Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 31908.
hielt. Jeder Strom war auf eine einzige Schicht beschränkt und konnte die Be-
grenzungsfläche dieser Schicht gar nicht durchdringen,
Ich blies so kräftig auf das Wasser, daß die Oberflächenschicht einen
Keil bildete und die nächste Schicht zum größten Teil bloßgelegt wurde (siehe
Fig, 5), Die Oberfläche dieser Schicht fing dann an, in der Richtung des
Windes zu strömen, und diese Schicht fuhr fort, in derselben Richtung zu
strömen, so daß in der Schicht eine geschlossene Zirkulation entstand, wie Fig, 5
zeigt. Infolge Reibung zwischen dieser und der darunterliegenden Schicht fing
nun auch diese letztere zu Zirkulieren an, und zwar in entgegengesetzter
Richtung. Diese Schicht wieder setzte die unter ihr liegende Schicht in Zirku-
tation u. s. f.
Die keilförmige Oberflächenschicht wird sowohl vom Winde wie der dar-
unterliegenden Schicht angegriffen (siehe Fig. 6). Der Wind sucht eine Zirkulation
in der eigenen Richtung, und die darunterliegende Schicht eine solche gegen den
Wind hervorzurufen, Es zeigt sich aber, daß die untere Zirkulation die stärkere
ist; denn die Schicht zirkuliert gegen den Wind (siehe Fig. 6). Doch kann bis-
weilen der Fall eintreten, daß der Wind auch eine kleine Zirkulation hervorzu-
rufen vermag, und dann entstehen zwei verschiedene Zirkulationen in dieser
einen Schicht (siehe Fig. 7).
Fig.
&
Vom Winde erzeugte Zirkulationen in | Vom Wind erzeugte Zirkulationen in
geschichtetem Wasser, | der keilförmigen Oberwasserschicht.
Aus den Fig. 6 und 7 geht die bemerkenswerte Tatsache hervor, daß,
wenn die Scheidefläche zweier Schichten die Wasseroberfläche schneidet, das Ober-
Mächenwasser von beiden Seiten nach der Schnittlinie dieser Flächen hin
konveregiert
3.
Es fällt nicht schwer, künstlich Wasser herzustellen, das die nämlichen
Eigenschaften besitzt, wie Fjordwasser. Man braucht nämlich nur Kochsalz-
lösungen von verschiedenem Stärkegrad vorsichtig aufeinander zu gießen, so
daß immer spezifisch leichteres Wasser über spezifisch schwereres zu legen
kommt. Dabei ist es zweckmäßig, nicht allzu stark konzentrierte Lösungen zu
wählen, weil sonst Diffusionserscheinungen eine störende Wirkung ausüben
könnten. Ich habe deshalb mit Lösungen von etwa 20% 10% und 0%, Salz-
gehalt gearbeitet,
Zum Gefäß benutzt man zwei eben geschliffene Glasplatten von je 1 m
Länge, 25 cm Höhe und etwa 6 mm Dicke. Zwischen diese beiden Glasscheiben
legt man drei Holzleisten von 1!/, X 2'/, em Stärke, so daß ein oben offenes
Gefäß von 2! cm innerer Breite entsteht. Die Holzleisten werden mittels einer
warmen Eisenstange mit Marineleim an die Glasscheiben befestigt. Dadurch
wird außerdem erreicht, daß das Gefäß wasserdicht wird.
Bringt man eine elektrische Bogenlampe 1 m hinter dem Gefäß an, so
erhält man auf einem weißen Schirm, der in einem Abstand von 2!/, m vor das
Gefäß gestellt wird, verwendbare Projektionsbilder, die die verschiedenen Strö-
inungen im Gefäß zeigen.
Den Wind kann man mittels einer elektrischen Windturbine oder auch
mit einem Schmiedebalg oder einer Pumpe erzeugen. Er muß so gleichmäßig
wie möglich auf die Wasseroberfläche verteilt werden. Zu diesem Zwecke ver-
wendet man am besten eine Anzahl kleiner, schräg laufender Röhren, die von
ginem großen ZIauptrohre ausgehen,