„70
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1908.
Da Temperaturverbesserungstafeln für die betreffenden Instrumente nicht
vorhanden waren, so half sich Dr. Kohlschütter in gut gelungener Art dadurch,
daß er die beiden Nacht- sowie die beiden Tagesmärsche besonders vereinigte,
um so für die Ableitung der Reisegänge die Unterschiede in den Gängen bei
der niedrigen Nacht- und der hohen Tagestemperatur nachweisen zu können.
Die zwei deutschen Chronometer mußten bei der Berechnung ausgeschaltet
werden, weil jedes der beiden Instrumente zwei Minuten stehen blieb; das eine
während eines Tages-, das andere während eines Nachtmarsches.
Der Grund des Stehenbleibens ist aus der Arbeit nicht zu ersehen, viel-
leicht ist er ebenso wie bei der Vermessung des Commander Pullen der, daß
durch schlechtes Tragen Schwingungen um die Achse erzeugt worden sind, die
ein Stehenbleiben der Chronometer veranlaßten; gleiche Schwingungen bewirkten
dann ein Wiederingangsetzen.!)
Auf die Art des Tragens wird später noch eingegangen werden.
Das Ergebnis war, abgesehen von den beiden deutschen Chronometern,
ein für die übrigen Instrumente recht gutes. Größere Gangänderungen fanden
nicht statt, trotz mangelhafter Beschaffenheit des Weges. Dieser führte durch
dichten Wald, bergauf und bergab. Die Auf- und Abstiege waren sehr steil.
Den teilweise schlüpfrigen Weg machten Steingeröll sowie Wurzeln unbequem,
und namentlich nachts für die Beförderung der Chronometer wenig geeignet,
4, Beförderung von Chronometern seitens der Seewarte,
Dieser Versuch, welcher mit 12 Chronometern am 5. Juli 1899 teils durch
die Bahn, teils vermittels eines Dampfers stattfand, ist bereits in der Arbeit
»Transportversuche mit Chronometern« beschrieben worden.
Als Ergebnis stellten sich nur geringe Standunterschiede heraus, Zwei
Instrumente wiesen überhaupt keinen Standunterschied auf, Der höchste ge-
fundene Unterschied ergab 0,5% Die Gangänderung betrug als Mindest-
betrag 0.015%, im Höchstbetrage 0,41%%,
5. Beförderung eines Chronometers durch E. Hammer.
In den »Ann. d. Hydr. usw.« vom Jahre 1903 veröffentlicht E. Hammer
die Gänge eines Kutterschen Chronometers, Eigentum der Königlichen Tech-
nischen Hochschule zu Stuttgart, das sich durch sehr gleichförmigen Ruhegang
und eine vollkommene Temperaturausgleichung (Kompensation) zwischen -+ 5°
and + 25°C, auszeichnete,®) Zu dieser Arbeit gehört eine Tafel, welche die
graphische Darstellung der Gänge des Chronometers vorführt während einer
Polhöhenmessung von Mitte August bis Ende September 1902, einer Zeit, in der
das Instrument starken Fußmärschen — zeitweise bis zu 6 Stunden — und
längeren Eisenbahnfahrten — bis zu 4 Stunden — ausgesetzt werden mußte,
Aus der Tafel ist zu ersehen, daß das Chronometer während der eigent-
lichen Arbeiten (25. August bis 12. September) in seinem Gange hin und her
schwankte, Vom 12, bis 22. September geht es gleichmäßig ungefähr -+j- Zsek
täglich, unbeeinflußt durch eine vierstündige Eisenbahnfahrt,
Ergebnis. Da der Ruhegang vor den Beförderungen + 0,30** betrug,
der spätere Gang aber + 2.0%* war, so zeigt sich, daß die Beförderung in ihrer
Nachwirkung einen verlierenden Gang von 1.7%* auf das Chronometer aus-
geübt hat.
Ob dieser Gang auf die Beförderung allein geschoben werden kann, ist
fraglich, denn es fiel, wie in der Tafel angegeben ist, vor der Rückbeförderung
nachts bei einer Temperatur von nur +2°C. sehr starker Tau. Aller Wahr-
scheinlichkeit nach ist daher der verlierende Gang der großen Feuchtigkeit zu«
zuschreiben.
1) Nach Angabe des Professors Dr. Kohlschütter ist der angeführte Grund der wahr-
scheinlichste, ein anderer hat sich jedenfalls nicht feststellen Iassen. Die Chronometer sind so gut als
möglich von zuverlässigen Beobachtern getragen worden, die die anzuwendenden Vorsichtsmaßregeln
genau kannten und die lebhafteste Anteilnahme an einer tadellosen Ausführung der Zeitübertragung hatten.
?}) Gang eines Chronometers, von E. Hammer, »Aunn. d, Hrdr. usw.« 1903, 8. 362-363,