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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Sandström, J. W.: Dynamische Versuche mit Meerwasser. 
Bei Füllung des Gefäßes hat man darauf zu achten, daß die verschiedenen 
Wasserschichten so wenig wie möglich miteinander vermischt werden. Deshalb 
ist es nötig, daß das Wasser mit so geringer Geschwindigkeit, d. h. durch so 
große Auslaufsöffnungen wie möglich ins Gefäß gegossen wird. Man verwendet 
hierzu am zweckmäßigsten einen viereckigen, pyramidenförmigen Trichter mit 
großem viereckigen Auslaufsrohr, das etwa 2 cm vom Boden des Gefäßes endigt. 
Dann gießt man zuerst das spezifisch leichteste Wasser in den Behälter und 
darauf der Reihe nach das spezifisch schwerere Wasser, also das schwerste zuletzt. 
Den einfachsten Versuch stellt man mit zwei Wasserschichten von ungefähr 
der gleichen Dieke (10 cm) an. Solange als keine Kräfte auf das Wasser ein- 
wirken, liegt die Scheidefläche beider Schichten horizontal, wenn man aber auf 
das Wasser bläst, nimmt sie eine schräge Lage ein wie auf Fig, 8. Besonders 
bemerkenswert ist die Vertiefung A an der Seite des Gefäßes, gegen die der 
Wind weht. Diese Vertiefung ist eine Folge der Zirkulation der oberen Schicht. 
Das OÖberflächenwasser wird nämlich zunächst vom Winde in der Richtung ge- 
trieben, in der er weht; sobald es das Ende des Gefäßes erreicht hat, taucht es 
unter und stößt gegen die Scheidefläche der Schichten an, die Fläche wird hier- 
durch ein klein wenig verschoben, so daß eine Vertiefung in derselben entsteht. 
Das verdrängte Wasser legt sich in der Nähe fest und verursacht hier eine 
relative Erhöhung der Scheidefläche, Die Folge hiervon ist eine geringe Krüm- 
mung der Scheidefläche, die nunmehr ungefähr die Form eines liegenden Integral- 
zeichens annimmt. 
Fig. 5. 
m 
Schweres Wasser. 
a 
Vom Winde hervorgerufene Zirkulation in veschichtetem Wasser 
Bei Projektion des Versuches tritt die Scheidefläche deutlich hervor, selbst 
wenn das Wasser nicht gefärbt ist, weil das Projektionslicht von den zwei 
Wasserschichten in verschiedener Weise gebrochen wird, weshalb die Scheide- 
fläche als eine scharf begrenzte Linie auf dem Projektionsbilde hervortritt. Man 
kann aber auch Fuchsinlösung ir die obere Schicht einspritzen, Infolge der 
intensiven Zirkulation in dieser Schicht breitet sich der Farbstoff schnell aus, 
und die ganze Schicht ist bald völlig rot gefärbt. Daraus sieht man, wie voll- 
ständig die beiden Schichten voneinander getrennt sind, Oberhalb der Scheide- 
Mäche ist das Wasser ganz rot, unterhalb derselben bleibt es vollkommen klar, 
trotz der heftigen Bewegung des Wassers im Gefäß, In Fig. 8 und den folgen- 
den Figuren bedeuten die schattierten Flächen das Wasser, das durch die 
Fuchsinlösung gefärbt ist, . 
Ein Seesturm ist indessen nicht als ein konstanter Wind, der über die 
ganze Wasseroberfläche weht, zu betrachten, sondern richtiger als ein heftiger 
Windstoß von gewaltiger Ausdehnung, der in der Regel von W nach OÖ wandert. 
Um zu sehen, wie ein solcher Windstoß auf das Meerwasser wirkt, lassen wir 
Luft aus einem Rohr schräg auf die Oberfläche des Wassers des vorigen Ver- 
suchs, nachdem es zur Ruhe gekommen ist, herabströmen, Wir finden dann, 
daß eine gewaltige wellenförmige Erhebung der Scheidefläche entsteht, wie auf 
Fig. 9, und daß, wenn wir das Luftrohr ein Stück weiter vorwärts führen, eine 
große Unterwasserwelle sich vorwärts wälzt, die auch, wenn das Luftrohr weg- 
genommen wird, sich fortsetzt. 
Die Stürme auf dem Meere dürften also von gewaltigen Unterwasserwellen 
begleitet sein, die wohl die Höhe von 100 m oder mehr erreichen können. Wenn 
der Sturm aufhört, setzt die Unterwasserwelle ihre Bewegung fort, und wenn sie 
dann gegen eine Küste stößt, entsteht wahrscheinlich eine Art von unterseeischer
	        
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