accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

194 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1908, 
gerufenen Störungen und Schäden, Der mit dem Orkan verbundene Rückgang der Temperatur hat 
die überschwemmten Landflächen an der Westküste in eine einzige Eisfläche verwandelt, 
Cuxhaven, 9. Januar, Das Sturmwetter bat im Laufe des heutigen Tages noch weiter m 
Heftigkeit zugenommen; es war zeitweilig von Schneeböen begleitet, Gleichzeitig ist die Temperatur 
mehr und mehr gefallen, und es herrscht heute abend scharfer Frost. Der Sturm, dessen Richtung 
zwischen NO und NNO schwankt, hat auch auf See an Stärke gewonnen, denn während vormittags 
Borkum md Helgoland gleichlautend Windstärke S meldeten, traf nachmittags noch von Borkum eine 
Nachmeldung mit Windstärke 10 ein. Der ausgehende Schiffsverkehr stockt infolge clieses schweren 
Sturmwetters auf See fast gänzlich, da fast sämtliche seewärts bestimmte Schiffe ihre Ausreise unter- 
brochen haben und auf der hiesigen oder der Altenbrucher Reede schutzsuchend vor Anker gegangen 
sind. Auch der einkonmende Schiffsverkehr hat bedeutend nuchgelassen, 
Kiel, 9. Januar, Der Schneesturm aus nordöstlicher Richtung und das Hochwasser haben im 
Laufe des Tages am Hafen schr großen Schaden angerichtet, Abends war das Wasser bis auf 2.15 ın 
über normal gestiegen. Das ist ein Stand, der seit vielen Jahren nicht dagewesen ist. Alle Straßen 
am Hafen sind völlig unter Wasser gesetzt, so daß eine Passage unmöglich ist. Im Schutzhafen für 
die Bootführer schlugen die Wellen über Brücken und Kais; fünf Boote wurden zertrümmert, Am 
yanzen Hafen ist wohl keine Brücke heil geblieben. Von der vor dem Schlosse liegenden Barbarossa- 
Brücke wurden die Pontons losgerissen, die in den Schutzhafen tricben und dort viel Schaden an- 
richteten, Von den Seegartenbrücken wurden Niedergänge und Pfähle gerissen, Die Brücke der 
\WWilhelminenhöher Fähre ist völlig zerstört. Von der Jensenbrücke, den Vostdampferbrücken und der 
Viehbrücke wurde der Bohlenbelag abgehoben und fortgetrieben. Auch die Marinebrücken haben großen 
Schaden genommen. An der Elisabeth versank ein mit Proviant beladener Kutter des Linienschiftes 
„Wettin«. Die Neue Dampfer-Kompagnie stellte den Hafenverkehr vollständig ein. Die Hafenrundfahrt 
behielt ihre Dampfer in Fahrt, Solange cs ging; das Betriebsgebäude mußte aber geräumt werden, weil 
das Wasser in das Haus eindrang. Durch Eindringen des Wassers ist auch der maschinelle Betrieb 
der Klappbrücke unbrauchbar geworden. 
Auch in den Föhrdedörfern haben Sturm und Hochwasser großen Schaden angerichtet, In 
Laboe ist cine ganze Anzahl von Fischerbooten mit (jerätschaften gesunken, Die Möltenorter Fischer 
haben große Materialverluste erlitten, Die Heikendorfer Landungsbrücke ist ebenfalls stark beschädigt. 
In Stein sind fast alle am Strande liegenden Boote zerschlagen worden. Man befürchtet auch große 
Schäden an der Strandpromenade, 
Kiel, 10. Januar. Der Nordoststurm wütete auch gestern abend und in der Nacht mit un- 
verminderter Heftigkeit fort, so daß das Hochwasser eine für die am Hafen gelegenen Häuser gefahr- 
drohende Höhe erreichte. Heute morgen wurde der Hafenbetrieb teilweise Sieder aufgenommen, da 
die Gewalt des Sturmes nachgelassen hat, 
Kiel, 10. Januar. Am Düsternbrooker Strand, auf dem v. Ernernschen Grundstück, haben 
Sturm und Hochwasser die Ufermauern durchbrochen und große Fodokmengen fortgewaschen. Bei 
Bellevue ist die Brücke so beschädigt, daß sie für den Verkehr gesperrt werden mußte. Die Strand- 
promenade hat dem Sturm standgehalten. Bei Bellevue sind freilich einige Bodenmassen fortgewaschen, 
nennenswerte Schäden aber nicht entstanden; die Promenade ist mit fußhohem Seegras bedeckt, Von 
der Außenförde gehen schlimme Nachrichten ein. Die Steiner Fischer haben nach der Kieler Zeitung 
am schwersten gelitten, Fast die ganze Flottille ist gesunken und Boote und Fanggeräte versandet, 
Unter den verlorenen Fahrzeugen befinden sich neue, wertvolle Motorboote. In Laboe wurde während 
der Nacht mit allen verfügbaren Kräften an dem Entleeren der vollgelaufenen Strandhäuser gearbeitet. 
Im und vor dem Laboer Hafen sind fünf Boote, teilweise mit Netzen, gesunken. Die Fischer sind 
jetzt beim Bergen. Zwei Boote sind durch treibende Pontonscheiben mitgenommen, mit diesen bei 
Falkenstein an den Strand geworfen und dort zerschlagen worden. Der Altonaer Ein pi 
„M. Rademann & Sohn« ist beim Schleusenhaus bei Heidkate an Strand geworfen, liegt jetzt auf dem 
Deich auf Grasboden und steht vollständig trocken, Die eingeleiteten Rettungsarbeiten für die Mann- 
schaft wurden bei abflauenden: Sturm aufgenommen, Ob der Dampfer noch Hott zu machen ist, wird 
sehr bezweifelt, In Kür wurde die über 100 m lange Zementmauer vor dem Grundstück des 
Professors Niemeyer weggespült. Die Brücke des Siederschen Grundstückes wurde stark beschädigt. 
Um 5 Uhr erreichte das Wasser den Belag der beiden Dampfschiffsbrücken in Alt-Heikendorf. Die 
Strandpromenade nach Möltenort war überflutet, Die Waapsche Bootswerft, das Kohlenlager von 
W. Kähler und der Garten des Strandhotels füllten sich mit Wasser, Hier erreichte es die Ecke des 
Hauses und drang in den Keller ein, In Möltenort waren beide Brücken völlig unter Wasser und 
das Bollwerk des  Todishatene war gefährdet. Hinter Möltenort stand eine starke Brandung und die 
im Sommer gern besuchten Liegeplätze boten ein auderes Bild. Das Anlegen der Dampfschiffe war 
ausgeschlossen. und die Post kam auf dem Landwege, 
Schleswig, 9. Januar, Der heutige heftige Nordoststurm hat an den Ufern der Schlei Hoch- 
wasser veranlaßt. Das seit früher Morgenstunde herrschende Schneegestöber hat erhebliche Verkehrs- 
stockungen herbeigeführt. Die Züge der Staatsbahn vom Norden her hatten teilweise erhebliche Ver- 
spätungen. 
es Flensburg, 9. Januar. Der orkanartige Schneesturm letzte Nacht und heute hat arge Betriebs- 
störungen im Gefolge. Im Bahnbetricbe sind namentlich in nördlicher Richtung Störungen vorgekommen, 
während die Verbindung mit dem Süden, abgesehen von einigen Verspätungen, so ziemlich aufrecht 
erhalten wurde, Hier in der Stadt hatten die Schiffsbrücke und die anliegenden Straßen sehr durch 
Hochwasser zu Jeiden. Auch die verschiedenen Kleinbahnen vermochten ihre regelmäßigen Touren 
nicht auszuführen. Vom Norden ist seit gestern abend 7 Uhr hier kein Zug eingetroffen, Der gestrige 
Abendzug um 11 Uhr blieb schon bei Woyens im Schnee stecken. Der Dampferbetrieb auf der Föhrde 
ist völlig eingestellt; auch auf der Schiffswerft mußte der Betrieb heute eingestellt werden. Der Sturm 
hat zur Zeit, 7 Uhr abends, noch die volle Stärke, und das Wasser ist im Steigen begriffen, Zahl- 
reiche Gegenstände treiben von See her an der hiesigen Küste an.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.