asien: Aden, Bombay, Dublat, Rangoon, Nagasaki und Yokohama,
Australien: Apia,
Leider war es nicht möglich, diesen Plan in seiner Gesamtheit schon jetzt
zur Ausführung zu bringen, weil es hierzu noch an dem nötigen Material fehlte,
Es mußte daher einstweilen die Aufnahme von Daressalam, Aden, Bombay, Dublat,
Rangoon, Nagasaki und Yokohama zurückgestellt und späteren Jahrgängen vor-
behalten werden.
Eine sehr erhebliche Erweiterung haben dafür aber schon jetzt die Hafen-
plätze erfahren, deren Gezeitenberechnung sich mit Hilfe von Tidekonstanten er-
möglichen läßt. Bei Festsetzung dieser Methode ist von nachstehenden Erwägungen
ausgegangen:
Bezeichnet für den Basisort:
Co die Zeit der Mondkulmination,
T, das Mondflutintervall (mittleres oder für C, = 04 0" [Hafenzeit]),
u, die halbmonatliche Ungleichheit,
to die Hochwasser- (Niedrigwasser-) Zeit, in Ortszeit ausgedrückt,
und für den Ort, für den die Tidekonstante bestimmt werden soll:
C die Zeit der Mondkulmination = C,+n X 124 25,236min,
T das Mondflutintervall (mittleres oder für C = 0» 0"i" [Hafenzeit]),
u die halbmonatliche Ungleichheit,
t die Hochwasser- (Niedrigwasser-) Zeit in Ortszeit ausgedrückt,
dann ist, abgesehen von den kleinen Korrektionen wegen Deklination und Parallaxe:
to == C+To+W und t=C+T+ u
= Co+n X 120 25.2360 + T+u
und hieraus:
UYlt= +1 X 124 25,236 + T— MT; + u— 4 und
(2T=— Ts+t—to—n X 126 25.2368 + u, — u.
Bei einer angenäherten Berechnung nun, wie sie durch die Benutzung der
Tidekonstanten immer nur erreichbar ist, kann man die weitere Voraussetzung
machen, daß die halbmonatliche Ungleichheit an beiden Orten dieselbe ist und
daher u — u, = 0 gesetzt werden kann; in diesem Falle wird aber:
Bti—t=T-—-T,+n X 12% 25.2360,
wobei n = 1 zu nehmen ist, wenn T — T, einen Wert ergibt, der größer als
62 12min jst; trifft dies nicht zu, so ist n=0 und damit die Tidekonstante
= T-— To; n erhält dabei stets das entgegengesetzte Vorzeichen wie die
algebraische Differenz: T — To.
Aus dem bisher Gesagten ist zu entnehmen, daß diese Methode um so
bessere Resultate liefern wird, je geringer der Unterschied zwischen u, und u
ist, d.h. je mehr die halbmonatlichen Ungleichheiten an dem Basisorte und dem-
jenigen, für den die Gezeiten bestimmt werden sollen, übereinstimmen.
Weiterhin kommt aber auch noch die tägliche Ungleichheit in Betracht,
Diese hat in verschiedenen Gegenden der Erde einen sehr verschiedenen Einfluß
auf den Verlauf der Gezeiten. Während sie in einigen Gegenden, z. B. innerhalb
des malayischen Archipels, den Verlauf der Gezeiten geradezu bestimmt, indem
dort fast reine Eintagstiden vorkommen, ist ihr Einfluß an den europäischen
Küsten gering. In anderen Gegenden erreicht die tägliche Ungleichheit einen
mehr oder minder großen Einfluß; sie ist aber überall in höherem oder
geringerem Grade wahrnehmbar. Unter diesen Umständen wird es erklärlich,
daß die Ermittlung des Eintritts der Hoch- oder Niedrigwasserzeit und Höhe
durch Anbringung der Tidekonstanten an die Vorausberechnungen für die Basis-
orte um so genauer sich ausführen läßt, je weniger von diesen entfernt der Ort
ist, dessen Gezeit gerechnet wird.
Unter diesen Umständen ist es gerechtfertigt, zunächst für jedes Land und
weiterhin für einzelne Küstenabschnitte einen Basisort zu wählen und an diesen
nur solche Orte anzuschließen, die der obigen Bedingung genügen, d.h. nicht
sehr entfernt vom Basisort liegen, Wie weit man hierin gehen will, hängt davon