244 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1908,
Hafenplätzen konnte bisher dies Resultat noch nicht erreicht werden. Der Grund
hierfür liegt indessen lediglich darin, daß die Vorausberechnungen bis jetzt nicht
so früh fertiggestellt wurden, um für einen rechtzeitigen Austausch in Betracht
kommen zu können. An einem Irühzeitigen Termin muß indesen festgehalten
werden, damit die jedesmalige Veröffentlichung der Gezeitentafeln keine un-
gebührliche Verzögerung erleidet, Dieser Termin ist aber mit Rücksicht auf die
Schiffe, welche auf längere Reise gehen, ohne vorher weiter wie bis zum nächsten
Hafen, für den sie bestimmt sind, disponieren zu können und deshalb, wie üblich,
den Wunsch haben, beim Auslaufen bereits dasjenige wissenschaftliche Material,
dessen sie auf ihrer Fahrt benötigen, mitzunehmen, tunlichst so zu wählen, daß
die Gezeitentafeln mindestens ein Jahr vor dem Zeitpunkte erscheinen, für den
sie bestimmt sind, Daher ist auch für unsere deutschen Gezeitentafeln in Aus-
sicht genommen, in Zukunft den 1. Januar des vorhergehenden Jahres als
spätesten Ausgabetermin festzuhalten. Wenn diese Absicht bei dem Jahrgange 1909
sich noch nicht verwirklichen ließ, so ist das darauf zurückzuführen, daß die
gänzliche Umarbeitung nicht ner sehr vermehrte Arbeitskräfte und Zeit bean-
spruchte, sondern auch zu vielen Anfragen und Nachfragen bei denjenigen Stellen
Veranlassung gab, die im Besitze des Öriginal-Beobachtungsmaterials sind, auf
deren Beantwortung die Schriftleitung keinen Einfluß hatte. Vom Jahrgang 1910
ab ist jedoch mit dem pünktlichen Erscheinen derselben zu rechnen.
Da die Schwierigkeiten, welche einem noch regerem Materialaustausch
wie bisher entgegenstehen, keine allzugroßen sind, so darf man der Hoffnung
Ausdruck geben, daß sie sich in Zukunft werden beseitigen lassen und daß dann
eine noch bessere Übereinstimmung unter den verschiedenen Gezeitentafeln
herbeigeführt werden wird.
II. Der Umfang des Stoffes.
Für den praktischen Gebrauch wäre es naturgemäß am bequemsten, wenn
für sämtliche Häfen ausführliche Vorausberechnungen gegeben werden könnten.
Dies bedeutet aber eine Forderung, welcher aus verschiedenen Gründen nicht
nachgekommen werden kann. Zunächst liegen nur für eine beschränkte Anzahl
von Hafenplätzen so ausgedehnte und brauchbare Beobachtungen vor, daß man
an der Hand derselben Vorausberechnungen vornehmen kann. Aber selbst alle
diese Orte in den Gezeitentafeln aufzunehmen erscheint nicht zweckmäßig. Das
Buch würde dadurch selır an Umfang gewinnen, für die Praxis schwer über-
sichtlich und durch die Stärke unhandlich werden und zudem für seine Her-
stellung einen Preis erfordern, welcher seiner Höhe wegen nicht allen Kreisen,
für welche das Buch bestimmt ist, zugemutet werden kann. Deshalb erschien es
durchaus geboten, sich hinsichtlich des Umfanges Mäßigung aufzuerlegen.
In den neuen Gezeitentafeln sind daher unter Berücksichtigung dieser
Verhältnisse die Häfen in drei Gruppen eingeteilt worden: .
1. Häfen, für welche ausführliche Vorausberechnungen gegeben worden sind.
2, Häfen, bei denen man die Gezeiten mit Hilfe von Tidekonstanten an
die ausführlich gegebenen Vorausberechnungen anschließen kann.
3. Häfen, bei welchen nur die Hafenzeiten Aufnahme gefunden haben,
Um allen berechtigten Wünschen nach Möglichkeit Rechnung tragen zu
können, hat, bevor die Auswahl für die erste Gruppe getroffen wurde, eine
Umfrage sowohl innerhalb der Kaiserlichen Marine wie auch bei denjenigen
Reedereien, die einen überseeischen Verkehr unterhalten, stattgefunden, deren
Zweck es war, die Orte kennen zu lernen, auf deren Aufnahme Wert gelegt wurde.
Das Ergebnis dieses Vorgehens war, daß die englischen Häfen Portsmouth,
Sunderland an der Mündung des Wear und der irische Hafen Kingstown künftighin
in Wegfall gelangen konnten. Dafür war es aber notwendig, bei den außer-
europäischen Häfen eine wesentliche Erweiterung des bisher Gebotenen eintreten
zu lassen, da diese in den früheren Gezeitentafeln nur spärlich vertreten waren.
Bei den europäischen Häfen ist bis jetzt nur Vlissingen neu hinzu-
gekommen, während Bremen für später in Aussicht genommen ist. Bei den
anderen Erdteilen ist dagegen die Neuaufnahme folgender Orte beschlossen worden.