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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Tietz, G.: Orkan im Arabischen Meer rom 23, Oktober bis 3, November 1906, 161 
30. und das Zurückwandern in die alte Richtung vom 30, bis 31. Oktober, Ferner 
ist bemerkenswert das verhältnismäßig schwache Einströmen des Windes an der 
Vorderseite des Orkans und der verhältnismäßig hohe Barometerstand. im. Zentrum 
{s, Berichte des Kreuzers »L’Alger« und Dampfers »Goentoer«), 
Die Barometerangaben {in den synoptischen Kärtchen sind auf 0°C, reduziert 
und für Schwere verbessert; Windstärken nach der Beaufortschen Skala. 
Außer dem französischen Kreuzer »L’Alger«, der sich durch an der 
Vorderseite des Orkans angetroffene verhältnismäßig schwache Winde verleiten 
ließ, seinen Kurs durchzusteuern, trotzdem er wußte, daß ihn dieser auf das 
Orkanzentrum zuführte, gelangten. nur drei Schiffe in solche Nähe zum Zentrum, 
daß sie gezwungen wurden, von ihrem Kurse abzuweichen, Davon waren zwei 
auf der Heimreise begriffen, eins auf der Ausreise, Yon den drei Dampfern, die 
in die Nähe des Zentrums gelangten, versuchte einer das Zentrum nördlich zu 
passieren und den Kurs nördlich von Sokotra zu setzen; das Wetter wurde aber 
zu Schlecht, deshalb legte man den Dampfer mit langsamer Fahrt auf südlichen 
Kurs und bekam bald steigendes Barometer und abflauenden Wind, so daß Kurs 
auf Kap Guardafui aufgenommen werden konnte, Der zweite Dampfer gelangte 
in den Orkan, als dieser am letzten Tage vor dem Golf von Aden nochmals an 
Stärke zunahm; der Dampfer hatte nördliche Winde und wurde auf nördlichem 
Kurse beigelegt. ') 
Am schlechtesten erging es dem dritten, dem niederländischen Dampfer 
+Solo«, dessen Reise im Maiheft 1907 der Zeitschrift »De Zee« durch Herrn 
P, H, Galle vom Meteorologischen Institut einer eingehenden Besprechung unter- 
zogen wird, der wir folgendes entnehmen: Der Dampfer »Solo« war auf der 
Heimreise dem Orkan von hinten aufgedampft, hatte den hinteren Teil des Orkan- 
feldes mit westnordwestlichem Kurse geschnitten, war am 30. Oktober in gefähr- 
liche Nähe des Zentrums gelangt und mußte bei schwerem Südoststurm auf 
etwa SzO-Kurs beigelegt werden. Dazu wird im Journal die Bemerkung ge- 
macht: »um den Orkan hinter sich vorüberziehen zu lassen«. Man war also der 
Meinung, daß der Orkan, dessen Zentrum ganz richtig in SWzW angenommen 
wurde, sich nach Nordwesten fortbewegte, was ja auch sehr gut hätte der Fall 
sein können, Während des Beiliegens raumte. der Wind bis auf Süd, das Baro- 
neter stieg, und man legte um 84 N den Dampfer auf westlichen Kurs, mit dem 
man wahrscheinlich glaubte, an der Südseite des Zentrums vorbeizukommen. 
In Wirklichkeit befand man sich aber schon an der Nordseite der Orkanbahn, 
hätte also besser getan, einen südlichen Kurs beizubehalten, um. dann, wenn das 
Wetter handlicher geworden wäre, Kap Guardaful von Süden aus anzusteuern, 
Mit westlichem Kurse hatte man die größte Aussicht, wieder von hinten im den 
Orkan hineinzulaufen, Und so geschah es auch, Schon nach einstündigem 
Dampfen krimpte der Wind wieder, und das Barometer fiel von neuem. Um 
86V am 31. Oktober wehte der Wind mit Stärke 10 bei einem Barometerstande 
Fon 750.1 mm, und man war von neuem gezwungen beizudrehen. Es wehte be- 
ständig voller Orkan, Stärke 12, aus Ost, wahrscheinlich weil Wind und See das 
Schiff mit derselben Geschwindigkeit vorwärts trieben, wie sich das Zentrum 
vorwärts bewegte, so daß es Richtung und Abstand vom Zentrum nicht änderte; 
um 10% V schien das Zentrum einen Vorsprung gewonnen zu haben, denn der 
Wind drehte mit Stärke 12 auf SOzS, das Barometer stieg von 10% bis 12h von 
748.6 auf 750.0 mm. Um 46N war der Wind SSO, Stärke 11, Barometer 
752.3 mm. Alles deutet darauf hin, daß sich der Dampfer von 8% V bis 20 N 
in nächster Nähe des Zentrums befunden hat. Nachdem bis 12% nachts am 31, 
das Barometer bis auf 757.2 mm gestiegen war und der Wind bis auf SSW 6 
bis 7 abgeflaut hatte, legte man den Dampfer auf Nordwestkurs, auf dem man 
sich zum dritten Male dem Zentrum näherte und um 43N am 1, November, als 
das Barometer auf 754.0 mm stand, genötigt war, bei Sturm aus Osten, Stärke 9, 
zum dritten Male auf südöstlichem Kurse beizudrehen, Als um 116 N das Baro- 
meter bis 758.1 mm gestiegen war und der Wind aus 0OzS nur noch mit Stärke 6 
4 Die Stellungen dieser beiden Dampfer sind nicht in Jer Tafel verzeichnet.
	        
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