236 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1908,
vollständigen Trockenheit bei durchweg heiterem Himmel ganz den Charakter
der antizyklonalen Wetterlage,
Vom 41, bis zum 10, des Monats gehörte das deutsche Küstengebiet dem
Bereich von Depressionen an, Der tiefste Luftdruck lag während dieser Zeit
andauernd in der Umgebung der Britischen Inseln, während Teilminima aus dem
Binnenland in nördlicher Richtung besonders über die Ostsee vordrangen. Das
Wetter war während dieser Tage meist regnerisch und die Temperaturen hielten
sich bis zum 6. nahe dem Gefrierpunkt, Am 7, und noch mehr am %, trat unter
dem Einfluß einer lebhafteren Südwestströmung an der Nordsee- und westlichen
Ostseeküste vorübergehend Erwärmung ein. Das Auffrischen der Winde am 7,
wurde hervorgerufen durch ein Teilminimum über der Nordsee, das zwar auch
am 8. noch stellenweise steife Winde erzeugte, aber am 9. von einer tiefen
Depression nordwärts fortgeführt wurde, die nordwestlich von den Britischen
Inseln heranzog und mit einem Kern von 725 mm Tiefe am 9. über Schottland lag.
Unter ihrem Einfluß entwickelten sich wieder lebhaftere Winde, die an der Nordsee-
and westlichen Ostseeküste teilweise stürmischen Charakter annahmen. Diese
Zyklone zog unter Verflachung in südöstlicher Richtung durch den Kontinent
hindurch und verschwand am 14. in Südrußland. Interessant war während des
Vorübergangs dieser Depression und des damit verbundene Umspringens der
Windrichtung nach Nord- bis Nordost das plötzliche Einsetzen von Frostwetter
am 12, März, wo ein Hochdruckgebiet vom hohen Norden her südwärts vordrang.
Dieses Hochdruckgebiet vereinigte sich am 14. mit einem nach Frankreich
rorgeschobenen Ausläufer eines im Südwesten des Erdteils gelegenen barome-
trischen Maximums, So bedeckte am 15. ein umfangreiches Hochdruckgebiet
den größten Teil Europas, Es verlagerte sich in den nächsten Tagen nach
Rußland und behielt, während ein Maximum seine Lage mehrfach veränderte,
bis zum Schluß des Monats Bedeutung für die Witterung an der deutschen
Küste, Die deutsche Nordsee- und westliche Ostseeküste stand, während der
östliche Teil im Bereich des Hochdruckgebiets lag, bis zum 21, unter dem Einfluß
von Tiefdruckgebieten, die das westliche und südliche Europa bedeckten, Dort
blieb deshalb die Witterung bis zu dem genannten Tage regnerisch, während
das Östliche Küstengebiet trockenes Frostwetter hatte, Das Hochdruckgebiet
über Westrußland kam alsdann am 22, stärker zur Entwicklung und verlagerte
seinen Kern allmählich westwärts nach Skandinavien, während tiefer Luftdruck
den Westen Europas bedeckte, Es beeinflußte die Witterung an der deutschen
Küste bis zum 27, so daß ruhiges, trockenes und meist heiteres Wetter bei Öst-
lichen bis südöstlichen Winden herrschten. Die Temperaturen stiegen jedoch nicht
erheblich über den Gefrierpunkt, nn
In den folgenden Tagen zog sich das Hochdruckgebiet wieder nach Süd-
rußland zurück, während Ausläufer einer ihr Minimum andauernd bei Island
aufweisenden. Depression von der Biscayasee her vordrangen,
In ihrem Bereiche blieb jedoch das Wetter am 28. und 29. zunächst noch
meist trocken, da sie über dem Küstengebiet ihre Luftzufuhr aus dem Kontinente
erhielten. Erst am 30. setzte bei ihrem weiteren Vordringen Regenwetter ein,
und am letzten Tage des Monats entwickelten sich sogar an der Nordsee- und
westlichen Ostseeküste vielfach steife und stürmische rechtdrehende Winde aus
westlichen Richtungen.
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