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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Grossmann: Die stürmischen Winde an der deutschen Küste vom 1, bis 12, Januar 1908, 193 
Während der Sturmwirbel in wenig veränderter Tiefe am 9. Deutschland 
ostwärts durchquerte, verschärfte sich die Wetterlage dadurch, daß das Hoch- 
Adruckgebiet von Nordwesten her schnell heranzog und sich dabei in einem Aus- 
läufer über Südskandinavien ausbreitete. Während der Südweststurm vom 6, 
und ebenso die stürmischen Südostwinde vom 8. bei fallendem Barometer statt- 
fanden, wurde während des Nordoststurmes steigendes Barometer beobachtet, 
nachdem das Barometer bei südöstlichen Winden wieder stark gefallen war. Vom 
Abend des 5. bis zum Abend des 11. traten nacheinander die folgenden 
Schwankungen des Barometers in Millimeter an den Normalbeobachtungsstationen 
zufolge den Registrierungen auf: 
"Tabelle IT. 
Steigen 
(Zwischen den Fallen 
Fallen beiden Starm- (Starke Steiyen 
(SW. Sturm} wirbeln) SO-Winde) (NO-Sturm) 
3 
306 
1 
m 
Borkum , . 
Hamburg . ü 
N X 
Wustrow . 0. 2 A 
Swinemünde . . . 24 } 
Neufahrwasser , 20 +6 
Memel . . 2... 20 21 
wo die stärkeren Änderungen des Barometers von den angegebenen stürmischen 
Winden begleitet waren und der Südweststurm nahezu gleichzeitig mit dem 
ersten Sinken des Barometers sein Ende erreichte. 
Welchen Umschwung der Temperatur der Nordoststurm herbeigeführt hat, 
ist aus der obigen Temperaturzusammenstellung zu ersehen, indem die Nordost- 
winde dem vom Südweststurm herbeigeführten Tauwetier ‚ein schnelles Ende 
bereiteten. Im Bereich des am 10, von Nordwesten her nach Kontinentaleuropa 
vordringenden Hochdruckgebiets erhoben sich im Binnenlande die Temperaturen 
an den folgenden Tagen vom 10. bis 15. auch am Nachmittag nur vereinzelt 
über den Gefrierpunkt, während auf der Nordseite des Hochdruckgebiets an der 
Küste westliche Winde wieder vielfach milderes Wetter mit sich brachten, 
Wie der Sturmwirbel vom 6, so führte auch derjenige vom 9, und 10. 
überall und besonders im Osten große Schneefälle herbei. Am Morgen des 10. 
meldeten Rügenwaldermünde 22, Neufahrwasser 20, Königsberg 39 und Memel 
37 em Schneehöhe; eine Schneedecke bedeckte ganz Deutschland, auch in München 
in einer Höhe von 21 cm. In Dänemark und Schleswig-Holstein führten Schnee- 
verwehungen erhebliche Störungen des Eisenbahnbetriebes herbei, Von größerer 
Bedeutung war aber das an der Östsee durch den lange anhaltenden Nordost- 
sturm hervorgerufene teilweise gewaltige Hochwasser und die außerordentliche 
Erschwerung der Schiffahrt, die durch die vom Sturm zusammengetriebenen 
schwimmenden Eismassen hervorgerufen wurde, Zur Kennzeichnung dieser Ver- 
hältnisse mögen die folgenden aus Hamburger Zeitungen stammenden Berichte 
hier mitgeteilt werden: 
Hınburg, 10. Jannar, Der orkanartige Sturm, der, wie wir schon gestern meldeten, mit einem 
starken Kchneetreiben verbunden war and auch Hochwasser im Gefolge hatte, hat gestern abend und 
auch noch in der Nacht mit unverminderter Heftigkeit angehalten und nicht nur große Verkchrs- 
stockungen, sondern auch vielen Schaden an Gebäuden und Fahrzeugen verursacht, Auch verschiedene 
Menschenleben sind ihm zum Opfer gefallen, KErst heute morgen hat seine Gewalt nachgelassen, so 
daß der unterbrochene Verkehr stellenweise wieder aufgenommen werden konnte. 
Mit ganz besonderer Heftigkeit hat das Unwetter in Schleswig-Holstein zetobt. 
Friedrichstadt, 9%. Januar. Hier herrscht seit gestern abend ein orkanartiger Sturm mit 
schwerem Schnectreiben, Die Schiffahrt auf der Eider ist noch vollständig unterbunden, besonders 
nach Tönning und der Nordsce zu, du sich an der Eiderbrücke schwere Kismassen gestaut haben, die 
eine Durchfahrt nicht zulassen. Auch alle ankommenden Züge haben infolge des Schneecsturmes be- 
deutende Verspätungen. . . . 
. Tondern, 9. Januar. Der Orkan, zu dem im Laufe der Nacht der Südoststurm anwuchs, 
brachte auch an der nördlichen Westküste gewaltige Schneewchen, wie sie seit ‚Jahren hier nicht mehr 
vorgekommen sind, Stellenweise, namentlich in Einschnitten, lag der Schnee meterhoch und hatte be 
trächtliche Verkehrsstörungen im Gefolge, Die Frühzüge hatten sämtlich Verspätungen, Auf der 
Strecke nach Tingleff blich der Frühzug stecken und mußte erst freigeschaufelt werden, Auf der 
Strecke nach Wamdrup blieben drei Züge stecken, Beträchtlich sind anch die im Telephonnetz herror- 
&
	        
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