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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Carl Christian Koldewer +, 
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schnell, daß alsbald mit dem Bau des Expeditionsschiffes, dessen Plan unter Zu- 
stimmung von H. H, Meier zwischen Koldewey und Schiffsbaumeister F. Teck- 
lenborg festgesetzt wurde, begonnen werden konnte. Es wurde ferner bestimmt, 
daß diesem eigentlichen Expeditionsschiff, das wieder den Namen »Germaniae 
irug, ein zweites Schiff als Transport- und Begleitschiff beigegeben werde, das 
jedoch im Herbst des ersten Jahres nach der Heimat zurückkehren sollte, Zu 
diesem Zwecke wurde das Segelschiff »Hansa« erworben und Kapitän F. Hege- 
mann zu seinem Führer auserwählt. 
Die unermüdliche, von Begeisterung getriebene Tatkraft der Beteiligten, 
insbesondere Koldeweys, ermöglichte dann, daß bereits am 15. Juni 1869, also 
nur acht Monate nach Rückkehr der ersten Expedition, die neue Expedition in 
Gegenwart Sr. Majestät des Königs Wilhelm von Preußen, dessen warmes 
Interesse für das schöne nationale Unternehmen sich in dieser feierlichen Stunde 
in einer Allen Anwesenden unvergeßlichen Weiss kundgab, von Bremerhaven die 
Reise antreten konnte, Nicht ahnen konnten die Teilnehmer der Expedition, 
daß während ihres Unternehmens, in das sie mit nationaler Begeisterung ein- 
getreten waren, das größere Feuer einer anderen nationalen Begeisterung auf- 
lodern würde für eine Sache, an der bei dem Abschied. im Gefolge Sr. Majestät 
befindliche Männer, Graf Bismarck, Kriegsminister v, Roon und General 
v, Moltke den hervorragendsten Anteil zu nehmen bestimmt waren, Ohne Ahbnumg 
der inzwischen eingetretenen Ereignisse kehrte »Germania« am 10, September 
1870 an die deutsche Nordseeküste zurück, Verwundert über das Fehlen der 
Seezeichen und den Mangel jeden Schiffsverkehrs vor der Weser lief »Germania« 
in die Jade ein, wo mehrere große Schiffe lagen. Starr vor Staunen, das sich 
dann in begeistertsten Jubel löste, erfuhr die Besatzung dort die politischen Um- 
gyestaltungen und den Ruhm deutscher Waffen. 
Wir müssen uns hier versagen, über den Verlauf der Expedition und ihre 
Ergebnisse näher einzugehen und auf die Veröffentlichung: »Die zweite deutsche 
Nordpolarfahrt in den Jahren 1869 und 1870 unter Führung des Kapitäns 
Carl Koldewey«, herausgegeben von dem Verein für die deutsche Nordpolarfahrt 
in Bremen, verweisen, Wir ersehen aus dieser Veröffentlichung, mit welcher 
durch die bereits erworbene Erfahrung unterstützten Umsicht und Energie 
Koldewey die Schwierigkeiten des Zieles, die ostgrönländische Küste zu er. 
reichen und Kings ihr soweit als möglich mit dem Schiff weiter nach Norden 
rorzudringen, zu überwinden verstand, wie er es sich auch nicht nehmen ließ, 
lie von dem durch Eis besetzten Schiffe weiter nordwärts vorgehende große, 
über einen Monat beanspruchende Schlittenexpedition, auf der der 77. Breiten- 
grad überschritten wurde, selbst zu leiten; wie er schließlich an den wissenschaft- 
lichen Beobachtungen tätigen Anteil nahm. 
80 ist Koldeweys Name als der des tatkräftigen Leiters der ersten und 
der zweiten Deutschen Nordpolarexpedition in den Grundstein der Geschichte 
deutscher Polarforschung eingegraben, Mit reichem Beobachtungsmaterial war 
die zweite deutsche Nordpolarexpedition in die Heimat zurückgekehrt; ihre 
geographische Erforschung der ostgrönländischen Küste bildete die Grundlage 
für die weiteren nach dieser Küste gerichteten Expeditionen. Die auf seinen 
Polarfahrten gewonnene reiche Erfahrung Koldeweys blieb auch in der Folge 
nicht ungenützt dadurch, daß sein Rat bei allen späteren deutschen Polar- 
axpeditionen, wie denen im System der internationalen Polarforschung 1882/83 
und der +Gauß-Expedition« und auch von ausländischen Polarreisenden ein- 
geholt wurde. - 
Neben der Ausarbeitung seiner Berichte nahm Koldewey bereits kurze 
Zeit nach seiner Rückkehr eine anderweite Tätigkeit an Land. auf, in der er 
seine besonderen Kenntnisse und Begabung in weiterem Maße zu verwerten Ge- 
jegenheit hatte, und die ihn nunmehr dauernd fesselte, 
Bereits bei den Vorbereitungen zu den beiden Polarfahrten war Koldewey 
zu W. v., Freeden, dem Direktor der Norddeutschen Seewarte zu Hamburg, die 
mit Beginn des Jahres 1868 in Wirksamkeit getreten war, in Beziehung ge- 
kommen. Yv. Freeden gewann nusmehr im Jahre 1871 Koldewey für das
	        
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