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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

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Aunalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1908, 
sein; denn Strahlung und Leitung von Schicht zu Schicht sind allzu gering- 
fügig, um solche Wärmemengen, wie hier erforderlich sind, so tief hinabzutragen. 
Nach der gewöhnlichen Ansicht kann die Konvektion nur in homogen oder in 
stabil gelagertem Wasser vorkommen, nicht aber in Wasser, dessen spezifisches 
Gewicht mit der Tiefe wächst, Das letztere ist aber gerade in den Tropen der 
Fall, weshalb man erwarten sollte, daß eine Konvektion hier nicht stattfindet, 
Eine nähere Untersuchung zeigt indessen, daß Konvektion auch in stabil ge- 
[agertem Wasser vorkommen kann, vorausgesetzt, daß sowohl Temperatur als 
Salzgehalt gleichzeitig mit der Tiefe abnehmen, Dies trifft nun in der Tat in 
den Tropen zu. Dort wird eine Wassermasse an der Meeresoberfläche infolge 
der Abdunstung immer salzhaltiger, bis es schließlich so salzhaltig wird, daß es 
irotz seines hohen Wärmegrades spezifisch schwerer wird, als das nächste, 
darunter liegende Wasser, Es sinkt dann auf das Niveau herab, in dem das um- 
zebende Wasser dasselbe spezifische Gewicht hat wie das sinkende Wasser, Das 
sinkende Wasser ist dann salzreicher und wärmer, aber spezifisch ebenso schwer 
wie das umgebende Wasser, Den hohen Salzgehalt behält es, gibt aber Wärme 
an das umgebende Wasser ab, Infolge dieser Abkühlung wird es schwerer und 
sinkt weiter auf ein noch tieferes Niveau herab, wo sich derselbe Vorgang wieder- 
holt, Das Wasser sinkt so lange als sowohl sein Wärmegrad wie sein. Salz- 
zehalt gleichzeitig mit der Tiefe abnehmen. Natürlich ist dieser Vorgang kein 
stufenweiser, wie wir ihn hier der Einfachheit halber geschildert haben, sondern 
ain unausgesetzter, so daß das sinkende Wasser immer salzreicher, wärmer und 
spezifisch schwerer als das umgebende Wasser ist und immer weiter sinkt. 
Durch die unasufhörliche Abkühlung wächst während des Sinkens sein spezifisches 
Gewicht fortgesetzt, 
Wenn das sinkende warme und salzreiche Wasser in die kalte Schicht 
unterhalb des Golfstroms eingetreten ist, gibt es seine Wärme an das umgebende 
Wasser ab, Dadurch wird dieses Wasser leichter als seine Umgebung und fängt 
an. zu steigen, Es kommt dabei in wärmere und salzreichere Schichten hinauf, 
Seinen geringen Salzgehalt behält es, nimmt aber stets Wärme von der Um- 
gvebung in sich auf und hält sich somit stets leichter als das umgebende Wasser, 
Es steigt aufwärts, bis es die Wasseroberfläche erreicht hat, wo es abdunstet, 
salzhaltig und warm wird, worauf es mit einer neuen Wärmemenge wieder herab- 
sinkt. In dieser Weise kann man sich denken, daß Wärme von der Meeres- 
oberfläche nach der kalten Schicht unterhalb des Golfstrems in den Tropen 
gebracht wird. 
Wir haben also eine Erwärmung unterhalb des Golfstroms in den Tropen 
und eine Abkühlung in der Oberfläche des Golfstroms in den arktischen 
Gegenden. In den Tropen strömt das Wasser durch die untere Grenzfläche des 
Golfstroms aufwärts, während es in den arktischen Gegenden durch diese selbe 
Fläche abwärts strömt, Oberhalb dieser Grenzfläche strömt das warme Golf- 
Fig. 13. 
Arktisch 
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X 
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Schematische Darstelhmg der Golfstromzirkulntion. 
stromwasser nordwärts, unterhalb derselben strömt das kalte Golfstromwasser 
südwärts, Man kann sieh demnach den Golfstrom als eine in sich geschlossene 
Zirkulation in zwei Schichten vorstellen, Betrachten wir die obere dieser 
Schiehten für sich, so findet hier stets Wasserzufuhr in den Tropen und Wasser- 
abfluß in den arktischen Gegenden statt: Dadurch wird diese Schicht in den 
Tropen dicker als in den arktischen Gegenden, Die untere Begrenzungsfläche 
dieser Schicht wird deshalb schräg und die Schicht selber keilförmig, siehe 
Fie, 13. In der Schicht wirken also nordwärts gerichtete Ejerknessche Kräfte,
	        
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