164 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1908,
Höhe = RC die Lage des Punktes C. Dann zieht man die Standlinie durch C
senkrecht zu RC.
Bei Betrachtung der Figur drängt sich unwillkürlich die Frage auf:
‚Wozu brauchen wir überhaupt den Punkt C? Würde es nicht einfacher sein,
den Punkt A oder den Punkt B zu berechnen und durch einen dieser Punkte
senkrecht zum Azimut die Standlinie zu ziehen ?«
Von Punkt A ist die Länge bekannt = An. Ferner liegt Punkt A auf der
Höhengleiche (Standlinie), Um Punkt A zu erhalten, braucht man also nur aus
der Höhe und dem mit Hilfe der Bestecklänge gebildeten Stundenwinkel die
Breite zu berechnen,
Von Punkt B ist die Breite bekannt = @x. Ferner liegt Punkt B eben-
falls auf der Höhengleiche (Standlinie). Um Punkt B zu erhalten, braucht man
also nur mit der Besteckbreite die Länge zu berechnen,
Ist Punkt A oder Punkt B ermittelt, so zieht man durch einen dieser
Punkte die Standlinie senkrecht zum Azimut ebenso leicht wie durch den Punkt €.
Denn es ist doch wohl gerade so einfach und richtig im Sinne der geometrischen
Aufgabe, ein rechtwinkliges Dreieck aus einer Kathete und den Winkeln zu
konstruieren, wie aus der Höhe (auf die Hypotenuse}) und den Winkeln.
Sowohl die Berechnung des Punktes A als die des Punktes B ist bedeutend
einfacher als die Berechnung des Punktes C, Bei Höhen in der Nähe des
Meridians (Azimut 0—20°) berechnet man den Punkt A mit Hilfe irgend einer
Breitentabelle durch einfaches Interpolieren. Ich empfehle hierzu »Davis’
Exmeridian Tabjles«, published by J. D. Potter, London. Diese Tafel ist bis zu
64° Deklination zu benutzen, reicht also für Sternbeobachtungen vollkommen
aus, Für diejenigen, die nur die Sonne beobachten oder beobachten wollen,
genügen die bedeutend billigeren Breitentabellen von Brunswig (Eckhardt
& Messtor{f).
Bei allen anderen Höhen berechnet man Punkt B nach der Stundenwinkel-
formel. Daß dies Verfahren bequemer ist als die Ermittelung des Punktes C
durch Berechnung der wahren Höhe, brauche ich wohl nicht näher zu begründen.
Was die Genauigkeit der so erhaltenen Standlinie betrifft, so kann sie sich
jederzeit mit der nach der Höhenmethode ermittelten messen. Man wird sagen,
daß bei einem Azimut von ungefähr 20° durch einen kleinen Fehler der in
Rechnung gesetzten Argumente die Lage des Punktes B bedeutend gefälscht
wird, Dies ist wohl wahr. Aber in demselben Maße, wie bei kleiner werdendem
Azimut die Unsicherheit des Punktes B zunimmt, nimmt der Betrag, um den die
Standlinie durch eine fehlerhafte Lage von B verschoben wird, ab. Die
Genauigkeit der Standlinie wird also nur scheinbar hierdurch ungünstig
beeinflußt,
Zur weiteren Erläuterung der von mir empfohlenen Methode lasse ich
hier zwei Beispiele aus der Praxis folgen, wie sie bei bewölktem Himmel tag-
täglich an Bord vorkommen,
Beispiel 1. Am 27. I. 1908 wurde um 81/4 V, Schiffszeit beobachtet:
M. G. Z. 11% 27min 378ek w, < 9°4. Logg 20 Sm.
Schiffsort nach Besteck: 44° 35’ N-Br., 44° 40 W-Lg.
Es wurde gesteuert S76°W rw. Mittags erhielt man keine Sonnenhöhe,
das Logg zeigte 58 Sm, Es wurde nun derselbe Kurs weitergesteuert und um
1/2 N. Schiffszeit beobachtet:
M, G. Z. 4b 25a 305k w, © 25° 0. Logg 70 Sm.
Auf welcher Breite und Länge befand man sich hiernach um Mittag?