Grossmann: Die stürmischen Winde an der deutschen Küste vom 1, bis 12 ‚Janırar 1905, 197
ohne Stürme für die Ostküste abläuft, so bieten diese Stürme besondere Schwierig-
keiten für die Sturmwarnung. In der III Abteilung der Seewarte sind diese
Stürme als Darmer-Stürme bekannt, nach dem früheren Küstenbezirksinspektor
des fernen Ostens der Küste, der bei dem Sturmwarnungswesen für diese Stürme
ein gutes Wort einlegte,
Die Stürme vom 1. bis 12. Januar und die Sturmwarnungen.
Um der Deutschen Seewarte die nötige Unterlage für ein Studium der
Windverhältnisse der deutschen Küste zu gewähren und insbesondere die Ge-
winnung eines Urteils über den Erfolg des Sturmwarnungswesens zu ermöglichen,
stellen die Vorsteher der Sturmwarnungsstellen des Reiches und ebenso der
meisten Provinzial- und übrigen Sturmwarnungsstellen, regelmäßig drei mal
täglich, sowie während des Hängens von Sturmsignalen und zu allen Zeiten
anruhiger Witterung alle zwei Stunden Beobachtungen über Wind und Wetter an.
Die Beobachtungen werden in Tayebücher eingetragen, von denen der Seewarte
monatweise Abschriften zugestellt werden, Von solchen Monatstagebüchern
konnten für diese Untersuchung 95, darunter 57 von Sturmwarnungsstellen des
Reiches, benutzt werden, Ausgezogen wurden für jede Station und jeden Tag
die Richtung der die Stärke 7 erreichenden Winde und deren größte Stärke,
unter weiterer gleichzeitiger Feststellung, ob die Winde im Falle des Erlasses
einer Sturmwarnung zur Zeit des Eintreffens der Sturmwarnung auf der Sturm-
warnungsstelle bereits stürmisch wehten oder die Stärke 8 erst später erreicht
iyurde, Bei den am späten Abend erlassenen Sturmwarnungen aber wurde als
Kriterium für rechtzeitige Zustellung der Sturmwarnung die um 10 Uhr notierte
Windstärke in Betracht gezogen, da es dem Sturmwarnungswesen nicht zur
Last gelegt werden kann, wenn diese Sturmwarnungen den Sturmwarnungsstellen
erst am folgenden Morgen zugehen. Bei der Bearbeitung erfolgte dann ein
Zusammenfassen dieser Auszüge nach Gruppen von Stationen und zwar wurden
mit Rücksicht auf die Sturmwarnungen diejenigen Gruppen zugrunde gelegt,
die bei der Ausgabe von Sturmwarnungen an Stelle der einzelnen Sturm-
warnungsstellen als Adresse treten; hiervon abweichend wurde aber für die hier
vorliegende Aufgabe eine Teilung der östlichen Gruppe Lin Ia und Ib durchgeführt,
Es bedeuten in den nachfolgenden Tabellen die römischen Zahlen die Gruppen und
zwar IX das Gebiet von der Jade westwärts, VIIL/VII von der Wesermündung
bis Diepsand einschließlich Helgoland, VI anschließend die nördliche Nordsee,
V die Ostsee von Aarösund bis Flensburg, IV von Schleimünde bis Warnemünde,
III von Darsserort bis Greifswalder Oie, II von Streckelsberg bei Coserow bis
Leba, Isa von Rixhöft bis Brüsterort und Ib von Cranz bis nach dem äußersten
Nordosten. Soweit an einem Tage über einem Gebiet stürmische Winde im Be-
reiche verschiedener Sturmwirbel auftraten, wurden diese auseinandergehalten.
Zur Bestimmung der Gruppenwindrichtung wurden die Richtungen
aller die Stärke 8 erreichenden Winde der einzelnen Orte berücksichtigt und
dabei die folgende Bezeichnung gewählt: 4, 12, 20 und 28 der Reihe nach für
Winde aus dem NO-, SO-, SW- und NW-Quadranten 8, 16, 24 und 32 für Winde
aus östlichen, südlichen, westlichen und nördlichen Richtungen I, II, II, IV der
Reihe nach für Winde, die von W über NO bis S, von N über SO bis W, von
O über SW bis N und von S über NW bis O umliefen, bzw. zwischen diesen
Richtungen lagen; um endlich Winde nur aus W usw, zu bezeichnen, gilt die
Bezeichnung (24) usw. Hier wie nachfolgend schließt sich die Bezeichnung an
jene an, die ich in der Abhandlung »Die Stürme und die Sturmwarnungen an der
deutschen Küste in den Jahren 1886/95« in »Aus dem Archiv der Deutschen
Seewarte XXL Bd. 1898« benutzt habe.
Zur Kennzeichnung der Gruppenwindstärken wurde die Skala 0 bis 5
nach den folgenden Festsetzungen eingeführt:
Stärke 0: An weniger als der Hälfte der Orte Stärke 7 als höchste und
dabei an einzelnen aber weniger als der Hälfte der Stellen
Stärke 8 oder mehr.