Kleinere Mitteilungen.
179
die grönländische Küste hinan zwangen. Im Juni und Juli trieb das Packeis,
infolge reichlicher Zufuhr von der Ostküste, bis nördlich von Godthaab und lag
aoch im August und September hier als schmaler Eisgürtel, Hudson-Straße
normale Eisverhältnisse, Juli viel abtreibendes Eis, August fast eisfrei.
Baffin-Bai, Kap York wurde am 10, Juni erreicht, in der Melville-Bai lag
zu dieser Zeit schweres Wintereis — auch an der Westseite ziemlich viel Eis,
jedoch passierbar —, im allgemeinen normale Verhältnisse.
Beaufort- und Bering-See, Nur spärliche Nachrichten, KEisverhältnisse
ziemlich normal.
Faßt man die Einzelangaben über die Eisverhältnisse in den verschiedenen
Gebieten zusammen, so kann man folgendes feststellen: Das Jahr 1907 ist sowohl
für die grönländischen Gewässer wie auch für die Labradorströmung ein eis-
reiches Jahr gewesen, Sehr ungünstig waren die Verhältnisse auch bei Süd-
Spitzbergen, während bei Island den ganzen Sommer kein Eis anzutreffen wär.
Dies ist eine Ausnahme, da als Regel im allgemeinen gelten kann, daß wenn im
ostgrönländischen Eisstrom und bei Spitzbergen viel Eis vorhanden ist, auch die
isländischen Gewässer unter Eis zu leiden haben. — Die Prognose für 1907
lautete günstig für die grönländischen Küsten, ungünstig für den Labradorstrom,
Daß die erste Hälfte der Prognose nicht eingetroffen ist, dürfte auf die anomalen
Witterungsverhältnisse des Jahres 1907 zurückzuführen sein, welche für Nord-
westeuropa denen der Jahre 1881 und 1888 ähnelten.
Die Prognose des Dänischen Meteorologischen Instituts für 1908 lautet:
Aus dem Eisreichtum an der grönländischen Ostküste während des Herbstes 1907
kann mit einiger Bestimmtheit der Schluß gezogen werden, daß ziemlich beträcht-
liche Eismassen im Jahre 1908 an der Südwestküste Grönlands zu erwarten sind,
W. Brennecke,
4. Gestirnshöhen ohne Horizont. In den »Proceedings of the United
States Naval Institute« 1907, S. 955, berichtet Herr Fiske, Captain in the U. S,
Navy, über Messungen von Gestirnshöhen bei unsichtbarem Horizont. Da der
Bericht einiges Interesse haben dürfte, soll das wichtigste hier mitgeteilt werden:
„Am 2, August 1907 steuerte das Kriegsschiff »Arkansas« mit den anderen
Schiffen des Übungsgeschwaders längs der Küste auf mw. N’/,O-Kurs, um die
Seguin-Insel an der Mündung des Kennebec-Flusses in Sicht zu laufen. Die
Schiffe befanden sich seit 16h nach der Abfahrt von Block Island in dichtem
Nebel, Gegen 10% 30" N. lichtete sich der Nebel etwas; um 10b 35" war es
klar genug, um die Positionslichter der Schiffe »Florida« und »Olympir« zu er-
kennen. Der Himmel war wolkenlos, viele Sterne waren sichtbar, vom Horizont
war nichts zu sehen.
Mit einem Stadimeter wurde der Abstand von diesen beiden Schiffen be-
stimmt. Dann steuerte man so, daß die Hecklichter der »Floridae und der
‚Olympia« nacheinander gerade unter dem Nordstern peilten, und maß nun die
Höhe des Nordsterns über den Hecklichtern bei einem Abstande von 500 Yards
von der »Florida« und von 1000 Yards von der »Olympiae,
Durch Rechnung ergab sich die Breite des Schiffsortes zu 42° 43’ und 42° 46°.
Um 1% 30”in V, lotete man etwa 55m Wasser auf der Platts-Bank, wodurch
man den Schiffsort auf 1 Sm genau erhielt. Man rechnete von da rückwärts und
fand, daß sich die »Arkansas« bei der Beobachtung des Nordsterns auf 42° 45.5’
befunden hatte.
Am folgenden Vormittage (3, August) lag die »Arkansas« vor der Mündung
des Kennebec vor Anker. Die Sonne schien völlig klar, der Nebel war aber so
dicht, daß das Boot (dinghy), das als Kimmarke benutzt wurde, nur 173 Yards
sichtbar war, Man machte gegen Mittag Breitenbestimmungen und fand die
Breite zu 43° 46’ und 43° 47, während man später, als der Nebel aufklarte, nach
Peilungen von der Seguin-Insel die Breite zu 43° 42.25’ fand. Der Fehler in
der Breite betrug also im Mittel 4.25’. Da die Sonnenhöhen gut gemessen waren,
beruht der Fehler in der Breite wahrscheinlich auf dem fehlerhaften Abstande vom