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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Raydt: Ortsbestimmung auf Sce durch Standlinien unter Anwendung der Stundenwinkelformel usw. 167 
Die Konstruktion der Standlinien führe ich stets auf dem Bolteschen 
Diagramm aus (Fig, 4), welches zum Preise von 20 Pfg, bei Eckardt & Messtorff 
in Hamburg zu haben ist. Ich kann dies Diagramm allen denjenigen warm 
empfehlen, denen zur Konstruktion der Standlinien nicht die Karte zur Ver- 
fügung steht, 
Man kann ein solches Diagramm 
etwa hundertmal benutzen, ehe es auf- 
gebraucht ist, Natürlich läßt sich PunktS 
auch trigonometrisch berechnen, Die 
graphische Lösung ist der rechnerischen 
meiner Ansicht nach aber vorzuziehen. 
Ich gehe deshalb nicht näher auf 
letztere ein. 
Auf vielen Schiffen herrscht die 
Gepflogenheit, aus der morgens beob- 
achteten Höhe gleich die Länge mit 
der Besteckbreite auszurechnen, Mit 
Hilfe der Tafeln a und b in Brunswigs 
„Nautischem Allerlei« berechnet man 
dann den Einfluß eines Fehlers von 1’ 
in der Breite auf die Länge. Diesen 
Wert, x genannt, multipliziert man 
mittags mit dem Unterschied zwischen 
Breite nach Besteck und Breite nach 
Beobachtung; das Produkt ist die Be- 
richtigung der Länge für die beob- Stark verkleinerte Abbildung des Diagramnıs. 
üchtete Breite, Das gleiche kann man 
reichlich so einfach mit dem Bolteschen Diagramm ausführen. Da dies besonders 
für diejenigen Herren von Interesse sein dürfte, die nicht im Besitz eines 
‚Brunswig« sind, will ich die Methode im folgenden kurz beschreiben und durch 
ein Beispiel erläutern. 
Man berechne morgens die Länge mit der Besteckbreite, schlage das 
Azimut auf!) und zeichne die Standlinie ins Diagramm. Um 11% berechne man 
das Besteck für Mittag und die für die Besteckbreite gültige Meridiansonnen- 
unterrandshöhe nach der Formel: © i. Merid. = 90° + ö— (p + 6G.K.) Der Unter- 
schied zwischen der gemessenen und vorausberechneten Meridiansonnenunter- 
vandshöhe ist dann der Breitenunterschied von S und R. Im Schnittpunkt 
der Standlinie mit dem der Beobachtung entsprechenden Breitenparallel (von S) 
liest man dann direkt die Abweichung ab; diese verwandelt man in Längen- 
unterschied, den man nur an der Bestecklänge anzubringen hat. Breite und 
Länge für Mittag sind dann ausgerechnet, wenn der letzte Schlag von 8 Glas 
kaum verhallt ist, 
Beispiel. Unter sonst denselben Verhältnissen wie bei Beispiel 1 beobachtete 
man die Meridiansonnenunterrandshöhe zu 26° 53. Die Augeshöhe betrug 12 m. 
Besteck für Mittag: # = 44° 26’ N, 1=—45°32 W, Oö-— 18° 42. 
90° 
+06 = — 18° 129 
WS VI IS 
—@+G6.K) = — 44° 34 
berechnete CL Merid. = 20° 47 (für R) 
gemessene_() 1. Merid, — 26° 53 
ip= FT sid 
a = 16.7 Sn Ost (siehe Skizze Fig, 5) 
47 — 33.4 Ost 
FA 
1) Man pflegt vielfach gleichzeitig mit der Längenbeobachtung eine Peilng der Sonne vor- 
zunehmen, um die Deviation des Kompasses zu bestimmen. Hierzu muß man das wahre Azimut 
sowieso aufschlagen. Aber selbst wenn dies nicht der Fall ist, ist das Aufschlagen des Azimuts nicht 
amständlich und jedenfalls nicht so zeitraubend wie die Benutzung der Tafeln a um b im »Brunswige, 
2) Die fettgedruckten Ziffern bezeichnen die Rechenarbeit, die mittags zu tun ist.
	        
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