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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

238 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1908, 
Koldeweys mit C. Börgen und Copeland, seinen späteren Begleitern auf der 
Polarfahrt nach Ostgrönland 1869/70, 
Diese wissenschaftliche Ausbildung neben der erprobten seemännischen 
Tüchtigkeit ließ denn auch vor allen Koldewey zum Führer der von 
Dr. A, Petermann ins Werk gesetzten ersten deutschen Polarexpedition be- 
fähigt erscheinen, Seine Berufung hierzu erfolgte durch Petermann, insbesondere 
auch auf Empfehlung Dr. Breusings, des ausgezeichnetsten Vertreters des 
deutschen Seewesens zu damaliger Zeit, Mit großer Begeisterung für die Sache 
folgte Koldewey diesem Rufe und traf die Vorbereitangen zur Fahrt in einer 
Weise, daß Dr. Breusing am 23, März 1868 an Dr. Petermann schreiben konnte: 
„Die seemännischen Vorbereitungen sind von Koldewey durchweg mit der größten 
Besonnenheit und Umsicht ausgeführt, Nur so ist es möglich, ein Mißlingen zu 
hindern; alle Energie, Tatkraft und Begeisterung würden verschwendet, wenn 
man. olıme volle Sachkenntnis dessen, worauf es ankommt, am das Unternehmen 
ginge, — — Wenn nicht höhere Gewalt entgegentritt, wenn das Gelingen bedingt 
jst lediglich durch die Tatkraft und Tüchtigkeit der Menschen, dann werden 
Koldewer und Hildebrandt alles zum glorreichen Ende führen«. 
Am 9. April 1868 gelang es Koldewey in Bergen für die Expedition ein 
geeignetes Schiff von 80 Tons Größe zu erwerben; am 24. Mai verließ diese erste 
deutsche Nordpolar-Expedition auf der Yacht »Germania« Bergen. Am 30, Sep- 
teimber 1868 kehrte Koldewey mit der »Germania« nach Bergen zurück und lief 
am 10. Oktober in die Weser ein. 
Ungünstige Eisverhältnisse waren der Ausführung des Programms der 
Expedition, die mit beschränkten Mittehr und nur für eine Saison vorgesehen 
und ausgerüstet war, entgegengetreten. Ein zweimaliger Versuch, zu verschiedenen 
Zeiten zwischen 72° und 74° N-Br. an die ostgrönländische Küste vorzudringen, 
war gescheitert, und ebensowenig war €s gelungen, das im Nordosten von Spitz- 
bergen gelegene Gillis-Land auf einem der dahin unternommenen Yorstöße zu 
erreichen.) War der Erfolg dieser ersten Expedition in geographischer 
Hinsicht sonach nicht der gewünschte, so lieferten die hydrographischen und 
meteorologischen Beobachtungen desto reichere Ausbeute und haben durch 
die regelmäßige Ordnung und Ausdauer, mit der sie, unterstützt von guten 
{nstrumenten, angestellt wurden, manchen damals neuen Aufschhuß über die 
ozeanischen und atmosphärischen Verhältnisse der Polargegenden überhaupt ge- 
zeben.“) Der Haupterfolg dieser ersten Fahrt aber bestand wohl größtenteils 
darin, daß ebenso wertvolle wie notwendige Erfahrungen in der mit so vielen 
Schwierigkeiten und Hindernissen verbundenen Eisschiffahrt gemacht worden 
waren und infolgedessen eine zweite Expedition mit mehr Aussicht auf Erfolg 
ausgerüstet werden konnte. 
Noch in dem Monat der Rückkehr dieser Expedition traten dann auch 
Dr. Petermann, Koldewey, Dr. Breusing, H. H, Meier und Rosenthal zu- 
sammen, um die Ausführung einer zweiten Expedition zu beraten, als deren Plan 
in erster Linie das Eindringen im die arktische Zentralregion auf Basis der 
osterönländischen Küste mit einer Überwinterung in den arktischen Regionen fest- 
zesetzt wurde, Die bewährte Tüchtigkeit und die von ihm bereits gewonnenen 
Erfahrungen konnten von vornherein keinen Zweifel darüber entstehen lassen, 
daß allein Koldewey, auf dessen. Charakter voll Mut, Ausdauer und Hingabe an 
die Sache unbedingtes Vertrauen zu setzen wär, auch die neue Expedition zu 
führen. haben würde, Für dieses neue Unternehmen Teilnahme zu erwecken, 
ließen es weder Dr. Petermann noch Koldewey an Mühe fehlen. Koldewey 
unternahm zu diesem Zwecke Rundreisen durch Deutschland und hielt an vielen 
Orten anregende Vorträge, die auch für die materielle Unterstützung der auf 
private Mittel angewiesenen Expedition gute Erfolge zeitigten, Das Interesse 
für die neue Expedition wuchs unter diesen Bemühungen, denen sich ein immer 
weiterer Kreis, darunter auch wieder W. v. Freeden, tatkräftig anschloß, so 
Über das Programm und die Fahrt siehe »Die deutsche Nordpol-Expedition 1668«, 
Ya +7. Freeden; »Die wissenschaftlichen Ergebnisse der ersten deutschen Nordfahrt, 1868,« 
Petermu. Mitt, 1869,
	        
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