Rottok: Chronometer-Beförderungsversuche über Land.
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Zunächst sollen hier einige frühere Beförderungen kurz angeführt und
beschrieben werden:
1. Die von Prof, Dr. Peters, ausgeführt im Jahre 1883,
2. die von Commander Pullen R. N., veröffentlicht im Jahre 1889 von
Sir David Gill,
$, die von Dr. E. Kohlschütter, ausgeführt im Jahre 1898,
4. die von der Deutschen Seewarte, ausgeführt im Jahre 1899,
5. die von E. Hammer, ausgeführt im Jahre 1902,
I. Frühere Chronometerbeförderungen über Land.
1. Beförderung von Chronometern durch Professor Dr. Peters.
Die im Jahre 1883 durch Prof. Dr. Peters geleitete Beförderung von 70
der Kaiserlichen Marine gehörigen Chronometern von der Sternwarte Kiel nach
dem Chronometer-Observatorium ist bereits in meiner Arbeit »Transportversuche
mit Chronometern«*) beschrieben worden,
Das Ergebnis war kurz gefaßt folgendes: 2 Chronometer blieben während
der Beförderung stehen, 21 Instrumente ergaben eine Gangänderung von über 10h
darunter zeigten 7%, eine solche von über. 2%*, Die höchste Gangänderung
betrug 2.65%, Schuld am Stehenbleiben der Chronometer ist wahrscheinlich eine
schnelle oder ruckweise Horizontaldrehung der Instrumente beim Tragen, schuld
an der großen Gangänderung der zu späte Vergleich mit der Normaluhr (erst
L1 Tage nach der Beförderung).
2. Beförderung eines Chronometers durch Commander Pullen.
Von dem Königlichen Astronomen der Sternwarte zu Kapstadt Sir David
Cill wurden im Jahre 1889 die Ergebnisse der Vermessungen veröffentlicht,
welche s. Zt. der verstorbene Commander in der englischen Marine Pullen im
Verein mit dem Astronomen Finlay an der Westküste von Afrika ausgeführt hat.)
Die Beobachtungen wurden angestellt auf der Sternwarte zu Port Nolloth,
Mossamedes, Benguela, St. Paul de Loanda, Säo Thom und Bonny. Zur Be-
nutzung kam ein Chronometer. Dasselbe ist des öfteren eine halbe Meile und
mehr zu Fuß, zeitweise ungefähr 3 Meilen vermittels Bahn befördert worden,
Als Ergebnis wurde im allgemeinen kein für den Gebrauch zu beachtender
Gangverlust gefunden, Zu Port Nolloth, Mossamedes und Benguela indes ergab
sich ein nicht ganz zufriedenstellender Gang. Dieses liegt, nach Ansicht von
Sir David Gill, zum Teil an den Temperaturunterschieden der Beobachtungs-
stationen nachts und dem Orte, an welchem das Instrument am Tage aufbewahrt
wurde, zum Teil an der Art des Tragens.“) Das Chronometer erlitt z. B. infolge
schlechten Tragens am 10. August zu Port Nolloth einen Gangverlust von 1%*,
8, Beförderung von Chronometern durch Dr, E. Kohlschütter,
Behufs Grenzregulierung zwischen dem Nyassa- und Tanganyika-See würden
im Jahre 1898 von einer deutschen und einer englischen Abordnung astro-
nomische sowie geodätische Arbeiten angestellt,*‘) zu deren Ausführung von dem
deutschen Vertreter Dr. Kohlschütter im Verein mit dem englischen, vier
Chronometerreisen von der Nkata-Bay nach dem Telegraph Camp unternommen
wurden,
Um die Instrumente von einem Orte zu dem anderen zu befördern, waren
jedesmal Märsche von ungefähr einer Stunde Dauer notwendig. Während dieser
Märsche (2 Tages- und 2 Nachtmärsche) standen zur Verfügung: 4 Beobachtungs-
uhren und 2 Schiffschronometer der deutschen sowie 4 Deckschronometer der
englischen Abordnung,
‚Transportversuche mit Chronometern«, »Ann. d. Hydr. usw.- 1906, 8. 583ff.
Telegraphie determinations of longitudes on the West Coast of Africa ete. 1559.
Auf die Art des Tragens bei der Beförderung wird später näher eingegangen werden,
) Bericht über die astronomischen und peodätischen Arbeiten der deutschen Grenzregulierungs-
Kommission. zwischen dem Nyassa- und Tanganyika-See. Von Dr. E. Kohlschütter, (Mitteilungen
‚on. Forschungsreisenden und Gelehrten aus den deutschen Schutzgebieten 1900, XII. Band, S. 263.)