192 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1908.
tiefung des Minimums zugleich eine Ausbreitung des Hochdruckgebiets von
Südosteuropa nach Westrußland hin und ein Steigen des Luftdrucks über
Skandinavien, so daß nunmehr für die Ostsee die Gefahr stürmischer, zunächst
A Aöstlicher Winde zugenommen hatte und dementsprechend eine Warnung dieses
Gebiets vor stürmischen Winden aus östlichen Richtungen erfolgte, Eine Durch-
sicht von 95 Tagebüchern der Sturmwarnungsstellen hat ergeben, daß am Morgen
des 8. bereits über Rügen mehrfach stürmische Winde geweht haben, die im
Laufe des Vormittags abflauten, um dann am Abend wieder stark zuzunehmen.
Für Rügen war die Warnung also meist zu spät erfolgt und ebenso hatten
einige exponierte Stellen der Gebiete von Rixhöft bis Brüsterort bereits
stürmischen Wind, als die Warnung zuging, während die Sturmtelegramme im
übrigen der Ostseeküste rechtzeitig zugingen,
Als das Minimum im Laufe des Tages nach Belgien vordrang und dabei
sein Depressionsgebiet über ganz Kontinentaleuropa ausbreitete, während das
Barometer über den Britischen Inseln stark stieg, trat am Abend auch eine
Sturnmgefahr für die Nordsee hervor, so daß dieses zu jener Zeit nach den Wetter-
telegrammen noch ruhige Gebiet ebenfalls eine Sturmwarnung erhielt und damit
die Sturmsignale am Abend des 8, an der ganzen Küste hingen — soweit die
Sturmwarnungen vom späten Abend noch in der Nacht zugestellt werden und
die Stellen mit roten. Sturmlaternen ausgerüstet sind,
Die in den nördlichen Teilen der westdeutschen Küste bereits am Abend
des 8. nordöstlichen Winde drehten in der Nacht an der ganzen übrigen Küste
nach Nordost und wehten um &ı morgens am 9, noch an Stärke zunehmend,
bereits ostwärts bis Rügen stürmisch; im Westen der pommerschen Küste stellten
sich die stürmischen Winde gegen Mittag und nach Osten hin erst im Laufe des
Nachmittags und Abends ein. Ostwärts von Rossitten und Labagienen würden
stürmische Winde nicht beobachtet, Der Starm wär nicht minder schwer und
zum Teil schwerer als der Südweststurm vom 6, indem mit Ausnahme des Östens
an mehr als der Hälfte der Stationen die Windstärke 9 und vielfach 10 erreicht
worden ist; zufolge den genannten Tagebüchern war der Sturm am schwersten
an der schleswig-holsteinschen Ostsee- und der mecklenburgischen Küste, Die
Nacht brachte Abflauen bis auf die Küste von Swinemünde bis Brüsterort, wo
am Morgen des 10, um 8% meist noch Stärke 8 beobachtet wurde. Abgesehen
von dem äußersten Osten hielt der Sturm wohl meist mehr als 12 Stunden und
bis zu 18 Stunden. und darüber mit Windstärken 8 und mehr an; in den Stunden
um Mitternacht batte die ganze Küste ostwärts bis Rixhöft stürmische Winde,
Nach den Aufzeichnungen der Anemographen trat an den Normalbeobachtungs-
stationen der Deutschen Seewarte die größte Windgeschwindigkeit in Keitum
zwischen 4% Y. und 96 V, in Borkum zwischen 7} V, und 2 N, in Kiel zwischen
101 V. und 6% N, in Hamburg zwischen 0* N, und 5 N, in Wustrow zwischen
50 N. und 10% N., in Swinemünde von 10% N, bis 11° N, in Rügenwaldermünde
zwischen 24 Y. und 74 Y. am 10. und in Neufahrwasser zwischen 3% V. und 8b V.
am 10, ein.
Die erreichten. größten stündlichen Windgeschwindigkeiten (m p. Sek)
mögen nachfolvend mit denjenigen vom Südweststurm zusammengestellt werden;
ET Ko7. 000,
Borkum . 0. 4 | 17 | 20 , Kiel . 0 ss . US 14
Keitum +. 4 0.136 | 16 | Wastrow: . 0» .JPIF | 13
Hamburg. | IS 12 [Neem] 17 | ;
Diese größten mittleren Windgeschwindigkeiten im Gefolge der beiden
Sturmwirbel ergeben für die relative Schwere der beiden Stürme im allgemeinen
ein anderes Urteil als die weiterhin zu besprechenden, aus den Beobachtungen
der 95 Sturmwarnungsstellen abgeleiteten Gruppenwindstärken, Ob dieses Ver-
halten darauf zurückzuführen ist, daß der Nordoststurm böiger als der Südwest-
sturm wehte oder die Stärke des kalten Nordosssturms zum großen Teil höher
yeschätzt wurde als die des milden Südweststurms, kann nicht entschieden werden.
TE