204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1908,
jassen.!) Dawson beruft sich für diese interessante Bemerkung auf das Zeugnis
von Mr, IH, Penney. Danach hat der Labradorstrom zwischen Roundhill
[sland und Battle Harbour, also unmittelbar nördlich von der Belle Isle seine
mittlere Geschwindigkeit während der vorherrschenden, d. i, westlichen und süd-
westlichen Winde. Bevor ein Nordoststurm aufkommt, wird er umgewendet und
setzt nach Norden, also »into the weather«, wie es auch von den Strömungen
an den südlichen Küsten Neufundlands bekannt ist.”) Nach dem Sturm strömt
er mit großer Stärke wieder südwärts. Dem Problem weiter nachzugehen, dafür
sind leider die Beobachtungen im Labradeorstrom selbst offenbar zu dürftig.
Doch könnte ein erheblicher Fortschritt wohl auch erzielt werden, wenn die
kanadischen Vermessungen sich durch zwei Schiffe gleichzeitig auf die beiden
Pforten des St, Lorenz-Golfes ausdehnen ließen. Immerhin hat, wie Dawson
kurz mitteilt, R. F. Stupart, Director of the Meteorological Service, einen ersten
Vergleich der zeitweilig herrschenden Belle Isle-Strömung mit den meteorologischen
Verhältnissen vorgenommen und einigen Anhalt dafür gefunden, daß sie zum
nordsüdlichen Luftdruckgradienten in Beziehung steht, der seinerseits nafürlich
mit den Neufundland passierenden. Depressionen zusammenhängt,
Einen praktischen Anzeiger der zeitweilig herrschenden Strömung hat
der Schiffsführer in der Än- oder Abwesenheit freischwimmender Eisberge {in
der Straße, ein Anzeichen, das auch völlig unabhängig davon ist, welche Ursache
den Strom hervorbringen mag, Außerdem faßt Dawson als die besten rohen
Anhaltspunkte noch folgende zusammen :
Wenn das Barometer steigend oder hoch und ständig ist, so ist Wahr-
scheinlichkeit für herrschenden Strom in OÖstrichtung vorhanden, so daß um
etwa 11/, Knoten die Geschwindigkeit des Ebbestromes verstärkt, die des Flut-
stromes vermindert sein. würde, Bei einer südlich vorüberziehenden Depression
and unsicherem Wetter dagegen ist die Wahrscheinlichkeit Weststrom. Fast
sicher kann er erwartet werden nach einem Sturm aus Nord oder Nordost und
zwar dann im Betrage von meist 1%, Knoten, um die also die Geschwindigkeit
der Flut vermehrt, die der Ebbe vermindert wäre, Im Sommer ist häufiger der
Ost-, im Frühjahr und Herbst eher der Weststrom zu gewärtigen. Keine ver-
läßlichen Anzeichen geben Lokalwind und Wassertemperatur, Die letztere fällt
zwar im ganzen ein wenig mit herrschendem West- und steigt mit herrschendem
Oststrom, wie leicht erklärlich ist; aber die Störung der Oberflächentemperatur
durch Stürme (siehe Kapitel YID ist bedeutend größer.
III. Die wirkliche Gesamtströmung.
Nach den vorstehenden beiden Kapiteln setzt sich die Strömung in der
Belle Isle-Straße aus zwei Elementen, einem regelmäßigen und einem unregel-
mäßigen zusammen, Immer hat deshalb der Gesamtstrom seine regelmäßige
Periode in der Stärke, aber nicht immer in der Richtung, da gelegentlich durch
das zweite Strömungselement, den »dominant flow«, der Gezeitenstrom gänzlich
überwunden d.h. am Kentern verhindert werden kann, wenn entweder jener
herrschende Strom besonders stark oder das Gezeitenelement besonders schwach
ist, Das letztere kann eintreten bei Nipptide und bei großer täglicher Un-
gleichbeit. Im Falle der Nipptide kann das Gezeitenelement für die ganze
fünfundzwanzigstündige Periode überwunden werden, so daß der Strom über-
haupt nicht kentert, in andern Falle nur für die halbe, der kleineren Tide ent-
sprechende Periode, so daß der Strom nur einmal am Tage zum Kentern kommt,
Da in dem Gezeitenelement der Belle Iste-Straße sowochl die halbmonatliche
wie die tägliche Ungleichheit zum Ausdruck kommt, so kann man jenes auch
aus zwei Perioden und somit den Gesamtstrom aus folgenden drei Perioden
zusammengesetzt. sich denken:
. ij Unperlodische Schwankungen von lJüngerer Daner sind bereits von W, Meinardus
ooretisch angenommen; vgl. z B. sAnn, d, Hrdı, usw.: 1004, 3. 357— 308.
% sAnm. dd. Hrdr. usw. 1905, 5 18