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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Ann. d. Hydr. usw... XXXVLE Jahrg. (1908). Heft VI. 
797 
Carl Christian Koldewey +. 
Nach schwerem Leiden beschloß am 17.Mai d.J. zu Hamburg der Admiralitäts- 
rat Kapt. C. Koldewey, Abteilungsvorstand der Deutschen Seewarte a. D, im 
71. Lebensjahre sein tatenreiches Leben. Nur wenige Jahre waren ihm vergönnt 
vewesen, seines Ruhestandes zu genießen, in den er am 31, Juli 1905 getreten 
war, nachdem er 31 Jahre an der Deutschen Seewarte in ihrer neuen Organisation 
als Reichsinstitut, als Vorstand der Abteilung für Prüfung der nautischen, 
meteorologischen und magnetischen Instrumente und Apparate, sowie für An- 
wendung der Lehre vom Magnetismus in der Navigation, vorher aber bereits 
vier Jahre an der Norddeutschen Seewarte, aus der die Deutsche Seewarte in 
ihrer jetzigen Gestalt hervorgegangen ist, erfolgreich gewirkt hatte. So ist 
Koldewevs Leben und Tätigkeit eng verknüpft mit der Entwickelung dieses 
Institutes, 
Koldewey wurde geboren am 26, Oktober 1837 zu Bücken, Grafschaft 
Hoya des damaligen Königreichs Hannover, als Sohn eines Kaufmannes daselbst, 
Von 1849 bis 1852 besuchte er das Gymnasium zu Clausthal. Alsdann genötigt 
sich selbst zu unterhalten, trat Koldewey Ostern 1853 als Schiffsjunge in die 
seemännische Laufbahn ein, die er meist auf Bremer Schiffen zurücklegte. 1859 
ging er auf die Untersteuermannsschule in Bremen, bestand dort seine erste see- 
männische Prüfung und nahm alsdann eine Stelle auf einem Ostindienfahrer an. 
Die Obersteuermannsschule in Bremen absolvierte Koldewey im Jahre 1861 und 
yalt bereits damals als einer der vorzüglichsten Schüler Dr. Breusings, des 
anerkannt äußerst tüchtigen Leiters dieser Schule. Unter seinen verschiedenen 
Seereisen, die er alsdann bis zum Mai 1866 machte, gewann er auf einer Fahrt 
um das Nordkap nach Archangel bereits die Bekanntschaft mit nordischen 
Seefahrten, 
Aber die rein praktische Ausübung des Seemannsberufes genügte Koldewey 
nicht; sein Streben richtete sich auf eine vertiefendere und durchdringendere 
Kenntnis der auf See beobachteten Erscheinungen und der bei der Navigation 
zur Anwendung gelangenden Methoden. So widmete sich Koldewey in den 
Jahren 1866 bis 1867 einer höheren wissenschaftlichen Ausbildung und besuchte 
zu diesem Zwecke die Polytechnische Schule zu Hannover und die Universität 
Göttingen. Wie schon der Besuch der Steuermannsschulen, so wurde auch diese 
weitere Ausbildung Koldeweys nur durch eigene Ersparnisse und die Hilfe seines 
Bruders ermöglicht. Sein Studium wandte sich insbesondere der Mathematik, 
Physik, Mechanik und Astronomie zu. In Hannover fühlte er sich sehr durch 
lie Vorlesungen des Geodäten Hunaeus angezogen, bei dem er den Grund zu 
einer umfassenden Kenntnis der Konstruktion, der Behandlung und der Fehler 
der Meßinstrumente legte und von dessen Exkursionen zu barometrischen Höhen- 
messungen er gern Zu erzählen pflegte. In Göttingen hörte er insbesondere die 
Vorlesungen von Stern, Wilh. Weber und Klinkerfues und beteiligte sich 
mit großem Interesse an den von Stern geleiteten Übungen des mathematischen 
Seminars; für seine hierbei ausgeführten Arbeiten, unter denen sich eine Ab- 
handlung über die Theorie der Kurven doppelter Krümmung mit spezieller An- 
wendung auf die Loxodrome befindet, erhielt er die Seminarprämie, Ein sehr 
zut ausgearbeitetes, vollständiges Heft der Sternschen Vorlesungen über die 
Theorie der bestimmten Integrale legte Zeugnis ab von Koldeweys großem Fleiße 
und seinem vorzüglichen Verständnis für die subtilen Untersuchungen auf dem 
Gebiete der höheren Analysis. So schreibt denn auch Prof. Dr. Klinkerfues 
unter dem 9. April 1868 an Petermann: »Ich habe bei diesen Gelegenheiten 
in Herrn Koldewey einen für meine Wissenschaft ganz ungewöhnlich begabten 
Mann kennen gelernt. Was sich mir sehr bemerklich machte, ist die Raschheit 
und Korrektheit seiner Auffassung«. Die gemeinsame Teilnahme an den Übungen 
im Beobachten auf der Göttinger Sternwarte führte auch zur Bekanntschaft 
Ann. a. Hydlr. usw., 1908, Heft VI.
	        
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